BimmerToday Deutschland

Fahrbericht BMW Alpina B5 GT: Der Geschwindigkeits-Gourmet

Kaum eine Aufgabe ist so schwer wie das Finden eines würdigen Abschlusses für ein über Jahrzehnte gepflegtes Projekt, das in verschiedenen Varianten zigtausende Menschen auf der ganzen Welt begeistert hat und weiterhin begeistert. In Buchloe musste man sich der Herausforderung dennoch stellen, denn der neue BMW Alpina B5 GT (G30 LCI) wird der letzte unter Führung der Familie Bovensiepen veredelte 5er sein. Wir durften den mit 634 PS bisher stärksten Serien-Alpina aller Zeiten für einen ersten Fahrbericht auf der Rennstrecke von Zandvoort erleben und uns selbst ein Bild davon machen, mit wie viel Feingefühl die Alpina-Ingenieure ihren ohnehin schon sehr überzeugenden B5 weiter verfeinert haben.

Der Ort der Präsentation ist dabei keinesfalls zufällig gewählt, denn auf der kleinen Dünen-Achterbahn würde man normalerweise nicht unbedingt den Wohlfühlbereich des BMW Alpina B5 GT vermuten: Mit 634 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment, vor allem aber mit einer selbst im erweiterten Wettbewerbsumfeld konkurrenzlosen Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h ist sein angestammtes Revier zweifellos die freigegebene Autobahn. Doch dass er auf gerader Strecke höchstens Exoten passieren lassen muss und im Regelfall sogar ausgewiesene Supersportler für ihn die Bahn frei machen müssen, hat sich spätestens seit dem unvergessenen Werbevideo mit B5 Touring, AMG GT und 911 GT3 RS herumgesprochen. Im Fall des Alpina B5 GT war es aber das erklärte Ziel, ihn auch optimal auf enge Ecken und selbst die Steilkurven des Circuit Park Zandvoort vorzubereiten.

Aerodynamische Maßnahmen wie der Frontsplitter und die zusätzlichen Canards an der Frontschürze weisen gemeinsam mit zahlreichen Akzenten in Marron Volciano auf die gewachsenen Ansprüche hin, absoluter Hingucker sind dabei die Schmiederäder im Alpina Classic-Design. Neben der exklusiven Farbgebung tragen diese auch einen B5 GT-Schriftzug, vor allem aber sind auf ihnen Pirelli P Zero in Alpina-spezifischer Abstimmung montiert. Die klebrigen Italiener sind hauptverantwortlich dafür, dass die Limousine auch in enge Kurven wie den Eingang zur Schikane in der Hans Ernst Bocht extrem willig einlenkt und dabei durchaus an den M5 erinnert.

Im Gesamtbild bleibt der Alpina aber dennoch weit vom Track-Fokus eines aktuellen M5 entfernt, denn auf die Sportwagen-typische Härte des Garchingers verzichtet er konsequent. Das zeigt sich in Zandvoort immer dann, wenn man die flachen Kerbs in den schnellen Kurven leicht mitnimmt und dabei kaum spürt, dass man gerade über die Streckenbegrenzung jagt. Das Thema Komfort kommt hier also auch in den sportlichsten Einstellungen nie zu kurz, auch wenn das agile Einlenken zunächst etwas anderes suggeriert. So gesehen gelingt dem Alpina B5 GT ein für den Alltag sehr angenehmer Kompromiss aus erlebbarer Dynamik einerseits, aber ohne andererseits größere Kompromisse beim Überfahren etwas schlechterer Streckenabschnitte zu verlangen.

Die neuen Sportsitze mit B5 GT-Logos in den Kopfstützen und blau hinterlegten Alcantara-Mittelbahnen machen dabei nicht nur optisch viel her, sie bieten auch ordentlichen Seitenhalt. Auf die weniger angenehmen Aspekte echter Schalensitze, etwa beim Ein- und Aussteigen störend-hohe Seitenwangen an der Sitzfläche, wird dabei ganz bewusst verzichtet. Auch dieses Detail zeigt, mit wie viel Feingefühl sich Alpina der Dynamisierung des B5 verschrieben hat: Das angestrebte Plus an Fahrdynamik sollte keinesfalls die Charakteristik der Business-Limousine entstellen und die Kunden mit übertriebener Härte verschrecken.

Das wohldosierte Hochfahren der Sportlichkeit umfasst auch filigrane Schaltwippen und viele weitere Details in Marron Volciano sowie eine neue Abgasanlage mit neuer Mittelschalldämpfer-Konfiguration und Titan-Endrohren. Letztere tragen zu einem etwas kernigeren Sound als beim Serien-B5 bei, doch der GT bleibt auch in dieser Hinsicht ein dem Understatement verpflichteter Gentleman, der auf übertriebene Zurschaustellung seines enormen Leistungsvermögens verzichtet. Etwas mehr Achtzylinder-Sound ist also durchaus an Bord, aber der GT wahrt selbst beim Ausdrehen unter Volllast immer die Contenance – allerdings nur in akustischer Hinsicht. Wie unser Tacho-Video andeutet, ist die Beschleunigung von absolut kompromissloser Vehemenz und unterbietet die Werksangabe von 11,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 200 km/h deutlichst:

Auch in dieser Hinsicht bleibt der BMW Alpina B5 GT der langen Historie des Hauses treu: Er zelebriert die Kunst des schnellen Reise-Automobils, das als Langstrecken-Brenner mit Platz ein Gran Turismo wie aus dem Bilderbuch ist. Wer Sektor-Bestzeiten in den kurvigen Abschnitten von des Circuit Zandvoort aufstellen will, findet heute wie damals bessere Angebote – sitzt dann aber meist in einem Fahrzeug, das kaum jemand regelmäßig für Langstrecken nutzen möchte. Insofern ist der BMW Alpina B5 GT kein Schlusspunkt, sondern ein dickes Schluss-Ausrufezeichen unter die beeindruckende Geschichte der in Buchloe veredelten 5er.

 

Welche Hintergründe zur Übernahme durch BMW führten und wie es in Zukunft mit Alpina weitergeht, erzählte uns Alpina-Chef Andreas Bovensiepen im Interview.

Exit mobile version