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BMW M2: Interview mit Dirk Häcker beantwortet eure Fragen

Als wir uns vor wenigen Wochen einen ersten Eindruck vom neuen BMW M2 F87 machen durften, haben wir die Chance auch für ein ausführliches Gespräch mit Dirk Häcker genutzt. Unser Interview mit dem Leiter Entwicklung BMW M Automobile liefert dabei auch viele Antworten auf die Fragen, die ihr uns mit auf den Weg gegeben habt. Auf die Frage der BMW M2 Lieferprobleme sind wir bereits separat vom Interview detailliert eingegangen.

Im Gespräch geht es nicht nur um die Entwicklung des BMW M2 und die Hintergründe für bestimmte Lösungen, wir beleuchten und hinterfragen auch die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und letztlich die Positionierung im Vergleich zum großen Bruder M4. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

BimmerToday.de: Der BMW M2 steht unübersehbar in der Tradition des 1er M Coupé, wie kam es zur Entwicklung dieses neuen Kompaktsportlers?
Dirk Häcker: Wir hatten einerseits große Lust darauf, wieder so ein Fahrzeug zu bauen und andererseits natürlich auch die Nachfrage von Kunden, die mit unseren Kompaktsportlern in der Vergangenheit hochzufrieden waren. Diese waren stark an einem adäquaten Nachfolger interessiert und wir haben uns natürlich gefragt, was die richtige Basis dafür sein könnte. Weil wir das Thema Hinterradantrieb und die Komponenten von M3 und M4 unterbringen wollten, war schnell klar, das 2er Coupé hierfür zu nutzen. Das ganze Projekt ist dann auch in relativ kurzer Zeit umgesetzt worden, und man sieht ja auch schon an den ersten Reaktionen, dass unser Gesamtpaket sowohl den Erwartungen der Kunden als auch unseren eigenen Erwartungen gerecht wird.

BimmerToday.de: Das Design ist sehr auffällig, teilweise sehr aggressiv gezeichnet. Wollen Sie damit zur Positionierung des Fahrzeugs beitragen, das vielleicht noch frecher und selbstbewusster als ein M3 oder M4 sein soll?
Dirk Häcker: Die Positionierung ist nicht schärfer als bei einem M3 oder M4. Aber klar ist, dass unser Auto ein Statement in der Kompaktklasse sein und mit dem Design unseren Anspruch als Kraftpaket unterstreichen soll. Eigentlich ist das Design ja auch durch die Kombination von M3-Komponenten unter dem Blechkleid des 2er Coupé entstanden, weshalb das Auto in der Summe natürlich sehr stämmig und kraftvoll wirkt. Das ist natürlich auch eine Botschaft, die wir damit überbringen wollen, denn so wie man sich dem Auto nähert, möchte man es dann auch erfahren. Es ist also kein Auto für eine introvertierte Persönlichkeit, sondern eher ein klares Statement für Begeisterung und Emotionen.

BimmerToday.de: Wichtig für den Auftritt des Fahrzeugs ist natürlich auch die Farbe. Mit Long Beach Blue haben wir wieder eine sehr auffällige Farbe, aber keine ganz so exklusive Option wie im Fall von Valencia Orange beim Vorgänger. Wie kommt das?
Dirk Häcker: Wir haben jetzt eine Farbe mehr als beim Vorgänger, bieten damit also insgesamt vier Optionen an. Das Long Beach Blue hat eine extrem hohe Begehrlichkeit, auch wenn es nicht ausschließlich für das M2 Coupé angeboten wird. Es ist aber eine Farbe, die exklusiv für M-Fahrzeuge erhältlich ist.

BimmerToday.de: Hat es einen speziellen Grund, warum Valencia Orange nicht mehr angeboten wird?
Dirk Häcker: Wir wollen von Generation zu Generation neue Angebote machen, von daher stand Valencia Orange für uns nicht zur Debatte.

BimmerToday.de: Es gibt “nur” vier Farben, es gibt “nur” eine Felge und es gibt auch im Innenraum kaum Wahlmöglichkeiten. Wie kommt es zu diesen Einschränkungen?
Dirk Häcker: Das ist ähnlich wie beim Vorgänger, wir wollen das Fahrzeug auf den Punkt gebracht anbieten. Deshalb haben wir uns für diesen puristischen Ansatz entschieden. Wir bieten kein breites Programm an und bieten eine Innenausstattung an, die zu allen Farben kompatibel und gleichzeitig M2-spezifisch ist. Das erreichen wir mit den farbigen Kontrastnähten, den Alcantara-Elementen und dem offenporigen Carbon, das es in dieser Form nur beim M2 geben wird.

BimmerToday.de: Eine Frage, die viele Fans bewegt, betrifft das Design der Außenspiegel. Anders als beim Vorgänger sind diese nicht M-spezifisch, sondern entsprechen denen des gewöhnlichen 2er Coupés. Wieso nimmt man nicht die M3-Spiegel, die ohnehin im Regal liegen?
Dirk Häcker: Eigentlich haben wir uns die Frage gestellt, wie wir uns beim Design differenzieren können. Wir haben dabei die Entscheidung getroffen, dass dieses Auto allein durch die geänderten Seitenteile an Vorder- und Hinterachse und den geänderten Gesamtauftritt so stark differenziert ist, dass wir darüber hinaus nicht auch noch andere Außenspiegel benötigen.

BimmerToday.de: Hintergrund der sehr breiten Kotflügel ist die Fahrwerkstechnik von M3 und M4. Wie nah ist die Technik des M2 tatsächlich an M3 und M4, welche Gleichteile gibt es und wo gibt es Unterschiede?
Dirk Häcker: Die Komponenten von Vorder- und Hinterachse, die Lenkung und die Bremsanlage sind identisch zu M3 und M4. Identisch heißt, dass es die gleichen Grundkomponenten sind. Das Setup, also die Dämpferbestückung, die Tragfedern und Stabilisatoren, die Bedatung der Lenkung wurden natürlich speziell für den M2 angepasst.

BimmerToday.de: Der vielleicht wichtigste Unterschied zum M3 und M4 ist der Motor, der auf dem N55 basiert. Warum wurde nicht gleich zum S55 gegriffen?
Dirk Häcker: Der gewünschte Abstand zu M3 und M4 ist ein Aspekt, der andere Punkt ist unser Wunsch, einen perfekt zum Fahrzeug passenden Motor anzubieten. Wir haben aber sehr wohl einige Teile aus dem S55 übernommen, um die Leistung im Vergleich zum M235i weiter zu steigern.

BimmerToday.de: Wo liegen die technischen Unterschiede zum Motor des neuen BMW X4 M40i, der ja auf den ersten Blick auch einen mit S55-Teilen veredelten N55 nutzt?
Dirk Häcker: Es gibt in der Tat ein paar Umfänge, die beide Motoren gemeinsam haben. Das dient der Befähigung für eine höhere Leistung, konkret geht es dabei um Kolben mit entsprechenden Topringen, andere Kurbelwellenhauptlager und Zündkerzen mit höherem Wärmewert. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Leistung und auf der Einlass- und Auslassseite, also im Bereich Ansaugtrakt und Abgasanlage. Der Motor hat im M2 einen zusätzlichen Wasserkühler und, was ganz wichtig für uns ist: Der M2, der ja auch für eine entsprechende Rennstreckentauglichkeit steht, hat eine deutlich modifizierte Ölversorgung, um letztendlich den hohen Längs- und Querbeschleunigungen gerecht werden zu können. Da haben wir eine vom S55 übernommene Ölwanne, wir haben eine Rückförderpumpe und eine Absaugpumpe am Turbolader: alles Maßnahmen, die letztendlich den Rennstreckenbetrieb ermöglichen. Das hat der X4 M40i in der Form natürlich nicht.

BimmerToday.de: Also ist der M2 wirklich darauf ausgelegt, auf der Rennstrecke auch ausdauernd eingesetzt zu werden?
Dirk Häcker: Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten Kunden ihren M2 in erster Linie auf öffentlichen Straßen bewegen: Das Gesamtpaket ist auf der Rennstrecke erprobt und für diesen Einsatz appliziert.

BimmerToday.de: Und dafür empfehlen sich dann auch diese Bremsbeläge, die wir auf der Rennstrecke gefahren sind?
Dirk Häcker: Wir bieten für die Kunden, die regelmäßig oder zumindest vereinzelt auf die Rennstrecke gehen, zusätzliche Sport-Bremsbeläge im Aftersales-Bereich an. Diese empfehlen wir, weil sie speziell auf diesen Betrieb ausgerichtet sind.

BimmerToday.de: Für M3 und M4 wird auch eine Carbon-Keramik-Bremsanlage angeboten, wieso gibt es dieses Angebot nicht für den M2?
Dirk Häcker: Uns war es auch wichtig, mit dem M2 ein neues Einstiegssegment zu bedienen. Wir wollten keinen kleinen M4 bauen, der eigentlich die gleichen Ausstattungsmöglichkeiten und Optionen bietet. Deshalb gibt es einige Themen, die wir für M3 und M4 anbieten für den M2 nicht. Das entspricht aber auch unserem puristischen Ansatz, denn wir wollen mit dem M2 im Kompaktsegment ein Auto anbieten, das auf den Punkt gebracht ist.

BimmerToday.de: Einige unserer Leser fragen sich auch, wieso nicht der neuere B58-Motor als Grundlage für das M2-Triebwerk genommen wurde.
Dirk Häcker: Der N55 ist bereits in die Plattform integriert, passt vom Package her optimal zum Fahrzeug und natürlich können wir so Performance-Teile aus dem S55 übernehmen, die beim B58 nicht passen würden.

BimmerToday.de: Praktisch die einzige technische Wahlmöglichkeit haben die Kunden beim Getriebe. Wie hoch erwarten Sie den Anteil des manuellen Getriebes?
Dirk Häcker: Beim Vorgänger hatten wir ausschließlich das Handschaltgetriebe im Programm, aber wir müssen natürlich sehr wohl feststellen, dass für die Performance im Sinne der reinen Fahrleistungen und Beschleunigungswerte das M Doppelkupplungsgetriebe eine wichtige Option ist. Wir haben da auch eine sehr hohe Take-Rate bei M3 und M4, weshalb wir nun auch beim M2 beides anbieten wollen. Wir gehen davon aus, dass wir beim M2 Coupé immer noch einen verhältnismäßig großen Teil der Fahrzeuge mit Handschaltgetriebe ausliefern werden.

BimmerToday.de: Das DKG ist das gleiche wie in M3 und M4?
Dirk Häcker: Das ist das gleiche Getriebe, aber natürlich mit einer eigenen Applikation für den M2.

BimmerToday.de: Insgesamt ist der BMW M2 ein extrem attraktives Gesamtpaket, das nur unwesentlich langsamer als ein M3 oder M4 ist und sich viele Technik-Komponenten mit diesen teilt. Wird er damit nicht dem M4-Absatz gefährlich?
Dirk Häcker: Ich glaube es wird sehr wohl Kunden geben, die sich zwischen beiden Fahrzeugen entscheiden werden, aber ich glaube nicht, dass sie direkte Wettbewerber sind. Wir bieten für M3 und M4 natürlich einige Optionen an, die es für den M2 nicht gibt. Wer tendenziell nach einem Mpuristischen Kompaktsportler sucht, kann den M2 sicherlich als Alternative sehen. Ich glaube aber nicht, dass der M2 komplett den Anforderungen und Erwartungen unserer M3/M4-Kunden entsprechen wird.

BimmerToday.de: Der BMW M2 ist einige Zentimeter kürzer als ein M4, dennoch wiegt er nahezu das gleiche. Hat Leichbau hier eine untergeordnete Rolle gespielt?
Dirk Häcker: Das Auto ist mit ähnlicher Ausstattung durchaus etwas leichter. Leichtbau-Umfänge wie das Carbon-Dach oder die CFK-Gelenkwelle, die wir im M3 und M4 dargestellt haben, kommen auch deshalb beim M2 nicht zum Tragen, weil wir ähnlich wie bei einigen Optionen auch nicht zu gleich werden wollen.

BimmerToday.de: In der Kompaktklasse trifft der BMW M2 auf eine breit aufgestellte Konkurrenz, die ähnlich stark oder sogar stärker ist. Die Wettbewerber setzen ohne Ausnahme auf Allradantrieb, wie sehen Sie den M2 hier im Vergleich positioniert?
Dirk Häcker: Er ist im Kompaktsegment das M-typische Angebot. Er hat einen Reihensechszylinder-Motor, einen Hinterradantrieb mit automatischem Sperrdifferenzial und so weiter. Letztendlich wird der Kunde entscheiden, was für ihn das beste Angebot darstellt. Was die absolute Leistung angeht, war es ganz sicher nicht unser Bestreben, die höchste Leistung anzubieten. Für uns muss das Gesamtpaket stimmen, also die Balance zwischen Längs- und Querdynamik. Und wir denken, dass wir mit dem M2-Konzept die M-typischen Eigenschaften wie Präzision, Agilität, Fahrdynamik und hohe Performance auf unsere Art und Weise darstellen können. Wie er sich dann im Vergleich zum Wettbewerb schlagen wird, werden wir sehen, aber wir sind da recht zuversichtlich.

BimmerToday.de: Gibt es für Sie eine herausragende Stärke des M2?
Dirk Häcker: Eigentlich tatsächlich das Gesamtpaket, denn das macht er schon sehr gut. Ich denke man spürt auch in dem Fahrzeug, dass alle Beteiligten ihren Bereich nach ihrem persönlichen Anspruch umsetzen konnten. Wenn man sich dem Auto nähert, sieht und erahnt man schon, was da kommen wird und kann das dann auch wirklich erleben, vom Motorstart bis zum Fahren auf der Rennstrecke. Dieses Gesamtpaket in der Kompaktklasse erlebbar zu machen, macht die Sache so faszinierend.

BimmerToday.de: Auf welchen Märkten erwarten Sie die höchste Nachfrage nach dem M2?
Dirk Häcker: Wir sehen vor allem vier Märkte für das Auto. Das sind natürlich Nordamerika und dann Großbritannien, Deutschland und Japan. Das sind mit die größten Märkte und wir spüren auch, dass es hier ein entsprechendes Interesse gibt.

BimmerToday.de: Die Produktionszahlen des 1er M Coupé sollen dann sicherlich übertroffen werden?
Dirk Häcker: Die werden übertroffen, der war ja auch limitiert. Heute sind wir ausschließlich darüber limitiert, was das Werk pro Tag bauen kann und letztendlich entscheidet der Kunde, wie oft das Auto gebaut wird.

BimmerToday.de: Zum Abschluss noch zwei kleine Fragen zur Zukunft des M2: Es gibt natürlich den S55-Motor mit 431 PS und ein wenig drängt sich die Frage auf, ob dieser nicht auch in einem “BMW M2 GTS” oder “M2 CSL” mit noch mehr Performance zum Einsatz kommen könnte. Ist ein solches Modell ausgeschlossen, um dem M4 nicht zu Nahe zu kommen, oder ist so etwas auch denkbar?
Dirk Häcker: Denkbar ist alles, aber es gibt zu solchen Optionen zur Zeit keine Entscheidung für oder gegen ein solches Modell. Wir sind sehr froh und zufrieden, weil wir das Auto nun in vergleichsweise kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten und wir sind überzeugt, dass es sich auch nachhaltig um ein begehrliches Angebot handelt. Was die Zukunft dann bringen wird, das wird man sehen.

BimmerToday.de: Aber Sie sehen durchaus noch Potenzial für ein solches Modell?
Dirk Häcker: Man kann da an vieles denken, definitiv.

BimmerToday.de: Und wie sieht es mit einem BMW M2 Cabrio aus, das sich eher an Genießer als an Rennstrecken-Fahrer richtet?
Dirk Häcker: Das ist eine ganz ähnliche Diskussion, auch hier gibt es keine Entscheidung. Natürlich könnte man sich vorstellen, das in ähnlicher Form abzuleiten, aber da gibt es derzeit auch noch keine ausreichend belastbare Nachfrage, die uns da zu einer näheren Prüfung zwingt.

Herr Häcker, wir bedanken uns für das informative Gespräch!

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