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Probefahrt mit dem MINI E – Nummer 505 lebt!

Für die regelmäßigen Leser unseres Blogs ist der MINI E längst ein geläufiger Begriff geworden, denn wann immer es um die zukünftigen Elektro-Fahrzeuge der BMW Group geht, muss natürlich auch der rein elektronisch betriebene MINI E für seine Pionierarbeit gelobt werden.

Anlässlich des 11. Sächsischen Verkehrssicherheitstages war es uns nun vergönnt, selbst einmal hinter das Steuer des völlig emissionsfreien Stadtflitzers zu klettern und den quasi lautlosen Elektro-MINI über den Sachsenring zu fahren. Der von BMW zur Verfügung gestellte MINI E trägt im Übrigen die Nummer 505, denn wie alle Sondermodelle bei MINI tragen auch die Elektrofahrzeuge eine individuelle und weltweit einmalige Zahl auf ihrer Außenhaut.

Betrachtet man den MINI E von außen, fällt eigentlich nur auf, dass er völlig gewöhnlich aussieht. Bei geschlossenem Fahrzeug ist der einzige sichtbare Unterschied zu den Modellen mit Verbrennungsmotor das Fehlen von Endrohren, ansonsten kommt der MINI E praktisch serienmäßig daher.

Unter dem Blechkleid sind die Veränderungen natürlich tiefgreifender und auch schon beim Öffnen der kleinsten Klappe in selbigem erkennbar. Wo normale MINIs ihren fossilen Treibstoff eingefüllt bekommen, wird beim MINI E idealerweise Strom aus regenerativen Energiequellen eingespeist. Nachdem man im Fahrzeug-Menü die Stärke des zur Verfügung stehenden Stromanschlusses ausgewählt hat – 12 Ampere, 32 Ampere oder 50 Ampere – kann der Ladevorgang mit Hilfe der mitgelieferten Adapter beginnen.

In Abhängigkeit von der Stromstärke dauert ein kompletter Ladevorgang, bei dem 28 Kilowattstunden in den MINI gepumpt werden, zwischen zwei und acht Stunden. Eine derart geladene Batterie reicht dem MINI E für eine Distanz von bis zu 250 Kilometern. Vollgasfahrten verringern diesen Wert selbstredend, für die tägliche Fahrt zur Arbeit und zurück reicht die Reichweite aber allemal. Wer noch weiter zur Arbeit fährt, kann den Elektro-MINI aber auch dort an einer ganz normalen Steckdose wieder aufladen.

Die Batterie ist es auch, die den MINI seines ohnehin nicht unbedingt üppigen Kofferraums beinahe völlig beraubt, denn von diesem bleibt nur noch ein Volumen von 60 Litern übrig. Wer mit dem MINI E einkaufen will, sollte sich also genau überlegen, was er wirklich braucht. Auch die Möglichkeit zum Transport von Freunden und Kollegen ist limitiert, denn die Batterie hat nicht nur den Platz des Kofferraums für sich in Anspruch genommen, sondern auch die komplette Rückbank.

Unter der Motorhaube befindet sich ebenfalls ein ungewohntes Bauteil, denn der dort verbaute Elektromotor hat selbstredend keinerlei Ähnlichkeit mit den normalerweise dort verbauten Reihenvierzylindern.

Und wie fährt sich der Kleine nun? Zunächst einmal völlig unspektakulär und für einen Prototypen beinahe unglaublich “normal”. Startet man den Motor, herrscht nach wie vor völlige Ruhe im Fahrzeug. Das ist nicht nur ungewohnt, sondern auch nicht ganz ungefährlich, denn kaum ein Passant rechnet mit völlig lautlosen Verkehrsteilnehmern auf vier Rädern. Erst ab einer gewissen Geschwindigkeit dringt das Abrollgeräusch der Reifen ans Ohr der Passagiere, die bis dahin von völliger Ruhe umgeben sind.

Das Losfahren gestaltet sich ebenso unproblematisch: Nachdem man den vom Automatikgetriebe bekannten Hebel auf Drive gestellt hat, braucht man nur noch leicht Gas zu geben und schon kann die lautlose Fahrt beginnen. Dennoch erfordert der Umgang mit dem Gaspedal etwas Eingewöhnung, denn seine Funktionsweise macht das Bremspedal fast immer überflüssig. Geht man vom Gas, schaltet der Motor in den Generatorbetrieb um und nutzt die in der Bewegung des Fahrzeugs steckende Energie sofort zum Laden der Batterie.

Die dabei stattfindende Verzögerung ist in der Regel völlig ausreichend und macht den Einsatz des Bremspedals wohl nur bei sehr sportlicher Fahrweise oder einer Vollbremsung unumgänglich. Wer im Stadtverkehr vorausschauend unterwegs ist, wird die eigentliche Bremsanlage fast gar nicht benutzen müssen.

Wer bei Elektrofahrzeugen an langsame Vehikel mit kaum nennenswerter Längsdynamik denkt, wird beim MINI E ebenfalls eine “Enttäuschung” erfahren. Denn der elektrisch betriebene Stadtflitzer bringt zwar rund 300 Kilogramm mehr als ein normaler MINI Cooper auf die Waage, verfügt aber auch über 204 PS sowie ein quasi jederzeit anliegendes Drehmoment von 220 Newtonmetern.

Damit beschleunigt der MINI E trotz seines Mehrgewichts eine halbe Sekunde schneller auf Landstraßentempo als der 120 PS starke MINI Cooper, also in 8,5 Sekunden. Wenn der MINI erst einmal rollt, spielt auch das Gewicht eine kleinere Rolle und die 204 PS sorgen im Bedarfsfall für eine absolut ausreichende Beschleunigung, die zumindest im Stadtverkehr keinerlei Wünsche unerfüllt lassen sollte. Für die Autobahn ist der MINI E prinzipiell genauso geeignet wie seine Geschwister mit Verbrennungsmotor, zumindest wenn man von der auf 152 km/h limitierten Höchstgeschwindigkeit absieht.

Legt man aktuelle Strompreise zu Grunde, kosten 100 Kilometer mit dem MINI E rund 1,50€ – ein Wert, der wohl von keinem Hybrid, Diesel oder gar Benziner auch nur annähernd erreicht wird. Neben dem eigenen Portemonnaie tut man aber natürlich auch der Umwelt etwas Gutes, denn wie schon gesagt, stößt der MINI E kein einziges Gramm CO2 aus.

Zum Abschluss gibt es noch ein Video, das euch die ständigen Veränderungen der Energieanzeige während der Fahrt zeigt. Das Video ist eigentlich selbsterklärend, aber trotzdem noch einmal eine kurze Erläuterung: Wo wir bei einem normalen MINI die Anzeige für den Füllstand des Benzintanks finden, haben wir beim MINI E eine Power-Anzeige, die uns über den derzeitigen Systemzustand aufklärt.

Die wichtigste LED ist dabei die waagerechte am linken Rand des Kreises, diese ist sozusagen der Ausgangspunkt. Steht das Fahrzeug, leuchtet nur diese LED. Wenn Energie aus der Batterie für das Beschleunigen des Fahrzeugs entnommen wird, leuchten je nach Leistungsabruf mehr oder weniger der darüber angeordneten LEDs auf. Wenn das Fahrzeug verzögert, arbeitet der Motor als Generator und die Batterie wird wieder aufgeladen. Je stärker der Ladevorgang ist, um so mehr der drei LEDs unterhalb der waagerechten LED leuchten auf. Während der Video-Aufzeichnung wurde das Bremspedal nicht betätigt, sämtliche Verzögerungen sind allein auf die Generator-Arbeit des Motors zurückzuführen.

Und natürlich gibt es auch noch ein paar Bilder von “Nummer 505”:

Unser Dank für das Ermöglichen der Probefahrt gilt Marcus Dudek von der BMW Niederlassung Chemnitz!

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