Kartell-Kronzeuge: BMW fühlt sich von Mercedes hintergangen

News | 27.07.2017 von 73

Die vor wenigen Tagen vom Spiegel aufgedeckten Kartell-Vorwürfe könnten die Beziehung zwischen BMW und Mercedes nachhaltig beschädigen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung fühlen sich …

Die vor wenigen Tagen vom Spiegel aufgedeckten Kartell-Vorwürfe könnten die Beziehung zwischen BMW und Mercedes nachhaltig beschädigen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung fühlen sich die Verantwortlichen in München durch die offenbar schon 2014 erfolgte Selbstanzeige Daimlers hintergangen und sprechen von einem massiven Vertrauens-Verlust im Verhältnis zu den Stuttgartern. Mercedes erhofft sich von der Selbstanzeige offenbar die Rolle als Kronzeuge in einem möglichen Kartell-Verfahren – so könnte Daimler trotz Beteiligung straffrei ausgehen, während andere Autobauer wie BMW, VW, Audi und Porsche potenziell Milliarden-Strafen ins Haus stehen.

Als erste Konsequenz aus dem Vertrauensbruch hat BMW laut Süddeutscher Zeitung mehrere gemeinsame Projekte mit Mercedes auf Eis gelegt. Die beiden Autobauer kooperieren seit Jahren im Einkauf von Teilen, die nicht kundenrelevant sind. So sicherten sich die Premium-Anbieter Kostenvorteile, die sie gegenüber Konzernen wie Volkswagen mit deutlich größeren Stückzahlen ohne die Kooperation nicht erreichen könnten. Da sich die so generierten Vorteile jährlich im dreistelligen Millionen-Bereich bewegen, wäre ein Ende der Kooperation sehr überraschend und ganz sicher auch nicht im Interesse von Daimler.

In den nächsten Monaten und Jahren sollte die Zusammenarbeit der beiden weltweit erfolgreichsten Anbieter von Premium-Automobilen eigentlich ausgebaut werden. Unter anderem war der gemeinsame Aufbau eines Netzwerks von Strom-Tankstellen geplant, um die Elektromobilität für noch mehr Menschen zu einer attraktiven und alltagstauglichen Option zu machen. Die entsprechenden Gespräche liegen nun offenbar vorerst auf Eis.

Inwiefern die unstrittigen Absprachen zwischen BMW, Mercedes, Audi, VW und Porsche überhaupt illegal waren, steht derzeit noch in den Sternen. Mehrere Manager der beteiligten Unternehmen bezeichnen die Gespräche im sogenannten 5er-Kreis als weltweit völlig normal und branchenübergreifend üblich. Der ehemalige BMW-Chefvolkswirt Helmut Becker sieht eher strategische Gründe als einen Hinweis auf tatäschlich illegale Vorgänge hinter den Selbstanzeigen von Mercedes und VW.

Wie die Wirtschaftswoche gestern berichtet hat, setzt sich BMW seit Anfang des Jahres dafür ein, den bisher recht exklusiven 5er-Kreis zu einer größeren Gesprächsrunde unter dem Dach des VDA zu machen. Inwiefern eine solche Öffnung des 5er-Kreises Sinn ergeben hätte, wenn dort tatsächlich bewusst illegale Absprachen getroffen worden wären, ist zumindest schleierhaft.

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