Fahrbericht BMW 530e 2017: Der Plug-in-Hybrid reift und reift

BMW 5er, Fahrberichte | 5.05.2017 von 10

Fahrbericht BMW 530e 2017: Der Plug-in-Hybrid-5er präsentiert sich als rundes und ausgereiftes Paket. Sein schärfster Gegner kommt aus den eigenen Reihen.

Schon heute ist die BMW Group der weltweit drittgrößte Anbieter von elektrifizierten Fahrzeugen, nun soll der BMW 530e 2017 für zusätzlichen Schwung sorgen. Wir durften die Limousine mit dem doppelten Antrieb vor wenigen Tagen erstmals fahren und konnten uns dabei selbst ein Bild von den Qualitäten des bereits achten Plug-in-Hybrids im aktuellen Modellportfolio der BMW Group machen. Und auch wenn der insgesamt 252 PS bietende Antriebsstrang des BMW 530e iPerformance durchaus vertraut ist, wirkt er im Umfeld des 5er G30 doch noch ausgereifter.

Das liegt nicht nur, aber auch an der besseren Geräuschdämmung: Wenn der Vierzylinder-Benziner des BMW 530e 2017 während der Fahrt zum Leben erwacht, bleibt er akustisch stets im Hintergrund. Das gilt natürlich nicht, wenn der Fahrer den Verbrenner per Kickdown weckt und sofort volle Performance und entsprechende Drehzahlen von ihm verlangt – im normalen Fahrbetrieb jedoch, wenn sich der aufgeladene Benziner eher aus Komfortgründen hinzuschaltet um dem Fahrer beispielsweise an einer Steigung etwas größere Kraftreserven anzubieten, geht der Klang des Motors in den übrigen Geräuschen unter. Spätestens dann, wenn man nicht explizit auf entsprechende Klänge wartet, eine Unterhaltung führt oder das Radio läuft.

Ebenso zurückhaltend wie die Stimme des Benziners fällt auch die Optik des BMW 530e 2017 aus. Große Hinweise auf das Thema Plug-in-Hybrid gibt es nicht, mit geübtem Blick lässt sich der BMW iPerformance-5er aber durchaus schnell erkennen. Den wichtigsten Hinweis liefert dabei einmal mehr die zusätzliche Klappe im vorderen Kotfügel, hinter der sich der Anschluss fürs Ladekabel verbirgt. Deutlich dezenter sind der eDrive-Schriftzug auf der C-Säule, der auf Wunsch entfallende 530e-Schriftzug am Heck oder die blauen Details an Niere und Radnaben-Abdeckungen.

Bei Schürzen, Felgen und sonstigen Sonderausstattungen haben 530e-Kunden eine ganz ähnliche Auswahl wie alle anderen 5er-Kunden: Auch der Plug-in-Hybrid lässt sich mit M Sportpaket und bis zu 20 Zoll großen Leichtmetallrädern bestellen. Hier wird bereits deutlich, welches Ziel die Entwickler für den BMW 530e im Hinterkopf hatten: Der Hybrid soll einen einzigartigen Antriebsstrang bieten, im Gegenzug aber keine Einschränkungen verlangen. Das zeigt sich auch beim Blick in den gut nutzbaren Kofferraum, der mit 410 Litern trotz höherem Ladeboden noch immer ein ordentliches Volumen bietet.

Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Gesamtkapazität von 9,2 kWh ist unter der Rückbank platziert und lässt sich je nach verfügbarem Anschluss in weniger als drei Stunden komplett aufladen. Theoretisch sind mit vollem Akku bis zu 50 Kilometer elektrische Reichweite möglich, in der Praxis dürften die meisten Kunden aber eher zwischen 30 und 40 Kilometern landen. Auch der Normverbrauch von 1,9 Liter auf 100 Kilometer ist eine Vorgabe, die sich wie bei allen Plug-in-Hybriden zwar erreichen lässt, aber noch stärker als bei anderen Autos vom konkreten Fahrprofil des Fahrers abhängt. Für die typische Pendler-Strecke von 30 Kilometern pro Tag lassen sich mit etwas Zurückhaltung sogar noch niedrigere Alltagsverbräuche realisieren, bei häufiger Nutzung auf Langstrecken kann man den Normverbrauch aber auch um ein Vielfaches überbieten.

Im normalen Fahrmodus lässt sich der BMW 530e bei Geschwindigkeiten bis 90 km/h rein elektrisch fahren, die 83 kW des Elektromotors können im Max eDrive-Modus aber auch bis 140 km/h als einzige Kraftquelle genutzt werden. Signalisiert der Fahrer durch einen kräftigeren Tritt aufs Gaspedal den Wunsch nach starker Beschleunigung, schaltet sich der 184 PS starke Turbo-Vierzylinder in Windeseile hinzu und schiebt kräftig mit an. Den kleinen Moment bis zur Arbeitsbereitschaft des Verbrenners überbrücken die sofort und permanent anliegenden 250 Newtonmeter des E-Motors mühelos.

Wer möchte, kann das ständig verfügbare Drehmoment des E-Motors auch für eine besonders sportliche Fahrweise nutzen. Befindet sich der Wählhebel der Achtgang-Automatik in der linken Gasse, arbeiten stets beide Motoren und warten nur darauf, Hand in Hand für Vortrieb sorgen zu dürfen. Die Kraftreserven fühlen sich dabei sogar nach noch mehr als den nominell vorhandenen 252 PS an, weil der E-Motor jedes Luftholen des Verbrenners überspielt und den Eindruck eines noch potenteren Triebwerks entstehen lässt.

Zum Preis von 52.600 Euro bekommt man unterm Strich ein Auto, das in ganz unterschiedlichen Situationen überzeugen kann. Völlig laut- und emissionslos durch die Stadt, betont sportlich über die Landstraße oder ohne Reichweitenangst auf Langstrecke über die Autobahn – der BMW 530e 2017 zeigt, wie vielseitig ein moderner Plug-in-Hybrid sein kann. Und 2018 wird das Laden des Lithium-Ionen-Akkus sogar noch bequemer möglich, denn mit der optionalen Funktion Wireless Charging bringt BMW iPerformance das induktive Laden in Serie.

Zumindest in Europa hat der 530e allerdings nicht nur mit anderen Plug-in-Hybriden zu kämpfen, sondern muss sich im Wettstreit um die Gunst der Kunden auch gegen einen extrem starken Gegner aus den eigenen Reihen durchsetzen: Wenn die Möglichkeit zum elektrischen Fahren keine Rolle spielt, greifen viele Kunden nach wie vor lieber zum 530d mit Reihensechszylinder-Diesel. Der bietet ebenfalls souveräne Kraftreserven und ist gerade im Langstrecken-Einsatz noch sparsamer.

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