BMW Motorsport: Marquardt im Gespräch zur DTM-Saison 2016

Motorsport | 21.10.2016 von 6

Zum Abschluss der Saison 2016 hat BMW Motorsport ein ausführliches Interview mit Jens Marquardt geführt und blickt dabei auf die Erfolge in der DTM zurück. …

Zum Abschluss der Saison 2016 hat BMW Motorsport ein ausführliches Interview mit Jens Marquardt geführt und blickt dabei auf die Erfolge in der DTM zurück. Das Hauptaugenmerk des Gesprächs liegt auf Marco Wittmann, der sich mit einer starken Saison zum jüngsten Doppel-Champion der DTM-Historie gemacht und dabei wieder einmal der mit Abstand erfolgreichste BMW-Pilot war.

Auch die vor der Saison ausgehandelten Vorteile für den BMW M4 DTM werden im Interview indirekt angesprochen, Jens Marquardt sieht darin aber naturgemäß kein Problem. Und der Motorsport-Chef hat zumindest die Statistik auf seiner Seite: Angesichts des extrem knappen Ausgangs der Meisterschaft, die praktisch bis zur letzten Runde der Saison spannend blieb, kann von der Übervorteilung einer einzelnen Marke kaum die Rede sein – zumal Audi mit 10 Siegen in 18 Rennen deutlich gezeigt hat, dass ihr Material mehr als nur konkurrenzfähig war: BMW und Mercedes konnten jeweils nur vier Rennen gewinnen.

Herr Marquardt, wie hoch ist der Titelgewinn von Marco Wittmann einzuschätzen?
Jens Marquardt: „Marco Wittmann hat seinem Spitznamen ‚Mega Marco’, den er seit seinem ersten Titelgewinn 2014 trägt, in der vergangenen Saison alle Ehre gemacht. Sein Topspeed, seine Nervenstärke und seine Cleverness haben Marco zum verdienten Champion 2016 gemacht. Er hat die Messlatte für alle anderen Fahrer in der DTM sehr hoch gelegt.“

Was macht Marco so stark?
Marquardt: „Er hat eigentlich keine Schwächen. Auf die eine Runde im Qualifying ist Marco extrem schnell, gleichzeitig kann er sich ein Rennen perfekt einteilen und sehr intelligent fahren. Diese Mischung aus rohem Speed und Köpfchen ist der Stoff, aus dem Champions gemacht sind. Das ist in jeder Rennserie so. Viele Fahrer mit diesen Eigenschaften gibt es nicht. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir Marco in unseren Reihen haben.“

Wie haben Sie das Saisonfinale in Hockenheim erlebt?
Marquardt: „Das war ein echter Thriller vor einer großartigen Kulisse. 142.000 Zuschauer haben die letzten beiden Rennen an der Strecke live verfolgt und dabei die Saison 2016 quasi noch mal im Zeitraffer erlebt. Es ging unheimlich eng zu, die Rennen waren in den meisten Fällen extrem spannend. Edoardo Mortara hat zum Abschluss zwei ganz starke Rennen gezeigt und Marco noch einmal herausgefordert. Aber unser Champion hat einmal mehr gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist – und seinen zweiten Titel ganz cool nach Hause gefahren.“

Welchen Platz in der DTM-Historie von BMW nimmt Marco Wittmann bereits jetzt ein?
Marquardt: „Marco ist der erste BMW Fahrer, der zwei Mal den Fahrertitel in der DTM gewinnen konnte. Es gibt überhaupt nur zwei Fahrer, die mehr Titel in dieser Serie gewonnen haben als Marco. Was soll man dazu noch sagen? Marco hat schon jetzt, obwohl er erst 26 Jahre als ist und den größten Teil seiner Karriere noch vor sich hat, seinen Platz in den Geschichtsbüchern der DTM und von BMW Motorsport sicher. Er ist einer der Größten.“

BMW M hat Marco eine besondere BMW M4 DTM Champion Edition gewidmet…
Marquardt: „Ja, das hat mittlerweile schon Tradition. Bruno Spengler erhielt 2012 eine BMW M3 DTM Champion Edition, dasselbe galt für Marco nach seinem ersten Titelgewinn 2014. Es ist fantastisch, dass die BMW M GmbH nun erneut eine exklusive Sonderedition von nur 200 Fahrzeugen aufgelegt hat. Die Verbindung zwischen BMW M und BMW Motorsport ist seit jeher sehr eng. Und die BMW M4 DTM Champion Edition ist ein starkes Symbol für diese enge Verbundenheit.“

Wie fassen Sie die DTM-Saison 2016 generell zusammen?
Marquardt: „Ich denke, die Fans haben eine der spannendsten Saisons erlebt, die es in der DTM je gegeben hat. Wir haben zehn verschiedene Sieger gesehen. 18 von 24 Fahrern haben den Sprung auf das Podium geschafft. Im Qualifying lagen die Fahrer regelmäßig nur Sekundenbruchteile auseinander. Der Titelkampf war bis zur letzten Rennrunde ein Krimi. All das beweist, dass die Maßnahmen, die vor der Saison ergriffen wurden, gewirkt haben. Die Pakete aller drei Hersteller waren nahezu auf demselben Niveau unterwegs. Marco hat dann für uns den Unterschied gemacht. Das zeigt auch, welch wichtige Rolle der Fahrer in der DTM spielt.“

Wie bewerten Sie die Leistungen der einzelnen BMW Teams?
Marquardt: „Wir haben insgesamt wieder großartigen Teamgeist bewiesen und gemeinsam mit dem Fahrertitel für Marco Wittmann und den zweiten Plätzen in der Team- und Herstellerwertung sehr viel erreicht. Das BMW Team RMG ist nun schon zum dritten Mal in Folge die erfolgreichste unserer Mannschaften. Stefan Reinhold und seine Jungs leisten wirklich hervorragende Arbeit. Aber die Tatsache, dass all unsere Teams in dieser Saison den Sprung auf das Treppchen geschafft haben, freut mich besonders. Das BMW Team RBM hat Platz drei in der Teamwertung erreicht, das BMW Team MTEK stellt die schnellste Boxencrew im gesamten DTM-Feld. Das BMW Team Schnitzer hat in Budapest und Hockenheim mit zwei Polepositions und einem Podium einen grandiosen Saisonabschluss gefeiert. Wir können auf all unsere Teams stolz sein.“

Martin Tomczyk und António Félix da Costa werden wir in Zukunft nicht mehr in der DTM sehen…
Marquardt: „Das ist richtig, aber beide werden Teil der BMW Familie bleiben und gemeinsam mit uns neue Projekte angehen. Martin Tomczyk hatte eine außergewöhnliche DTM-Karriere. Er hat diese Serie über 16 Jahre geprägt. Aber er ist vor allen ein großartiger Typ, der für uns in Zukunft mit seinem Können und seiner Persönlichkeit im internationalen GT-Sport sicher sehr wertvoll sein wird. Gleiches gilt für António Félix da Costa in der FIA Formula E Championship, die er vom ersten Jahr an kennengelernt hat. Er ist ein extrem talentierter Rennfahrer, das hat er beim DTM-Saisonfinale mit seinen beiden Polepositions noch einmal eindrucksvoll bewiesen. Martin lieferte zum Abschied noch einmal ein starkes Rennen ab und wurde mit einem Punkt belohnt. Beide hatten einen würdigen Abschied.“

6 responses to “BMW Motorsport: Marquardt im Gespräch zur DTM-Saison 2016”

  1. Pro_Four says:

    ….es muss langsam mal noch 1 oder 2 Hersteller mit andocken, nur 3 Hersteller sind echt dünn.

    • drochtersen_assel says:

      Jo – Zwischen 1985-1996 verzeichnete die DTM (bzw. ITC) mit Volvo, Rover, Ford, Alfa Romeo und Opel sogar fünf Gesamtsieger anderer Marken, als die heute Teilnehmenden.

      Überhaupt war mehr Vielfalt angesagt, beim ersten Rennen der DTM 1984 waren drei unterschiedliche BMW-Rennwagen vom Typ 635 CSi, 528i und 323i am Start. Die Fahrzeuge wurden interessanterweise von kleineren Teams und Privatpersonen eingesetzt. Unter anderem fuhren Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck, sowie Volker Strycek und Leopold Prinz von Bayern im ersten DTM-Rennen für BMW – und das mit Erfolg zum Dreifachsieg !

      Später waren ebenso andere DTM Wagen am Start, die nicht von der Großserie der “Mittelklasse” abstammen.
      So zum Beispiel der Rover Vitesse (Serie= obere Mittelklasse), Audi V8 (Oberklasse) oder die Sportcoupe´ Opel Calibra und Audi TT – allesamt Einzel-Gesamtsieger in früheren DTM Rennen !

  2. der_ardt says:

    Meiner Meinung nach dürften in diesen Interviews gerne mehr unbequeme Fragen gestellt werden, eben zB zu den Zugeständnissen an BMW, die den interviewten etwas aus der Reserve locken. Das wäre potentiell wesentlich informativer

    • Torsten Windbeutel says:

      Unbequeme Fragen gibt es per seh nicht, alsdann der Fragende zum after work gerne bei Schnittchen und Schampus geladen werden möchte.

      Wer heute nicht schreibt was die Mainstream erwartet landet schnell in der Schmuddelecke oder mit Ausnahme von der Regel, mit einem Sitz im Europa Parlament in Brüssel, Dank 184.525 hochintelligenter “Premium-Wähler”….

    • Quer says:

      Ach jetzt kommt die alte Leier wieder, haben Sie sich auch aufgeregt als Mercedes letzte Saison nachbessern durfte, so das Wehrlein auch noch Meister wurde. Zudem hat der ARD Reporter Lufen nicht mal Marco Wittmann zum Meister gratuliert sonder ist auch mit dieser dummen Frage gekommen, nur Wittmann ist dem gleich übers Maul gefahren.

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