BMW M235i USA Roadtrip Teil Sieben: Verloren in Kalifornien

BMW 2er, News | 4.01.2016 von 1
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USA Roadtrip 2015: Im siebten Teil der Reportage mit dem BMW M235i verfluchen wir einen Pick-up aus Alaska – und machen in den Redwoods den Elchtest

Die Westküste der USA ist das perfekte Reiseziel für Naturfreunde, Autoliebhaber und alle, die beim Wort Roadtrip glänzende Augen bekommen – so wie wir. Mit einem BMW M235i xDrive fahren wir in neun Tagen von Seattle an der kanadischen Grenze bis nach San Francisco im Sonnenstaat Kalifornien. Nach einem kleinen Kulturausflug zum weltberühmten Oregon Shakespeare Festival führt uns der heutige siebte Teil der Reportage zurück in die Realität. Denn zwischen den schwindelerregenden Redwood Bäumen des Jedediah Nationalparks wird die Suche nach einem Schlafplatz plötzlich zum Abenteuer…

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Soso, heute also Pfannkuchen auf Knopfdruck. „Einfach OK drücken“, heißt es auf der kleinen Maschine im Frühstücksraum unseres Hotels in Ashland. Ziemlich eindeutig, schließlich hat der Automat ohnehin nur diese eine Taste. „Ok“. Wir beobachten, wie das Förderband lustlos einen frisch gebackenen Pancake auf den bereitgestellten Teller befördert. Frühstück 2.0, sozusagen.

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„Lass uns heute Abend campen gehen“, meint Hanna mit einem spöttischen Seitenblick auf den leise sirrenden Pfannkuchen-Roboter. Eigentlich keine schlechte Idee, schließlich bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit, eine Nacht im Nationalpark zwischen den größten Bäumen der Erde zu verbringen. Und so besteigen wir einige Knopfdrucke später unseren BMW M235i mit einem neuen Tagesplan: Über den Redwood-Highway 199 wollen wir nach Crescent City in Kalifornien fahren, uns bei der Nationalparkverwaltung über den schönsten Campingplatz informieren und dann endlich das Zelt ausprobieren, das seit Seattle ungenutzt im Kofferraum mitfährt.

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Je näher wir hinter Ashland der kalifornischen Grenze kommen, umso schneller steigt die Außentemperatur. Wir können die Mittagssonne durchs offene Schiebedach sorglos genießen – die Natur und ihre Bewohner tun sich damit jedoch sichtlich schwer. Für ein paar Fotos halten wir an einem breiten aber völlig ausgetrockneten Flussbett, das der Highway mit einer massiven Betonbrücke überquert. Während Hanna mit der Kamera auf Erkundungstour geht, bleibe ich am Auto und achte sehr genau darauf, dass die heißen Endrohre unseres M235i nicht ausversehen das verdorrte Gras entflammen. Einmal entfacht, gäbe es hier für das Feuer kein halten mehr. Im verbliebenen Rinnsal des Flusses entdeckt Hanna eine kleine Wasserschlange, die um ihre letzten Liter Lebensraum kämpft. Die Folgen des Klimawandels lassen sich auf dem Redwood Highway live erleben.

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Waldbrände sind in der Region mittlerweile zu einem überall präsenten Problem geworden, wie uns auch die freundliche PR-Dame vom Oregon Shakespeare Festival erzählt hat. Bereits sechs Vorstellungen mussten dieses Jahr in Ashland wegen der starken Rauchentwicklung durch umliegende Feuer abgesagt werden. In fast jedem Dorf auf der Strecke warnen Schilder mit hölzernen Zeigern vor der höchsten Waldbrand-Gefahrenstufe. „Feuerwehrleute essen gratis“, heißt es dankbar bei einem Dorffest am Straßenrand. Trotz aller Bemühungen haben die Brände 2015 besonders in Kalifornien etliche Häuser und ganze Dörfer verschlungen – und wir sind froh, dass wir davon auf unserer Reise bislang kaum etwas mitbekommen haben.

Johnny Cash statt Vollgas: Highway-Romantik im BMW M235i

Zweifelsohne sind Kurven das liebste Terrain unseres zackigen BMW M235i xDrive, doch auch mit der schnurgeraden Highway-Romantik auf dem Weg an die Küste weiß unser Begleiter etwas anzufangen. Ganz entspannt stellen wir den Tempomaten auf 60 Meilen pro Stunde und verbinden das Smartphone mit der durchaus tauglichen Audioanlage. Ja, der gute Sechsfach CD-Wechsler ist endgültig Geschichte. Heute spielt Spotify die Roadtrip-Musikliste unseres Vertrauens. Hanna hat eigens ihre Lieblingssongs von Johnny Cash hineingepackt…

Fürs gemächliche Reisen bei Mittagshitze sind die kratzigen Country-Beats absolut alternativlos – auch für den Erhalt des geliebten Führerscheins. Denn natürlich juckt einem auf der ewigen Landstraße besonders in einem 326 PS starken Sportcoupé der Gasfuß, allerdings wartet die Highway Patrol mit ihren martialisch anmutenden Ford Explorern und Radarpistolen auch an den entlegensten Orten im Gebüsch. Und so gründlich wir Amerikas Westküste auch kennenlernen wollen: eine kostspielige Begegnung mit dem grimmigen Sheriff würden wir uns gerne ersparen. „Wenn man nur mal das amerikanische Straßennetz mit deutschen Tempolimits kreuzen würde…“, überlegt Hanna laut. Ich wechsle am Fahrerlebnisschalter in den gemächlichen EcoPro-Modus und drehe Johnny Cash etwas lauter. Vorsichtshalber.

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Allmählich nähern wir uns nach einer kleinen Grenzkontrolle der kalifornischen Umweltbehörden („Haben Sie Fleisch oder frisches Obst im Gepäck?“) der Küste. In immer engeren Kurven arbeitet sich der Redwood Highway durch ein weitläufiges Tal und wir wechseln wieder in den liebgewonnen Sport-Modus. Anbremsen, schalten, links, rechts, Vollgas! Wer hier eher langsam unterwegs ist, so wie die zahlreichen behäbigen Wohnmobil-Touristen, lässt uns an den zahlreichen Ausweichstreifen breitwillig passieren. So lautet das Gesetz in Kalifornien – keine schlechte Idee, finden wir.

Immer näher reicht der dichte Wald an die kurvige Straße heran, immer höher überragen uns die massiven Bäume. Redwoods, steinalte Wald-Giganten, wachsen wie mit dem Lineal vermessen hoch in den Himmel. Klein und geduckt parkt unser BMW zwischen den Stämmen, als wir für ein paar Fotos die Straße verlassen. Frische, kühle Urwaldluft weht uns entgegen und nur vereinzelt brechen Sonnenstrahlen durch die dichten Baumkronen. Was für eine Szenerie! Kein Wunder, dass auch die sechste Star Wars Episode teilweise hier im Jedediah Nationalpark gedreht wurde (Sie wissen schon, der Waldplanet mit den Ewoks…).

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Während unserer ausgedehnten Foto-Stopps wird es spät und später. Als wir schließlich die Küstenstadt Crescent City erreichen, neigt sich die Sonne bereits gefährlich nah dem Horizont entgegen. „Egal, zur Not bauen wir unser Zelt im Scheinwerferlicht auf“, meint Hanna optimistisch. Im Information Center des Nationalparks stattet uns die Rangerin mit einer recht detaillierten Karte der Umgebung aus – und wir können endlich das leidige Handy-Navi beiseite lassen, das hier in den Redwoods ohnehin keinerlei Empfang hat. Von vier möglichen Campingplätzen entscheiden wir uns für den äußerst vielversprechenden Platz direkt an der Küste, der allerdings noch etliche Meilen entfernt liegt.

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Hier beginnt unsere im Vorspann bereits erwähnte Odyssee, die Fahrer, Fahrzeug und auch die tapfere Beifahrerin später noch ziemlich nahe an ihre Grenzen bringen wird. Denn noch auf dem Weg zurück zum Auto stellen sich die ersten Zweifel an unserer Camping-Entscheidung ein. Mit schwindender Sonne sinken auch die Temperaturen deutlich – und unsere Schlafsäcke sind dünn, wie wir bereits am ersten Abend des Roadtrips festgestellt haben. „Egal, zur Not suchen wir uns einfach doch noch ein Hotel, wir sind ja hier in Kalifornien!“. Diesmal bin ich der Optimist.

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Immer weiter rollen wir, nun wieder auf dem Highway 101, durch den unbeschreiblich schönen Nationalpark, und immer wieder werden wir dabei durch nur zu verlockende Hinweisschilder von unserem Weg abgebracht. Eine Stunde lang führt uns eine kleine „Scenic Route“ über brüchigen Asphalt direkt an der herrlichen Küste entlang, dann fordert einer der weltberühmten „Tour-Thru Trees“ einen weiteren Foto-Halt. Kurz vor Orick schließlich warnt ein Schild vor wilden Elchen.

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Noch ein paar Kurven lang eilen wir durch die unberührte Natur, und dann das: eine ganze Herde Elche grast in der Dämmerung majestätisch neben dem kaum noch befahrenen Highway. Bis auf wenige Meter pirscht sich vor uns ein Ehepaar lautlos mit einem Prius an die Herde heran. Wir folgen ihnen so leise, wie es mit einem warmgefahrenen BMW M235i eben möglich ist. Der satte Klang des Sechszylinders interessiert die Tiere jedoch genau so wenig, wie die Blitze der Spiegelreflexkamera. Elchtest bestanden, sozusagen.

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Nur wenige Meilen später hinter unserer Spontan-Safari laden rechts der Straße Ferienhütten zur Übernachtung ein. „Ich glaube, unser Camping-Problem hat sich gerade erledigt“, freut sich Hanna und notiert die Nummer des Vermieters. Noch fünf Meilen bis Orick solle man fahren um Handynetz zu bekommen, heißt es auf einem Zettel an der Hüttentür. Mit einem warmen Bett vor Augen legen wir die vermeintlich letzten Kilometer des heutigen Tages zurück, als sich plötzlich eine dichte Nebeldecke über den Highway legt. Kalt, klamm und düster säumen die Hütten von Orick den Straßenrand. Ein Trailerpark, eine verlassene Tankstelle, heruntergekommene Motels. Die Nummer des Ferienhütten-Vermieters ist dauerhaft besetzt. „Und jetzt?“. Kein anderes Dorf weit und breit, eine Übernachtung in Orick (da sind wir uns einig) kategorisch ausgeschlossen – eine Nacht im Zelt ist unsere letzte Option.

Wir wenden und fahren ein paar Meilen zurück. Kurz hinter der immer noch munter grasenden Elchherde führt eine schmale Staubstraße zu unserem favorisierten Küsten-Campingplatz. Im dichten Unterholz ist es bereits stockfinster. „Camping ist hardcore in Amerika“, sagt Hanna als wir uns, tiefen Schlaglöchern ausweichend, Meile für Meile im Wald voran arbeiten. Sicher, mit seinem Allradantrieb ist dem M235i der weiche Untergrund ziemlich egal. Doch den gewaltigen Löchern, die sich vor uns im Scheinwerferlicht auftun, sind die tief gezogenen Schürzen des Coupés gewiss nicht gewachsen.

Ein Pick-up aus Alaska taucht hinter uns auf. Wir lassen ihn breitwillig passieren und schauen nicht ohne Neid der Staubwolke hinterher. Erschöpft vom Schlagloch-Slalom erreichen schließlich auch wir den Campingplatz, auf dem sich bereits die Camper um kleine Lagerfeuer scharen – und bereuen bitter, den robusten Pick-up auf dem Weg vorbeigelassen zu haben. Denn nun campt er auf Platz Nummer Eins. Hier gilt das Prinzip „First come, first serve“. Und wir haben das Rennen um den letzten freien Zeltplatz gerade offiziell verloren.

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Auch unsere letzte Hoffnung, auf einem weiteren Campingplatz vier Meilen weiter entlang der Staubstraße zu übernachten, wird jäh zunichte gemacht: „Fluss kreuzt Straße“, steht lapidar auf einem Warnschild – für unseren BMW unbezwingbar. Mir reicht’s. Quer frisst sich der M235i mit bellendem Sechszylinder durch den Staub. Ich fange das Heck wieder ein und wir fahren zurück. Den ganzen Weg. Sechs Meilen Staubstraße durch die finstere Nacht.

„Trinidad sieht nach einem größeren Dorf aus, sind 30 Kilometer!“. Im fahlen LED-Licht der Leselampe studiert Hanna die Karte. Stumpfe Erschöpfung treibt uns durch die Dunkelheit, immerhin vermittelt der kraftstrotzende BMW einen Rest an notwendiger Zuversicht. Doch auch Trinidad erweist sich mit seinen 300 Einwohnern als Reinfall. Dafür gibt’s eine offene Tankstelle. „Fahrt mal ein paar Meilen die Straße runter, da findet ihr vielleicht was!“, meint der Tankwart mitleidig.

Kennen Sie den Horrorfilm „Cabin in the Woods“? Hanna schon. Und um halb Elf abends mitten im Niemandsland findet sie es auch nur begrenzt lustig, dass sich der Campground am Straßenrand „Cabin in the Redwoods“ genannt hat. 140 Dollar soll hier eine Holzhütte pro Nacht kosten, eine Möglichkeit zum Abendessen gibt es im Umkreis nicht. Doch zum Glück hegt die Dame am Empfang Mitleid statt Mordgedanken: „Fahrt doch einfach nach Eureka, da findet ihr verschiedenste Fast Food Restaurants – und richtige Hotels.“

Mit letzter Kraft und unbändigem Hunger fahren wir an diesem ereignisreichen Roadtrip-Tag die letzte halbe Stunde bis in die nächste Stadt mit ihren 17.000 Bewohnern. Ich dachte immer, Kalifornien sei ein kleiner Landstrich voll Glamour und Sonne. Doch die Wirklichkeit hier oben sieht wilder aus. Größer als Deutschland, dabei mit nur halb so vielen Einwohnern; Kalifornien kann ein ziemlich raues Pflaster sein. Und diese Erfahrung sieht man uns scheinbar auch an: Ohne Aufpreis vermietet uns die Rezeptionistin an einem der großen Hotels ein Zimmer mit Whirlpool. Kurz später sitzen wir drüben im Fast Food Restaurant, das 24 Stunden Frühstück serviert, und verzeihen bei einem saftigen Burger dem Mann aus Alaska. Trotz aller Anstrengung: unsere heutige Odyssee hat sich wirklich gelohnt.

Text: Jonas Eling
Fotos: Hanna Coco

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