BMW und Mercedes in offenem Rennen um die US-Luxury Crown

News | 16.07.2015 von 3

Seit der Ablösung von Lexus in 2011 wurde das Rennen um die Luxury Crown jeweils in einem prestigegeladenen Zweikampf zwischen BMW und Mercedes Benz entschieden. Grund genug für uns einmal näher hinzusehen:

Der US-Markt ist in vielen Details einzigartig. Es gibt weder produktions- noch vertriebsspezifischen Protektionismus, die Transparenz und Datenverfügbarkeit sind vorbildlich. Per US-eigener Definition umfasst die Luxury Crown (bei BMW und Mercedes-Benz) nur die jeweiligen Stammmarken – denn ‚mini and smart aren’t luxury cars’. Der Rückstand der anderen Wettbewerber (Lexus, Infiniti, Acura, Cadillac, Audi etc.) auf die beiden Leader ist aktuell so groß, dass eine erweiterte Betrachtung (noch) nicht lohnt.

Für unsere Zwecke haben wir die US Verkaufs-Charts von BMW und Mercedes per Juni 2015 nach Baureihen geordnet und geglättet (z.B. weist BMW in seinen eigenen Statistiken den X1 als passenger car aus – wir haben ihn jedoch zu den light trucks umgegliedert).

Premium-Absatz-1-Halbjahr-2015-BMW-vs-Mercedes

Zunächst ist auffallend, daß sich die light trucks und passenger cars (im Folgenden als SUV und Pkw bezeichnet) je Marke unterschiedlich entwickelt haben. Bei näherem Hinsehen werden die Gründe hierfür ersichtlich:

PKW: Für Mercedes-Benz hat sich der 2014 mit der Hereinnahme des CLA begonnene Wachstumstrend fortgesetzt und auch die Neuauflage der C-Klasse ist sehr gut angelaufen. Kompensiert wurde dies jedoch durch zum Teil erhebliche Verkaufsrückgänge (E-Klasse ./. 35,7%) bei den höher positionierten Baureihen. Sogar die noch taufrische S-Klasse musste in ihrem erst 2. Verkaufsjahr einen Rückgang hinnehmen. Es ergibt sich also in Summe eine Verlagerung zu den Umsatz- und Margenschwächeren Produktlinien. Dieser Umstand und das Vordringen der Preise in den Bereich unter USD 30.000 wurde mehrfach von US-Fachmedien als kritisch für die Marke Mercedes-Benz eingestuft.

Auch BMW hat mit seinem 5er bislang in 2015 an Boden verloren – trotzdem jedoch mit dem 5er die Segmentführerschaft im US-Markt übernommen. Hervorstechend und weitgehend konkurrenzlos ist die Performance der margenstarken 4er-Reihe sowie die Verkaufsentwicklung bei den i-Modellen. Selbst der betagte 7er konnte seine Position noch knapp verbessern und der 6er dominiert sein Segment weiterhin klar.

SUV: Hier hat Mercedes mit der Einführung des GLA im laufenden Jahr den großen Schritt nach vorne getan. Ohne wirkliche Konkurrenz im Premiumsegment steht der GL als Fullsize-SUV da und sorgt für rund ein Viertel aller Mercedes-SUV-Verkäufe. Mit den künftigen GLE- und GLC Coupé-Derivaten werden sich für Mercedes weitere Wachstummöglichkeiten öffnen.

BMW hat bislang beim X1/X3 (Modellwechsel bzw. temporäre Kapazitätsengpässe infolge der Werkserweiterung in Spartanburg) in 2015 Rückgänge erlitten. Inwieweit sich die Lage bei diesen Baureihen im 2. Halbjahr verbessert bleibt noch abzuwarten. Sehr stark präsentieren sich die Ende 2014 neuaufgelegten Modelle X5 und X6. Grundsätzlich neue Wachstumspotentiale wird aber erst die Neueinführung des X7 in 2017 mit sich bringen können.

Mini/Smart: Mini hat im 1. Halbjahr ein Wachstum von +25% hingelegt – insbesondere der neue Fünftürer (4-door) wurde vom Markt sehr gut aufgenommen. Mit Spannung wird man deswegen auf den Marktstart des Clubman achten – ein Fahrzeugkonzept, das bislang auf dem US-Markt wenig erfolgreich war. Aber vielleicht bricht ja Mini hier den Bann. Bei Smart gilt es den Start des ForFour abzuwarten.

Im Rennen um die Luxury Crown ist der Vorsprung von BMW derzeit geringer als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt. Da das 2. Halbjahr in den USA traditionell sehr stark ist, dürfen wir uns auf einen spannenden Endspurt gefasst machen. Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, daß sich in den nächsten Jahren weitere Hersteller (aus Japan oder Deutschland) in diesen Zweikampf einschalten können.

Für die BMW Group wird der US-Markt – mit einem voraussichtlichen Gesamtvolumen von über 400.000 Fahrzeugen – wohl wieder knapp zum größten, aber derzeit stagnierenden Einzelmarkt China aufschließen können.

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