Fahrbericht BMW i8: Zwischen Racer und Saubermann

BMW i, BMW i8, Fahrberichte | 29.05.2015 von 13

Fahrbericht BMW i8: Über einen Zeitraum von sechs Tagen konnten wir den Plug-in-Hybrid-Sportler mit Flügeltüren und 362 PS als Alltagsbegleiter erleben

Nach sechs ereignisreichen Tagen mussten wir uns vorgestern wieder von unserem BMW i8 Testwagen trennen. Mit dem Plug-in-Hybrid-Sportwagen haben wir den Concorso d’Eleganza Villa d’Este besucht und den derzeit futuristischsten BMW am Comer See mit einem historischen BMW 3.0 CSL zusammengebracht (zum Fahrbericht).

Doch man muss nicht aus einem Fahrzeug von 1972 in den i8 steigen, um den einzigartigen Charakter dieses Fahrzeugs erleben zu können. Auch ein knappes Jahr nach dem Marktstart ist der Flügeltürer ein absoluter Hingucker und wird von Passanten aller Altersgruppen mit großen Augen betrachtet. Wie schon in Los Angeles wurden wir auch in Europa gefragt, wann dieses vermeintliche Concept Car wohl in Serie gehen würde – und nach einer kurzen Aufklärung nicht selten mit ungläubigen Blicken bedacht.

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Aber das nicht nur Laien an ein Concept Car erinnernde Design bringt neben unübersehbaren Vorzügen auch eine Hand voll Nachteile mit sich: Sowohl die Übersichtlichkeit als auch das Platzangebot sind für BMW-Verhältnisse unterdurchschnittlich, speziell der offiziell 154 Liter fassende Kofferraum kommt sehr schnell an seine Grenzen. Hinzu kommt, dass der unmittelbar an den Ottomotor grenzende Gepäckraum bei sportlicher Fahrweise ziemlich warm werden kann.

Wer mit dem i8 längere Ausflüge plant, muss die Rückbank in seine Planungen einbeziehen. Hier lassen sich problemlos kleinere Koffer verstauen,  weshalb auch ausgedehnte Urlaubsfahrten zu zweit kein echtes Problem darstellen. Die beiden Einzelsitze im Fond bieten ansonsten auch Erwachsenen genügend Platz auf kürzeren Strecken, wirklich bequem ist es im Fond aber nicht. Das gilt auch für den Ein- und Ausstieg durch die Flügeltüren, der sich für Fond-Passagiere noch etwas komplizierter gestaltet als für die Insassen der ersten Reihe.

Wenn der Einstieg gelungen und die Flügeltür geschlossen ist, kommt im i8 sofort Sportwagen-Feeling auf. Die Sitzposition ist tief, links und rechts werden die Insassen von der Carbon-Fahrgastzelle umfasst, das Cockpit ist deutlich auf den Fahrer zugeschnitten. Doch nach dem Druck auf den Startknopf erwacht anders als bei gewöhnlichen Sportwagen kein großvolumiges Triebwerk zum Leben, nur eine kurze Melodie weist den Fahrer auf die Einsatzbereitschaft des Fahrzeugs hin.

Rein elektrisch und daher praktisch lautlos rollt der BMW i8 von seinem Parkplatz. Dieser Auftritt zieht dabei mindestens so viele erstaunte Blicke auf sich wie das fulminante Grollen, mit dem Sportler aus einer anderen Zeit seit vielen Jahrzehnten Eindruck hinterlassen. Im BMW i8 schaltet sich der Verbrennungsmotor erst bei stärkerem Druck aufs Gaspedal hinzu, bleibt dabei aber zumindest im Comfort-Modus stets dezent im Hintergrund.

Bei niedrigen Drehzahlen und geringer Last hört man dem Heckmotor seine drei Zylinder durchaus an, das souverän-gelassene Brabbeln anderer Sportwagen kann der i8 aus naheliegenden Gründen nicht bieten. Andererseits: Im Alltag ist der Verbrennungsmotor fast nie in diesem Arbeitsfenster tätig, schließlich ist für derartige Aufgaben der E-Motor in der Front zuständig.

Im Sport-Modus ändern sich Sound und Verhalten des i8 sofort: Der Dreizylinder läuft nun permanent und ist akustisch erheblich präsenter als zuvor, auch die Reaktion des Antriebsstrangs auf Gaspedal-Befehle ändert sich dramatisch. Lässt der i8 im Comfort-Modus stets seinen etwas gelasseneren Charakter durchscheinen, reagiert er nun vehement auf Beschleunigungswünsche und profitiert dabei vom verzögerungsfrei anliegenden Drehmoment des Elektromotors.

Wird vor einem Überholvorgang per Schaltwippe der richtige Gang der Sechsgang-Automatik eingelegt, ist auch der Verbrenner sofort zur Stelle. Kommt der Kickdown hingegen unerwartet, spürt man die unterschiedliche Potenz der beiden Motoren deutlich: Während das Getriebe noch den richtigen Gang für den Verbrenner sucht und dessen Turbolader Druck aufbaut, setzt bereits die Beschleunigung des 131 PS leistenden E-Motors ein. Wenige Augenblicke später übernimmt der 231 PS starke Dreizylinder das Kommando und sorgt für spürbar mehr Druck im Kreuz.

Sorgen um die Verfügbarkeit der elektrischen Zusatz-Power muss man sich abseits der Rennstrecke selbst dann nicht machen, wenn man den i8 niemals mit frischem Strom aus der Steckdose versorgt. Nähert sich die Kapazität des Lithium-Ionen-Akkus ihrem Ende, wird die Batterie mit Hilfe des Verbrenners neu aufgeladen. Innerhalb weniger Minuten mit laufendem Verbrenner sind bereits wieder einige Kilometer elektrische Reichweite vorhanden.

Abgesehen vom Rennstrecken-Betrieb mit permanentem Dauer-Vollgas kommen die i8-Akkus daher praktisch nie an ihre Grenzen. Wenn auf öffentlichen Straßen im Sportmodus zügig gefahren wird, sammelt der i8 nach Erreichen der gewünschten Geschwindigkeit stets genügend elektrische Reichweite für die nächste Ortsdurchfahrt. So kann der Plug-in-Hybrid außerorts sehr dynamisch und in Wohngegenden völlig emissionsfrei gefahren werden.

Während der BMW i8 die ihm gestellten Aufgaben auf Autobahnen und Landstraßen mit langgezogenen Kurven souverän meistert, kommen die schmalen Reifen auf engen Serpentinen schnell an ihre Grenzen. Die erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten liegen auf diesem Terrain spürbar unterhalb des Niveaus konventioneller Sportwagen, dank tiefem Schwerpunkt und ausgeglichener Gewichtsverteilung aber ebenso deutlich über dem automobilen Durchschnitt. Das Fahrwerk findet dabei einen sowohl im Alltag als auch auf längeren Strecken angenehmen Kompromiss zwischen sportlicher Härte und dem nötigen Restkomfort.

Und was verbraucht er nun? Noch stärker als bei fast allen anderen Autos lautet die richtige Antwort auf diese Frage “kommt drauf an”, denn im Fall des BMW i8 hängen Verbrauch und Emissionen noch stärker von Fahrweise und Nutzungsverhalten ab als üblich.

Wer den Flügeltürer über Nacht lädt und seinen Gasfuß auf dem Weg zur Arbeit zügeln kann, rollt tatsächlich mit 0,0 Liter Spritverbrauch durch die Stadt und kann Diskussionen über zu hohe Benzinpreise ganz entspannt als Außenstehender verfolgen. Wer es jedoch krachen lässt, auf der Autobahn häufig mit über 200 km/h unterwegs ist und den i8 praktisch nie an die Steckdose hängt, schafft unter Umständen sogar einen zweistelligen Verbrauch.

Wer es auf der Autobahn über längere Zeit fliegen lässt, muss allerdings nicht nur einen erhöhten Verbrauch in Kauf nehmen: Weil der Kraftstoff-Tank aus Packaging-Gründen eine relativ verzweigte Form hat, muss er bei hohem Kraftstoff-Bedarf oder annähernd leerem Tank unter hohen Druck gesetzt werden. Will man nun tanken, muss dieser Überdrück erst abgebaut werden – was durchaus Geduld fordern kann. Laut Handbuch kann es bis zu zehn Minuten dauern, bis sich der Tankdeckel öffnen lässt – ein Zeitraum, der sich untätig an der Tankstelle sitzend ziemlich in die Länge ziehen kann. Wann immer möglich sollte man Tankstopps daher kurz nach Fahrtantritt oder nach einigen Minuten ruhiger Fahrweise absolvieren, in diesem Fall dauert der Druckausgleich nur wenige Sekunden.

Fazit

Der BMW i8 ist keine eierlegende Wollmilchsau. Sein einzigartiges Anforderungsprofil verlangt nach einem Spagat, den der sparsame und zugleich sportliche Hybrid-Sportwagen auf beeindruckende Art und Weise meistert. Ihm gelingt dabei aber erwartungsgemäß nicht die Quadratur des Kreises, denn natürlich sind konsequent auf maximale Effizienz ausgelegte Fahrzeuge noch sparsamer und konsequent auf Performance getrimmte Sportwagen noch dynamischer als der i8. Wer jedoch nach einem grünen Sportwagen sucht und bereit ist, bei der Auflösung dieses Widerspruchs ein paar Kompromisse einzugehen, findet mit dem BMW i8 einen rundum faszinierenden Begleiter. Je nach Fahrweise wandelt der Flügeltürer zwischen Saubermann und Racer und erlaubt so eine Kombination von Fahrspaß und grünem Gewissen, wie man sie derzeit nirgendwo sonst findet.

13 responses to “Fahrbericht BMW i8: Zwischen Racer und Saubermann”

  1. eimsbuschler says:

    Geiles Auto, keine Frage! Aber dieser Pseudoumweltschutz stinkt mir gewaltig – es gibt bis heute keinen Weg die Batterien von Elektro/Hybridfahrzeugen zu recyclen, desweiteren kommt hinzu, dass die Produktion solcher Fahrzeuge ein vielfaches mehr an Energie und CO2 benötigt als “normale” UND auch die Langlebigkeit (wenn man davon überhaupt sprechen kann) ist eher kurz gehalten.
    Verstehe auch nicht warum manche Staaten diese Umweltverschmutzung auch noch subventionieren. Dann doch lieber einen sparsamen Benziner, Gas oder Diesel.

    • PHoel says:

      Mein Favorit ist Erdgas oder im Moment noch Autogas.
      Bin auch deiner Meinung, Elektroautos haben sehr schlechte CO2 Bilanzen, auch wenns Ökostrom ist, den hätte man auch verwenden können um Haushalte damit zu versorgen statt Kohle- oder Atomstrom.

  2. der_ardt says:

    bis zu zehn Minuten warten, bis Druck ausgeglichen ist, finde ich schon recht bitter, ansonsten echt schönes Fahrzeug, wenn man die Kohle übrig hat und gerne auffällt

  3. Martin says:

    Was ich mich beim i8 immer frage:
    Wird der Benziner eigentlich “vorgeheizt” oder bleibt der Motor eiskalt wenn er nicht läuft?
    Wenn ich nun z.B. nach 10km elektrischer Fahrt einen Kickdown geben, dreht dann der kalte Motor bis auf 6000 rpm? Der Motor schaltet sich im Komfort-Modus ja immer dann dazu, wenn man stark Gas gibt, er dreht dann also auch immer ziemlich weit hoch und wird dann nach Wegnahme des Gas wieder ausgeschaltet?

    • Daniel L. says:

      Da vertraue ich einfach mal BMW. Da der Fahrer quasi kaum Einfluss darauf hat, hat es ja nur die Fahrzeugelektronik im Griff. Bei meinem i8 ist mir zumindest aufgefallen, dass der Benziner wenn es sehr kalt ist durchaus beim Starten des Wagens schonmal mit anspringt und 1-2 Minuten läuft, auch wenn man rein elektrisch fährt…

  4. […] sich bisher nicht zum Kauf des BMW i8 durchringen konnte, erhält mit der streng limitierten Frozen Grey Edition für den deutschen […]

  5. […] Verbrauch durchaus erreichbar ist und sogar unterboten werden kann, haben wir nicht nur bei unserem BMW i8 Roadtrip feststellen dürfen – noch leichter fällt es allerdings, mit dem i8 Vollgas zu geben und […]

  6. […] den Qualitäten des BMW i8 haben wir uns im letzten Sommer auf einem mehrtägigen Roadtrip zum Concorso d’Eleganza überzeugt und am Comer See auch gleich für eine ganz spezielle Begegnung von Vergangenheit und […]

  7. […] die Gelegenheit für einen Besuch beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring genutzt, bevor wir unseren BMW i8 Roadtrip zum Concorso d’Eleganza Villa d’Este begonnen haben. Der von uns gefahrene BMW M235i in Estorilblau bietet dabei nicht nur wegen seiner […]

  8. […] von der iberischen Halbinsel schon jetzt Urlaubsstimmung. Wir fühlen uns dabei natürlich auch an unseren BMW i8 Roadtrip erinnert, der uns im vergangenen Sommer zum Concorso d’Eleganza Villa d’Este geführt […]

  9. […] Anker und Eyecatcher dient dabei der seit etwas mehr als zwei Jahren erhältliche Hybrid-Sportwagen BMW i8, der mit seinem futuristischen Design noch immer alle Blicke auf sich […]

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