BMW Power eDrive: Interview zur BMW Plug-in-Hybrid-Zukunft

BMW i, Concept Cars | 2.12.2014 von 9
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BMW Power eDrive: Plug-in-Hybrid-Versuchsfahrzeug gibt Ausblick auf künftige PHEV-Modelle der BMW Group. Interview mit Experte Franz Drescher-Kaden

Am Rande unserer Fahrt im BMW Power eDrive Demonstrator auf der Teststrecke von Miramas hatten wir auch die Gelegenheit, ein kurzes Gespräch mit Franz Drescher-Kaden zu führen. Das äußerlich als BMW 5er GT auftretende Versuchsfahrzeug trägt bereits die BMW Plug-in-Hybrid-Technik der nächsten Generation unter ihrem Blech und soll einen Ausblick darauf geben, wie man sich effiziente PHEV-Modelle in München vorstellt.

Im Interview mit Franz Drescher-Kaden sprechen wir nicht nur über die Technik und die Gründe für das neue PHEV-Konzept, sondern auch über mögliche Einsatzgebiete und den Zeitpunkt eines möglichen Serieneinsatzes.

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BimmerToday.de: Wir durften eben eine Runde auf dem Beifahrersitz des BMW Power eDrive Concept drehen. Dieses nutzt einen für BMW ganz neuen Ansatz, auch wenn die Kombination von Dreizylinder-Benziner und Elektromotoren durchaus vom i8 bekannt ist. Was unterscheidet das Demonstrator Car von bisherigen Modellen wie dem i8?
Franz Drescher-Kaden: Wir möchten mit diesem Fahrzeug eine weitere Säule im Antriebsportfolio bei BMW schaffen. Damit wollen wir unser Angebot ergänzen, um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein und zu zeigen, in welche Richtung es bei uns gehen kann. Das Fahrzeug stellt ein hochelektrisiertes System dar, mit einer elektrischen Reichweite von etwa 100 Kilometern, aber ohne Reichweiteneinschränkung. Wir werden trotz verkleinertem Tank bei einer Gesamtreichweite von 600 bis 800 Kilometern liegen.

BimmerToday.de: Wie wird das erreicht?
Wir haben die Gewichtung der Kraftquellen für dieses Fahrzeug neu gewählt. Wir stellen nun circa zwei Drittel der Antriebsleistung mit einem Elektromotor dar, nur ein Drittel kommt vom Verbrennungsmotor. Bei Hybrid-Fahrzeugen wie z.B. dem 3er Plug-in Hybrid ist dieses Verhältnis ungefähr umgekehrt. Im Alltag fährt der Kunde mit dem neuen Konzept somit fast nur elektrisch. Analysen von Fahrprofilen zeigen, dass die täglich gefahrene Strecke bis zu 100 Kilometer beträgt und nur über das Jahr gesehen vereinzelt die gesamte Reichweite in einem Stück ausgenutzt wird. Nur wenn der Fahrer mehr als die maximale E-Leistung fordert, bzw. wenn es energetisch sinnvoll ist, fährt er zusätzlich verbrennungsmotorisch. Der Verbrenner wird aber immer im Hintergrund bleiben, auch wenn der Kunde die volle Kraft abruft.

BimmerToday.de: Wir haben nun zwei starke Elektromotoren an Bord, wo liegt der Vorteil von diesem Layout?
Wir stärken damit den E-Charakter des Fahrzeugs. Wir nehmen eine große E-Maschine, die den Hauptanteil des Antriebs über die Hinterachse stemmt. Die zweite E-Maschine nutzen wir einerseits, um eine noch stärkere elektrische Performance im Sinne eines elektrischen Allradantriebs zu bekommen, andererseits aber auch als Generator, um mit dem Verbrenner elektrische Leistung erzeugen zu können. Der große Coup dabei ist, dass wir mit unserem Konzept auch einen direkten Durchtrieb vom Verbrenner auf die Straße darstellen können. Bei hohen Geschwindigkeiten können wir so auch den Verbrenner nutzen, wenn dieser gerade effizient arbeiten kann bzw. wenn der Fahrer über längere Zeit höhere Leistungen anfordert.

BimmerToday.de: Das hier zur Demonstration genutzte Fahrzeug ist ein BMW 5er GT, wie kam es zu dieser Fahrzeugwahl?
Wir haben den BMW 5er GT vor allem auf Grund von Größe und Verfügbarkeit als Basis genommen, wir konnten hier im Demonstrator alle Komponenten problemlos unterbringen. Wir haben nun so viel Leistung an Bord installiert, dass wir trotz eines hohen Gewichts bei diesem frühen Demonstrator schon die später gewünschten Fahrleistungen darstellen können. In Zukunft werden wir das Gewicht auf dem Weg zur Serie natürlich deutlich reduzieren, damit wird dann auch weniger Leistung für die gleichen Fahrleistungen einsetzen können.

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BimmerToday.de: Fahrleistungen sind ein gutes Stichwort, denn das BMW Power eDrive Concept hinterlässt selbst auf dem Beifahrersitz Eindruck. Sie haben von 250 bis 600 PS gesprochen, die sich mit dieser Architektur darstellen lassen, wie soll diese enorme Spreizung skaliert werden?
Die genannte Spreizung soll eigentlich nur darstellen, dass wir uns dieses Konzept in ganz verschiedenen Fahrzeugklassen vorstellen können. Wir möchten unsere zukünftigen Baukästen so realisieren, dass wir für jeden Leistungsbedarf das dazu passende Antriebskonzept darstellen können.

BimmerToday.de: Also kann dieser Baukasten eines Tages vom 1er in der Kompaktklasse bis hin zu einem Supersportler genutzt werden?
Wir können damit sehr verschiedene Performance-Anforderungen und Preis-Positionierungen darstellen, gehen aber von einer Anwendung in mittleren bis großen Modellen aus.

BimmerToday.de: Fahrzeuge mit mehreren hundert Kilometern Reichweite gibt es auch rein elektrisch. Wo genau sehen Sie Ihr Konzept im Vorteil gegenüber einem Tesla Model S?
Wir gehen von der Kundenanforderung aus, die wir aufwändig analysiert haben. So fährt beispielsweise ein durchschnittlicher 118d-Kunde in einem Jahr nur an sehr wenigen Tagen mehr als 100 Kilometer pro Tag. Unser Konzept kann diese Strecke rein elektrisch fahren, ohne das ganze Jahr die Batteriekapazität für deutlich mehr rein elektrische Reichweite mit sich herumzufahren. Mit dem zusätzlichen Verbrenner können wir dem Kunden aber die Reichweitenangst mit Blick auf die Gesamtreichweite nehmen und können ihm ein Auto anbieten, dass er auch zu vergleichsweise seltenen Langstreckenfahrten uneingeschränkt nutzen kann.

BimmerToday.de: Das heißt, dass wir auch in der potentesten Ausbaustufe mit 600 PS keine höhere E-Reichweite sehen werden?
Nein, das ist zum heutigen Zeitpunkt nicht geplant. Je nach Fahrzeugklasse – die 100 Kilometer für den 118d-Kunden sind ja nur ein Beispiel – werden wir die E-Reichweite so anpassen, dass sie den Kunden im Alltag genügt und er trotzdem im Fall der Fälle deutlich längere Strecken zurücklegen kann.

BimmerToday.de: Können Sie schon sagen, wir lange wir noch auf ein erstes Serienfahrzeug mit dieser Technik warten müssen?
Das ist ein Konzept für die nächste Generation von elektrifizierten Fahrzeugen, also für Autos mit einem Marktstart von etwa 2020.

BimmerToday.de: Herr Drescher-Kaden, wir bedanken uns für das informative Gespräch!

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