Fahrbericht: BMW 3er GT F34 gibt sich als 335i mit M Paket dynamisch

BMW 3er GT, Fahrberichte | 12.03.2014 von 15
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Der Name Gran Turismo hat für manchen BMW-Fan seit ein paar Jahren einen etwas faden Beigeschmack. Sicher, der 5er GT ist ein hervorragendes Auto für …

Der Name Gran Turismo hat für manchen BMW-Fan seit ein paar Jahren einen etwas faden Beigeschmack. Sicher, der 5er GT ist ein hervorragendes Auto für lange Strecken und bietet neben viel Platz auch erlesenen Komfort, aber passt er wirklich zu BMW?

Mit dem BMW 3er GT F34 wollen die Münchner nun alles besser machen: Schöner, dynamischer und insgesamt deutlich näher an den Kernwerten der bayerischen Motorenwerke soll er sein. Ob er das wirklich ist, haben wir in den letzten Tagen am Beispiel eines BMW 335i GT mit M Sportpaket unter die Lupe genommen.

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Das M Paket und die dafür exklusiv angebotene Farbe Estorilblau Metallic machen die Antwort auf den ersten Teil der Frage besonders leicht: Kein Zweifel, mit den aggressiver gezeichneten Schürzen des Sportpakets und dem traumhaft leuchtenden Blau ist dieser Gran Turismo ein echter Hingucker, den auch die kleineren Felgen samt Winterbereifung nicht entstellen können.

Auch im Innenraum profitiert der 3er GT deutlich vom M Sportpaket, das ihm neben den auch für andere Modelle erhältlichen Sportsitzen auch ein besonders griffiges und dennoch filigran gestaltetes Sportlenkrad beschert. Die Zierleisten mit Aluminium Hexagon-Muster und bis in die hinteren Türen fortgesetzte Akzentleisten in Estorilblau matt betonen die sportliche Seite des F34 und lassen den geräumigen Fond fast vergessen.

Das fällt auch deshalb leicht, weil sich die Fahrwerksabstimmung erfreulich nah an der 3er Limousine orientiert und keinerlei Erinnerungen an den großen Bruder weckt. Im Sport-Modus federt der GT angenehm straff und liegt satt auf der Straße, ohne mit übertriebener Härte zu nerven. So können Fahrer und Mitfahrer ihren Aufenthalt im BMW 3er GT genießen, was auch uneingeschränkt für die beiden äußeren Fond-Passagiere gilt: Da der GT – wie die nur in China angebotene 3er Langversion F35 – über elf Zentimeter mehr Radstand verfügt, gibt es hinten erheblich mehr Kniefreiheit. Auch die Kopffreiheit ist spürbar großzügiger als in der gewöhnlichen Limousine bemessen und weit vom Durchschnitt in der Premium-Mittelklasse entfernt.

In der ersten Reihe definiert die aktuelle Generation des BMW Navigationssystem Professional den Mittelklasse-Maßstab in Sachen Infotainment. Uneingeschränkter Internetzugriff, die dynamische Routenführung mit Real Time Traffic Information RTTI, der praktische Concierge Service und und und – hier bleibt wirklich kein Wunsch unerfüllt. Als Fahrer hat man die wichtigsten Informationen dank Head Up-Display stets im Blickfeld und kann sich bestmöglich auf den Verkehr konzentrieren. Ist man dennoch kurz unaufmerksam, greifen die zahllosen Assistenzsysteme und warnen per Vibration im Lenkrad oder durch optische und akustische Signale vor gefährlichen Situationen.

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Das absolute Sahnestück des von uns getesteten BMW 335i GT befindet sich allerdings noch vor der Fahrgastzelle und ist jederzeit präsent, auch wenn man es kaum zu Gesicht bekommt. Der aus diversen anderen Modellen bekannte Reihensechszylinder N55 glänzt auch an Bord des BMW 335i F34 mit einer einzigartigen Kombination von sportlichem Sound, äußerst souveräner Kraftentfaltung und erstaunlicher Effizienz.

Im Alltag lässt sich der 335i GT trotz seiner 306 PS mühelos mit weniger als zehn Liter auf 100 Kilometer bewegen, mit reduziertem Stadtverkehrs-Anteil lassen sich auch um die 8 Liter erreichen. Wer dem Sound erliegt und den 335i regelmäßig bei höheren Drehzahlen erleben möchte, muss naturgemäß häufiger zum Boxenstopp.

Wichtiger als der Verbrauch dürften den meisten Kunden freilich die Fahrleistungen sein, schließlich kauft man das Topmodell in den seltensten Fällen vordergründig zum Sparen. Mit seinem bereits ab 1.200 Umdrehungen anliegendem Drehmoment von 400 Newtonmeter mangelt es dem 335i GT in keiner Lebenslage am nötigen Punch, notfalls legt die Achtgang-Automatik aber auch bei spontanen Beschleunigungsmanövern sehr zügig einen niedrigeren Gang ein und bietet dem N55 optimale Entfaltungsmöglichkeiten.

Untermalt vom seidigen Sound des Reihensechszylinders geht es dann vehement nach vorn, wobei die Winterreifen an der Hinterachse bei niedrigeren Geschwindigkeiten gelegentlich um Gnade wimmern. Wer mag, kann das Heck des BMW 3er GT problemlos zum Mitlenken animieren und in der potenten Hecktrieblern eigenen Manier mit dem Grenzbereich spielen. Zickig wird der Gran Turismo dabei nie, wobei der lange Radstand gewiss einen Teil zur Kontrollierbarkeit beiträgt.

Unterm Strich präsentiert sich der BMW 335i GT mit M Sportpaket als Allrounder, der den üblichen Herausforderungen des Alltags mit Größe im Fond und einem geräumigen Kofferraum begegnet und dennoch die weltweit geschätzte Dynamik eines 3er-BMW bieten kann. Ohne direkten Vergleich dürfte kaum ein Kunde die zusätzlichen Kilogramm des Gran Turismo bemerken, zumal der über 300 PS starke Reihensechszylinder beim Kaschieren des Gewichts ganze Arbeit leistet.

Besonders dynamische Naturen, die auf die praktischen Vorzüge des GT verzichten können und mit ihrem Alltagsauto auch ab und an auf die Rennstrecke wollen, dürften mit der klassischen Limousine oder dem 3er Touring dennoch besser bedient sein. Für alle anderen gilt: Mit dem Gran Turismo erhält man einen gelungenen Kompromiss, der die Fahrdynamik der Mittelklasse mit dem Raum- und Komfort-Angebot der Oberklasse unter einen Hut bringt.

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