BMW X5 F15: Doppel-Interview mit Projektleiter und Projektmanager

BMW X5 | 11.10.2013 von 9
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Vor wenigen Wochen hatten wir im Rahmen der Präsentation des BMW X5 F15 die Gelegenheit, uns mit zwei Experten zur dritten Generation des Begründers der …

Vor wenigen Wochen hatten wir im Rahmen der Präsentation des BMW X5 F15 die Gelegenheit, uns mit zwei Experten zur dritten Generation des Begründers der BMW X-Familie zu unterhalten. Seit seinem Debüt im Jahr 1999 haben sich weltweit mehr als 1,3 Millionen Menschen für einen BMW X5 entschieden und ihn so zum klaren Bestseller in seinem Segment gemacht. Mittlerweile stehen die X-Modelle für mehr als ein Viertel aller verkauften BMW.

Projektleiter Siegfried Müller und Produktmanager Nils-Christian Kaupa beantworteten in Vancouver unsere Fragen zur Technik, zur Positionierung und zu den Aspekten, die den dritten X5 noch besser als seinen erfolgreichen Vorgänger machen sollen.

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BimmerToday: Hallo Herr Müller! Für viele Beobachter ist der neue BMW X5 optisch relativ nah am Vorgänger geblieben. Was sind die Gründe für diese sanfte Evolution?
Siegfried Müller: Die scheinbare optische Nähe hat einen relativ einfachen Grund: Die von uns gewählten Proportionen orientieren sich am Vorgänger, denn wir sind in der glücklichen Lage, Weltmarktführer zu sein und haben daher versucht, eine sehr behutsame Weiterentwicklung des Exterieur-Designs zu realisieren und dennoch einen prägnanten Unterschied erkennbar zu machen. Das Interieur ist denke ich eine echte Revolution gegenüber dem Vorgänger-Fahrzeug.

BimmerToday: Gibt es technisch gesehen größere Unterschiede zwischen zweiter und dritter Generation?
Siegfried Müller: Grundsätzlich ist der neue X5 in allen wesentlichen Punkten eine komplette Neuentwicklung. Wir haben ganz gezielt die Kundenkritiken und Verbesserungspotenziale analysiert und uns hohe Ziele gesetzt, um in den wesentlichen Themenfeldern Akustik, Wertigkeit und Luxusanspruch noch zuzulegen. Wir haben die schon beim Vorgänger-Fahrzeug sehr gute Fahrdynamik weiter verbessert, haben dafür die adaptiven Fahrwerksangebote eingeführt. Wir haben ein umfangreicheres Ausstattungsangebot, den Driving Assistant Plus und neue EfficientDynamics-Maßnahmen.

BimmerToday: Zumindest in Europa stehen die Abmessungen der großen SUV aller Hersteller immer wieder in der Kritik. Was hat dafür gesprochen, den neuen X5 noch größer als seinen Vorgänger zu machen?
Siegfried Müller: Die Hauptgründe für die Größenunterschiede sind die gestiegenen Anforderungen an Fußgängerschutz und funktionale Inhalte. Wir sind kaum länger oder breiter geworden, aber der integrierte Fußgängerschutz und die aerodynamische Optimierung des Exterieur-Designs waren nur so darstellbar. Mit einem cW-Wert von 0,31 setzen wir die Bestmarke im Segment und leisten so auch einen wesentlichen Beitrag für das Ziel der Verbrauchsminimierung.

BimmerToday: Wie genau sind die verschiedenen Fahrwerkspakete aufgestellt und was bringt einem Kunden beispielsweise die Wahl von Professional statt Comfort?
Siegfried Müller: Das Fahrwerkspaket Professional gestaltet sich ja in der Kombinatorik von Comfort und Dynamic. Im Wesentlichen sind wir beim xDrive-System des Top-Fahrwerks in der Lage, das Drehmoment je nach Fahrsituation und Untergrund ganz gezielt zwischen Vorder- und Hinterachse zu verteilen. Wir haben mit dem bekannten Hinterachsverteilergetriebe auch das Torque Vectoring integriert.

BimmerToday: Gibt es bei der Dynamic Performance Control Unterschiede zum bisher eingesetzten System?
Siegfried Müller: Die DPC wird erstmals in einem BMW X5 angeboten und ist vom Grundsatz her gleich aufgebaut. Nur der X5 M der Vorgänger-Generation hatte ebenfalls DPC an Bord. Wir haben in der Applikation eine perfekt zum Fahrzeug passende Feinabstimmung realisiert.

BimmerToday: Sie hatten das Thema Effizienz schon angesprochen, besonders sichtbar ist im Vergleich mit dem Vorgänger das Thema Aerodynamik. War es ein gewünschtes Ziel, diese Aerodynamik-Maßnahmen auch sichtbar zu gestalten?
Siegfried Müller: Von Anfang an, definitiv ja. Ich denke, unser Aerodynamik-Konzept wird in der gesamten Flotte immer sichtbarer. Die Reduzierung des cW-Wert von 0,34 auf 0,31 ist aus unserer Sicht ein sehr klares Statement.

BimmerToday: In Sachen Effizienz sticht außerdem der BMW X5 sDrive25d hervor, der als erster X5 mit Hinterradantrieb angeboten wird. Wie schwer ist die Entscheidung zur Einführung eines X5 ohne Allradantrieb gefallen?
Siegfried Müller: Die ist uns sehr leicht gefallen, weil es die Kunden einfach nachgefragt haben. Wir haben da immer wieder unterschiedliche Anfragen aus verschiedenen Märkten erhalten und sind daher sicher, dass dieses Fahrzeug seinen Markt haben wird.

BimmerToday: Der BMW X5 sDrive25d ist als Diesel eher an europäische Kunden gerichtet, gibt es auch ein vergleichbares Angebot für die klassischen Benziner-Märkte?
Nils-Christian Kaupa: Exklusiv für die USA werden wir in Form des BMW X5 sDrive35i auch ein anderes Angebot mit sDrive-Antrieb haben.

BimmerToday: Wo genau befinden sich die Hauptmärkte für den neuen BMW X5 F15?
Nils-Christian Kaupa: Die Hauptmärkte sind die USA und China, wobei beide Märkte je nach Jahr für 25 bis 30 Prozent der Verkäufe stehen. Interessant ist aber auch, dass Europa als Region knapp vor den USA die wichtigste Region für den BMW X5 darstellt. Wir sind also auf den drei wichtigsten Weltregionen sehr gut vertreten und man kann sagen, dass sich das Konzept des X5 weltweit großer Beliebtheit erfreut.

BimmerToday: Beim Vorgänger erzielte der BMW X5 auch mit Dieselmotor einen relevanten Marktanteil in den USA. Was erwarten Sie in dieser Hinsicht von der dritten Generation?
Nils-Christian Kaupa: Der X5 mit Dieselmotor heißt in den USA xDrive35d und hatte je nach Jahr einen Anteil zwischen einem Viertel und einem Drittel. Weltweit erwarten wir durch das Zusatzangebot mit neuen Dieselmodellen und auch den sDrive-Varianten einen weiteren Ausbau unseres Marktanteils. Wir sind der weltweite Segmentführer und wollen das mit dem neuen Modell auch verteidigen.

BimmerToday: Spielen die Benzin-Motoren in Europa eine relevante Rolle oder konzentriert sich das Geschäft hier vor allem auf die Diesel-Varianten?
Nils-Christian Kaupa: In Europa dominiert der Diesel ganz klar. Auch beim neuen Modell erwarten wir den Volumen-Schwerpunkt beim X5 xDrive30d. Wir haben aber auch sehr erfolgreiche Mix-Anteile für den xDrive40d, mit den 25d-Varianten wollen wir noch weitere Zielgruppen erschließen.

BimmerToday: Welche Rolle spielt der X5 M50d?
Nils-Christian Kaupa: Der M50d spielt eine tolle Rolle, die wir weiter ausbauen wollen, weil wir praktisch alleine am Markt sind. Auch der xDrive40d ist nahezu konkurrenzlos, aber der M50d spielt aus unserer sicht in einer anderen Liga.

BimmerToday: Was sagen Sie vor diesem Hintergrund zu Fahrzeugen wie dem Porsche Cayenne Diesel S?
Nils-Christian Kaupa: Konkurrenz belebt das Geschäft. Das Konzept des X5 als Segmentführer der SAVs ist vor allem in Europa sehr erfolgreich und bietet viele Vorzüge. Auch wenn es für europäische Verhältnisse ein großes Auto ist, ist es sehr handlich und dank der großen Glasflächen sehr einfach manövrierbar. Der neue Einparkassistent wird den X5 noch interessanter machen.

BimmerToday: Also stehen die starken Diesel wie der M50d auch für relevante Verkaufszahlen?
Nils-Christian Kaupa: In der Tat, ja.

BimmerToday: Nicht nur wegen dem serienmäßigen M Sportpaket ist der BMW X5 M50d sehr sportlich positioniert. Ist auch eine Benziner-Variante als Performance-Modell denkbar, praktisch als Zwischenschritt zwischen X5 xDrive50i und X5 M?
Nils-Christian Kaupa: Wir verfolgen mit unseren M Performance Automobilen eine klare Strategie, die wir in diesem Segment mit dem M50d reinrassig darstellen. Speziell in Europa, wo wir von über 90 Prozent Diesel-Anteil sprechen, haben wir mit sDrive25d, xDrive25d, xDrive30d, xDrive40d und M50d fast jede erdenkliche Nische besetzt und sind hervorragend vertreten.

BimmerToday: Wenn man im neuen BMW X5 Platz nimmt, vermittelt das SUV beinahe das Flair einer 7er Limousine, wirkt sehr hochwertig. Können Sie den damit verbundenen Anspruch in Sachen Verarbeitung auch im Werk Spartanburg erfüllen, das zumindest zu Beginn nicht immer die gewünschte Qualität bieten konnte?
Siegfried Müller: Unser gesamtes Produktionsnetzwerk agiert nach einem weltweit einheitlichen Qualitätsverfahren. Alle Qualitätsprozesse, alle Qualitätsanalysen, alle Qualitätsziele sind in allen Werken weltweit gleich, weshalb es absolut keine Unterschiede zwischen der Produktionsqualität in Deutschland oder den USA geben wird. Wir haben auch in der Vergangenheit gezeigt, dass wir in Spartanburg auf einem sehr guten qualitativen Niveau bauen können.

BimmerToday: Abschließend noch eine Frage an Sie beide: Gibt es aus Ihrer Sicht ein hervorstechendes Highlight des neuen X5 oder besticht das neue Modell vor allem durch sein Gesamtpaket?
Siegfried Müller: Da haben Sie mir die Antwort tatsächlich vorweggenommen, denn das Gesamtpaket ist tatsächlich das Highlight. Mit der Funktionsfülle, dem sehr breiten Ausstattungsangebot und den sehr vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten können wir jeden Kundenwunsch erfüllen.
Nils-Christian Kaupa: Das wichtigste beim X5 ist aus unserer Sicht, dass wir die Fahrfreude in das Segment gebracht haben. Der X5 in der dritten Generation ist aus unserer Sicht das Paradebeispiel dafür, weil wir dank der neuen Fahrwerks-Optionen nicht mehr nur der Chefdynamiker im Segment sind, sondern ein Spektrum vom absoluten Komfort-Gleiter bis zum absoluten Dynamiker abdecken können. Diese Eigenschaft zeichnet das Auto in Verbindung mit der Hochwertigkeit, die sich fast auf 7er-Niveau befindet, aus.

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