BMW ActiveHybrid 3 F30: Der BMW unter den Hybriden als 335i 2.0?

BMW 3er | 10.07.2012 von 22

Wenn man direkt aus einem BMW M135i F21 in ein anderes Fahrzeug umsteigt, fällt es schwer, sich noch nachhaltig beeindrucken zu lassen. Und dann also …

Wenn man direkt aus einem BMW M135i F21 in ein anderes Fahrzeug umsteigt, fällt es schwer, sich noch nachhaltig beeindrucken zu lassen. Und dann also ein Hybrid? Nun gut…

Dass der BMW ActiveHybrid 3 nicht das ist, woran die meisten Menschen beim Wort Hybrid denken, wird allerdings spätestens beim Blick auf die technischen Daten der Limousine deutlich: Wer einen BMW 335i und dessen souveräne Kraftentfaltung kennt, kann sich in etwa vorstellen, wozu der 3er Hybrid in der Lage ist. Dem 306 PS leistenden Reihensechszylinder wird hier noch von einem 40 kW und 210 Newtonmeter starken Elektromotor unter die Arme gegriffen, was für eine Systemleistung von 340 PS und ein insgesamt zur Verfügung stehendes Drehmoment von 450 Nm sorgt.

Dennoch handelt es sich beim ActiveHybrid 3 nicht “nur” um eine gewöhnliche Mittelklasse-Limousine mit üppiger Motorisierung, was dem Nutzer spätestens beim Motorstart auffällt – denn abgesehen davon, dass die Nadel im Drehzahlmesser von “Off” auf “Ready” springt, passiert zunächst nichts. Der Verbrennungsmotor hält sich vornehm zurück und überlässt dem innerhalb des Getriebegehäuses untergebrachten Elektromotor die Aufgabe, das Fahrzeug völlig lautlos aus der Parkposition zu fahren.

Hält man sich mit dem Gasfuß zurück, während man die eigene Wohnsiedlung verlässt, kann man theoretisch bis zu vier Kilometer rein elektrisch und somit nicht nur lokal emissionsfrei, sondern abgesehen von den bei niedrigen Geschwindigkeiten kaum wahrnehmbaren Wind- und Abrollgeräuschen auch völlig lautlos fahren. Im normalen Comfort-Modus beschleunigt der Hybrid-3er bei sanftem Gaseinsatz auf bis zu 60 km/h, im Eco Pro-Modus reicht dieser Bereich sogar bis 75 km/h.

Erreicht man den Ortsausgangund möchte dann doch etwas stärker beschleunigen, steht dem Fahrer nicht nur die Kraft des Reihensechszylinders zur Verfügung – der Elektromotor sorgt auch noch für einen zusätzlichen Boost und eine Verbesserung des Ansprechverhaltens. Egal in welchem Modus man sich gerade befindet, ein ausreichend starker Tritt aufs Gaspedal erweckt den sofort akustisch präsenten Verbrennungsmotor zum Leben und während die E-Maschine für Beschleunigung sorgt, hat sich auch der Verbrenner gesammelt und schickt auf Wunsch mehr als 300 PS an die Hinterräder.

Wer Spaß daran hat, auf nassem Untergrund mit leicht schwänzelndem Heck zu beschleunigen und den Sound der Reihensechszylinder von BMW mag, macht mit dem ActiveHybrid 3 folglich keinen Fehler. Das kann man auch deshalb sagen, weil der Hybrid im Vergleich mit dem 335i so gut wie keine Einschränkungen im Alltagsnutzen mit sich bringt. Alle Lines und Felgen sind auch für den Hybrid erhältlich, inklusive dem M Sportpaket – der Kunde hat also tatsächlich freie Auswahl bei der optischen Gestaltung.

Das Batteriepaket im Heck sorgt für eine minimale Verschiebung der Gewichtsverteilung zu Gunsten der Hinterachse, was der Traktion keineswegs schadet. Das Mehrgewicht des Hybrid-Antriebsstrangs beläuft sich auf rund 135 Kilogramm, diese dürften aber abseits der Rennstrecke kaum negativ ins Gewicht fallen. In den meisten Alltagssituationen ist man mit dem ActiveHybrid 3 dank E-Boost noch schneller als mit einem 335i – und profitiert ganz nebenbei von der auch als Generator fungierenden E-Maschine, die bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h das rein elektrische Segeln erlaubt.

In jeder Schub- und Bremsphase wird die crashsicher zwischen den Hinterrädern verbaute Batterie wieder aufgeladen, um neue Kraft für den nächsten Zwischensprint zu sammeln. Der Normverbrauch des ActiveHybrid 3 liegt dank der zahlreichen rein elektrisch zurückgelegten Kilometer bei nur 5,9 Liter auf 100 Kilometer und während dieser Wert für die meisten Kunden nicht erstrebenswert sein dürfte, ist der Hybrid-3er auch im Alltag mit durchaus dynamischer Fahrweise problemlos mit einem Verbrauch zwischen acht und neun Litern zu bewegen.

Wie oft man sich in Schub- oder Bremsphasen befindet, nimmt man am Steuer eines ActiveHybrid 3 deutlich bewusster wahr als in einem konventionellen Fahrzeug und es versteht sich von selbst, dass ein nicht arbeitender Verbrennungsmotor auch keinen Kraftstoff verbraucht. Da die Energie zum Aufladen der Batterie per Rekuperation quasi kostenlos gewonnen wird, ergibt sich auch in der Praxis ein Verbrauchsvorteil von rund 25 Prozent gegenüber einem gewöhnlichen 335i ohne E-Motor.

Für wen ist der BMW ActiveHybrid 3 also gebaut? In jedem Fall nicht für Sparfüchse, die auf der Jagd nach dem letzten Zehntelliter Kraftstoffeinsparung sind, denn dafür wäre ein weniger leistungsstarker Antriebsstrang sicherlich besser geeignet. Stattdessen richtet sich der Hybrid-3er an Technik-Fans, die auch bei der Jagd nach maximaler Effizienz nicht auf eine souveräne Motorisierung verzichten wollen. Während der zuvor getestete BMW M135i ein Spaß- und Krawallmacher der alten Schule ist, geht der BMW ActiveHybrid 3 einen Schritt weiter: Er beherrscht sowohl die Brutalo-Gangart einer 340 PS starken Mittelklasse-Limousine als auch das lautlose Gleiten und effiziente Fahren, was ihm eine einzigartige Stellung im Wettbewerbsumfeld beschert.

  • Pingback: BMW ActiveHybrid 3 2012: Sound- und Tacho-Video zum Hybrid-3er

  • http://twitter.com/FloPoe FloPoe

    ich denke die “power hybriden” um die es hier und beim 7er und X6 ging, waren nur der Anfang. Da werden deutlich kleiner Motoren mit Hybrid kommen aber lieber erprobt man die Technik in nem fahrzeug, wo sie nicht maßgeblich am Vortrieb beteiligt ist. ist sicher schwerer zu verkaufen aber zum “absichern” nicht schlecht gemacht!

    • Kr1s

      Sehe ich auch so. Vor Allem sind bei einem gröberen technischen Problem durch die geringen Stückzahlen auch kleinere Konsequenzen zu erwarten.

      Chris

  • BMW550i

    Sehr schön geschrieben, Benny.

    Was ich nicht verstehe – was heißt das “2.0”???

    Danke und Grüße.

    • Martin Domker

      Kennst du den Ausdruck nicht?
      Wenn man sagt “Web 2.0″, dann meint man etwas in der Art wie “nächste Generation”.
      Benny hat damit wohl gemeint, dass der ActiveHybrid der nächste Schritt bei den stärkeren Verbrennungsmotoren sein könnte, da er kaum fahrdynamische Nachteile (Gewicht) mit sich bringt, noch stärker ist und auch noch (zumindest auf dem Papier) eine höhere Effizienz hat.

      • BMW550i

         Interessant, Web 2.0 war mir bekannt, aber in dem Zusammenhang .. ok.

        Eine Neuanmeldung, nur um diese Erklärung abzuliefern .. komisch, aber danke.

        Grüße 550i

        • Martin Domker

          Man kann auch als Gast etwas schreiben, also musste ich mich nicht extra anmelden. Somit war das kein großer Aufwand…

  • tk14

    Was ich erstaunlich finde ist, dass der Kaufferaum fast komplett erhalten bleibt, bis auf das Fach unter dem Boden. Das ist deutlich besser gelöst als im 5er und das im kleineren Fahrzeug. So wird er tatsächlich eine interessante Alternative zum 335i!

    Ich kenne bei BMW bisher nur den alten Activehybrid 7, der auf dem 750i basiert hat. Er war wirklich beeindruckend. Gerade mit den ganzen Turbomotoren die heute verbaut werden spielt der Hybrid seine Stärke aus. Während der normale 750i noch kurz, aber vernehmlich Luft holt um dann loszuschlagen wird diese Lücke beim Hybrid mit dem Elektromotor überbrückt. Vor einer Testfahrt hätte ich das auch nicht gedacht…fährt sich aber klasse!

    • CSL E46

       Den Mildhybrid 7er bin ich noch nicht gefahren, aber den X6 Hybrid. Leider war die Verbrauchsanzeige defekt, weshalb ich zum Verbrauch nichts sagen kann, aber Der Antritt war echt spitze. Ein Problem, wie z.B. auch der Q5 Hybrid hat, ist das extrem vorsichtige bedienen des Gaspedals. Einen Millimeter zu weit gedrückt, springt der V8 an. Reines elektrisches Fahren von Ampel zu Ampel wird da zum Gedultsspiel und teilweise ist dies kaum möglich.

      Mal schauen, ob das der 3er besser kann. Aber auch hier kann man den Sinn des Wagens durchaus in Frage stellen. Ein 340PS Hybrid? Ich hoffe, dass da mit Toyota was besseres auf dei Beine gestellt wird.

  • Christian W.

    Hat der Hybrid für die 12V Versorgung noch eine eigene Blei-Batterie an Bord ? Oder wird die 12V Versorung durch die Lion-Batterie übernommen (hier wird wohl eine viel höhere Spannung zur Verfügung stehen).

    Gruß,
    Christian

  • Hadema

    Danke für den Bericht und das Tachovideo. Schön zu sehen, dass die Hybridisierung Stück für Stück Fortschritte macht (z.B: 75 statt 60 km/h E-Tempo bei Eco Pro). Zwei Fragen habe ich danach aber noch:

    – Es heißt, der Hybrid brächte “so gut wie keine Einschränkungen beim Alltagsnutzen mit sich”, wobei auf die Lines und Felgen etc. verwiesen wird. Gibt es bei sonstigen Sonderausstattungen Einschränkungen? M.W. wurde in den Berichten über den AH5 oft kritisiert, dass manche Sonderausstattungen wie z.B. Aktiv-/Hinterradlenkung nicht erhältlich seien.

    – Was genau heißt “elektrisches Segeln”? Segeln als solches ist nach meinem Verständnis automatisches auskuppeln und abwärts rollen lassen. Was trägt der E-Motor zum “elektrischen Segeln” bei? Wenn ich auf der AB in Eco Pro z.B: 130 km/h schnurgeradeaus Tempomat fahre (nicht bergab, aber mit sehr niedriger Last), geht dann der Verbrennungsmotor aus?

    Vielen Dank!

    • http://www.BimmerToday.de Benny

       Die Einschränkungen beziehen sich vor allem auf das etwas geringere Kofferraumvolumen und das höhere Gewicht, abgesehen davon gibt es praktisch keine Einschränkungen.

      “Elektrisches Segeln” meint ein Rollen ohne Gas-Einsatz, bei dem der Verbrennungsmotor komplett ausgeschaltet wird (so wie im Video bei 70). Das funktioniert bei bis zu 160 km/h, aber natürlich nicht bei Tempomat, denn dafür wird der Verbrenner benötigt bei dieser Geschwindigkeit. Befindet man sich aber im Eco Pro-Modus und geht zB bei 180 vom Gas um “auszurollen” oder weil es bergab geht oder oder oder, wird der Verbrenner bei 160 ausgeschaltet und alle Fahrzeugfunktionen von der E-Maschine am Leben erhalten.

      • Hadema

        Vielen Dank! Gibt es “theoretisch” irgendwelche Einschränkungen? :-)
        Mit dem Segeln hätte ich mir denken können. Ich war irritiert, weil z.B. VW Auskuppeln ohne Hybrid als Segeln verkauft. Verstehe ich aber auch richtig, dass Tempomat als solcher Segeln nicht ausschliesst, d.h. z.B. bei Tempomat 150 bergab segelt der AH 3 auch?

        • http://www.BimmerToday.de Benny

          “Theoretische” Einschränkungen sind mir nicht aufgefallen oder bekannt :-)

          Den Begriff Segeln verwendet BMW bei Nicht-Hybriden ähnlich wie VW und einige andere Hersteller. Deswegen ist ja im Zusammenhang mit dem ActiveHybrid 3 auch von rein elektrischem Segeln die Rede, nicht nur von Segeln. Ob der Tempomat in Deinem Fall ein rein elektrisches Segeln verhindert, kann ich nicht sagen, habe ich nicht probiert. Versuche ich aber in Erfahrung zu bringen.

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  • Peter

    135kg spürt man.

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