Silver Ghost: Rolls-Royce-Historie als Kino-Film von Martin Scorsese

Rolls-Royce | 22.05.2012 von 0

Auch wenn sich die Marke Rolls-Royce schon sehr früh in ihrer Geschichte als Hersteller der besten Autos der Welt bezeichnen ließ, waren insbesondere die Anfangsjahre …

Auch wenn sich die Marke Rolls-Royce schon sehr früh in ihrer Geschichte als Hersteller der besten Autos der Welt bezeichnen ließ, waren insbesondere die Anfangsjahre der Nobelmarke von vielen Zufällen und glücklichen Wendungen geprägt. Die wechselvolle Historie soll nun bald in einem Kino-Film thematisiert werden, an dem unter anderem Martin Scorsese als Producer beteiligt sein wird.

Der Film wird den Namen “Silver Ghost” tragen, denn unter diesem Namen wurde später auch das ab 1906 gebaute erste Automobil der Marke weltberühmt. Seit 1911 und somit mehr als einem Jahrhundert steht die Kühlerfigur Spirit of Ecstasy für Rolls-Royce und ist seither zum Inbegriff für höchste Automobilbau-Kunst geworden.

Aber kommen wir zur Geschichte der Spirit of Ecstasy, die natürlich eng mit der frühen Geschichte des Unternehmens zusammenhängt. Die wichtigsten Personen dabei sind Charles Rolls, Henry Royce und Claude Johnson.

Um die Jahrhundertwende betrieb Charles Rolls ein Geschäft zum Import von Automobilen in der Nähe von Earls Court. Mit der Qualität der Fahrzeuge aus dem Ausland war er allerdings nicht zufrieden, weshalb er einen Mann mit den nötigen Kenntnissen suchte und schließlich in Henry Royce fand. Dieser war Ingenieur und führte zu dieser Zeit eine Automanufaktur in Manchester.

Zusammengebracht wurden die beiden Männer im Jahr 1904 durch Claude Johnson, den man deshalb auch gelegentlich als den Bindestrich von Rolls-Royce bezeichnet hat. Dieser war beim Motor Club of Great Britain aktiv und arbeitete seit 1901 mit Charles Rolls zusammen. Er sorgte auch dafür, dass es dem jungen Unternehmen nicht an Erfolg mangelte – besonders in der Anfangszeit war Marketing der Schlüssel zum Erfolg und hier waren Johnsons gute Kontakte zu Verlegern Gold wert.

Schon in einer der ersten Anzeigen für Rolls-Royce bewarb Johnson die Fahrzeuge unter dem Titel “The Best Car in the World”, was von der Fachpresse übernommen wurde und auch heute noch über die Fahrzeuge der Marke gesagt wird. Ein weiterer wichtiger Helfer für die junge Marke war John Scott Montagu, der 1902 die Zeitschrift The Car Illustrated gründete und dafür 1903 den Künstler Charles Sykes anstellte.

Vielleicht die wichtigste Person auf dem Weg zur Entstehung der Spirit of Ecstasy war aber Eleanor Thornton. Diese war zunächst eine Sekretärin von Claude Johnson im Motor Club of Great Britain, unterstützte dann aber auch John Scott Montagu, wodurch sie in derselben Firma wie Charles Sykes arbeitete und diesen kennenlernte.

Zu dieser Zeit kam es auch in Mode, die Fahrzeugfront mit teilweise merkwürdigen Figuren zu verzieren, was die Firma sogar zu einem offiziellen Statement zur Ablehnung dieser Unart trieb. Um Figuren wie übergewichtigen Polizisten Herr zu werden, galt es nun, eine eigene Figur zu entwerfen.
Hier kommt Eleanor Thornton – vermutlich – wieder ins Spiel, denn mit ihrer Schönheit und gelegentlich provokanten Art hatte sie sich schnell zu einer Quelle der Inspiration für Charles Sykes entwickelt.

Sicher ist, dass Charles Sykes die heute weltweit berühmte Spirit of Ecstasy gestaltete, aber ob Eleanor Thornton dabei wirklich das Vorbild war, weiß niemand mit Gewissheit. Öffentlich sprach Sykes nach ihrem Tod nie wieder über Eleanor, die 1915 auf einer Reise nach Indien an Bord der von einem Torpedo versenkten SS Persia ums Leben kam. Gegenüber seiner Tochter Josephine könnte er sich zwar geäußert haben, aber diese sagte auf Nachfrage lediglich: “Eleanor war eine liebenswerte Person. Es ist eine interessante Geschichte (dass sie Modell für die Spirit of Ecstasy stand) und wenn es euch glücklich macht, soll der Mythos bestehen bleiben.”

Eventuell nutzte aber auch nur Claude Johnson die Situation aus, um einen Mythos um die Kühlerfigur zu erzeugen und somit einen weiteren Werbeeffekt zu erhalten. Bis heute ist jede Figur einzigartig, weil noch immer ein Wachsausschmelzverfahren Verwendung findet, bei dem das Modell verloren geht. Somit ist sicher, dass jeder Rolls-Royce schon aufgrund der Spirit of Ecstasy einzigartig ist – sollte es trotz der beinahe unendlichen Individualisierungsmöglichkeiten vorkommen, dass zwei Kunden eine identische Konfiguration wählen.

Eine gewisse Tragik besitzt die Spirit of Ecstasy auch deshalb, weil Gründungsmitglied Charles Rolls die Figur niemals auf einem der Fahrzeuge zu sehen bekam – er war 1910 der erste Engländer, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

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