Streit mit VW: BMW Group sichert sich 15,16 Prozent von SGL Carbon

News | 18.11.2011 von 10

Der Streit zwischen der VW AG und der BMW Group um den Carbon-Spezialisten SGL Group aus Wiesbaden geht in die nächste und vermutlich letzte Runde: …

Der Streit zwischen der VW AG und der BMW Group um den Carbon-Spezialisten SGL Group aus Wiesbaden geht in die nächste und vermutlich letzte Runde: Die BMW Group vermeldet vor wenigen Minuten, dass sie sich 15,16 Prozent der Aktien von SGL gesichert hat. Dazu kommen in gewisser Weise 26,87 Prozent, die laut Stand vom 17. 05. 2011 von der SKion GmbH von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten gehalten werden.

Gemeinsam sollte es möglich sein, den Einfluss von Volkswagen (8,18 Prozent) und der mit VW-Tochter Audi kooperierenden Voith GmbH (9,14 Prozent) zu begrenzen. Bereits seit Mai besitzt die SKion GmbH ein Veto-Recht und könnte unliebsame Entscheidungen blockieren.

Nach dem Einstieg von Volkswagen zu Beginn des Jahres hatte BMW offenbar befürchtet, dass der Wettbewerber aus Wolfsburg über eine Position im Aufsichtsrat zu viele Details über künftige Planungen der BMW Group erfährt. Zwar hatte man in Wolfsburg betont, zunächst kein Interesse an einem Sitz im Aufsichtsrat zu haben, aber die Formulierung mit dem Wörtchen “zunächst” kann man durchaus auf vielfältige Art und Weise interpretieren.

Für BMW ist die Partnerschaft mit der SGL Group von essentieller Bedeutung, denn die Modelle der Submarke BMW i werden zu großen Teilen mit dem leichten Werkstoff Carbon gefertigt. Gemeinsam mit SGL unterhält BMW im amerikanischen Moses Lake ein Joint-Venture zur Produktion von Kohlefasern, die dann an verschiedenen Standorten weiterverarbeitet und schließlich im Werk Leipzig beim Bau von BMW i3 und BMW i8 verwendet werden sollen.

Friedrich Eichiner (Finanzvorstand): “Das Thema Leichtbau spielt in der Automobilindustrie zukünftig eine immer größere Rolle. Die Beteiligung an der SGL Group ist ein konsequenter Schritt, um die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zu untermauern.”

(Bild: 2010 © SGL Group)

  • Oliver Borgmann

    Gute Entscheidung. Wobei ich eine Beteiligung von 42% nicht ganz verstehe – bin aber jetzt auch nicht der Experte. Aber wie die Financial Times Deutschland im Oktober schrieb (
    http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:rangelei-zwischen-bmw-und-vw-kampf-um-sgl-carbon-eskaliert/60116792.html )  “wäre ein Anteil von gut 20 Prozent sinnvoll, da die Münchener und Klatten zusammen dann mehr als 50 Prozent an SGL hielten.” Nicht dass VW jetzt wieder seinen Anteil aufstockt und es zu einem zweiten Rolls Royce kommt…

    • Anonymous

      Lief das nicht bei Rolly Royce so, dass BMW die Marke und VW die Herstellung gekauft hat? Lief doch dementsprechend perfekt. Markennamen abgegriffen, mehr will man doch bei solchen Luxusmarken eh nicht übernehmen.

      • Oliver Borgmann

        WIMRE war sich BMW allzu sicher, den Zuschlag bei Rolls Royce zu bekommen, da sie damals schon Motoren lieferten. Allerdings sind sie bei den Verhandlungen von VW ausgestochen worden. Da BMW sich aber anschließend die Markenrechte an Rolls Royce sicherte (wegen der Verbindungen zu Rolls Royce plc Flugmotoren), hatte VW nur eine namenlose Marke gekauft. Die anschließende Trennung von Rolls Royce und Bentley und schließlich die Übernahme Rolls Royce durch BMW war die Folge.

  • cisi

    sehe ich auch so, wenn das ganze unternehmen von strategischer wichtigkeit ist, so wie es hier angegeben ist, würde ich mir auf jedem fall eine absolute mehrheit holen. Im moment haben sie wohl eine
    relative Mehrheit. Die sollte auch reichen… aber warum so was riskieren…

  • cisi

    sehe ich auch so, wenn das ganze unternehmen von strategischer wichtigkeit ist, so wie es hier angegeben ist, würde ich mir auf jedem fall eine absolute mehrheit holen. Im moment haben sie wohl eine
    relative Mehrheit. Die sollte auch reichen… aber warum so was riskieren…

    • Cecotto

      und was bringt dir eine absolute mehrheit an vorteilen aktuell?

      es ist ja nicht davon auszugehen, dass abzüglich der von bmw/klatten und vw/audi/voith gehaltenen anteile alle free floating sind. mindestens sgl selbst wird ja auch noch ein gehöriges stück aktien halten.

      somit kann man davon ausgehen, dass bmw/klatten mit den rund 42% ohnehin schon eine faktische absolute mehrheit hat, denn es wäre äußerst unwahrscheinlich, dass das abstimmverhalten der sgl eigenen anteile sich gegen die interessen des größten und aktuell bedeutendsten kunden und aktionärsverbundes stellen würde.

      interessant wären 75%+ 1 aktie (damit wäre keine sperrminorität mehr möglich) oder eben 95%+ eine aktie für einen squeeze out. beides nach stand heute unrealistische ziele.

  • Cecotto

    ich kann nur nochmals betonen, dass dies ein vorgang von größter peinlichkeit für bmw ist.

    beim ersteinstieg und auch schon bei den verhandlungen zu dieser intensiven partnerschaft mit viel risiko durch hohe investitionen in eine neue technik, war klar, dass die hohen kosten und damit die abschreibungen und damit die höheren herstellkosten nur sinn ergeben, wenn man diese technik mehr oder minder exklusiv hat und den wettbewerb beschäftigen kann. also agiert.

    jede unternehmensberatung, jede m&a beratung, jeder mensch mit etwas menschenverstand konnte wissen, was vw – v.a. mit derart großen liquiditätsreserven – versuchen werden würde, wenn bmw im zuge seiner aktionärsverpflichtungen ersteinmal die katze aus dem sack gelassen haben würde.

    egal ob vw ein echtes interesse an sgl hat oder nicht, klar ist, dass dieser schritt der einzig logische war: anteile zu kaufen, mindestens um bmw damit zu zwingen ebenfalls – nun zu höheren preisen, da ja andere den braten und die spekulation auch riechen – weitere anteile nachzukaufen. optional um sogar vielleicht ggf. entscheidende informationen zu erhalten. mindestens aber hat bmw weiteres kapital “geparkt”, das anderweitig fehlt und ist auf höchster ebene beschäftigt.

    ein squeeze out vws scheint in weiter ferne zu liegen. dafür bedarf es mindestens einer kapitalerhöhung. die frage wird sein viele aktien sich noch in streubesitz befinden. in jedem fall muss vw daran gehindert werden über 25% zu halten/zu bekommen. 

    sgl wird es freuen. all die leute, die dem unternehmen die treue gehalten haben, machen jetzt das geschäft ihres lebens. denn preislich rational ist der machtkamof zwischen bmw/klatten und vw nicht. da geht es um macht und gesichtsverlust. und den frühen investoren in dieses unternehmen blüht jetzt der exit ihre lebens.

    • Anonymous

      Mit Verlaub, aber das ist völliger Quatsch. Weder die SKion noch BMW hatten jemals die Absicht die SGL zu übernehmen. Warum denn auch? Soll BMW jeden Lieferanten kaufen?! Nach Deiner These hätte BMW ja schon lange ZF übernehmen müssen…

      Die Beteiligung von Frau Klatten hattte nicht nur das Ziel einen bestimmten Einfluß auf SGL zu nehmen sondern einfach Rendite zu machen. Die Frau investiert (auch) um Geld zu verdienen und da das Thema SGL mit dem (eventuellen) Erfolg von BMW wachsen wird erzielt die SKion eine schöne Rendite.

      Der wirklich peinliche ist, dass VW mit dem nachträglichen Einstieg bei SGL keinen wirklichen Plan verfolgt. Einfach nur, weil sich BMW, Mercedes etc. schon ihre Partner für Karbon gesichert hatten, sah VW auf einmal einen Zug anfahren in dem sie noch Wochen zuvor (nach eigener Aussage) gar nicht sitzen wollten, da sie das Thema “Leichtbau” anderes sehen (verschieden Werkstoffe inkl. Alu, Karbon etc. als Komponenten und keine reine Karbonzelle a la BMW).

      Nun wird mit den Einstieg von BMW einfach eine klare Situation geschaffen, die VW deutlich zeigt, dass es keinen Weg gibt SGL zu übernehmen. Und nebenbei: So ein Quatsch mit dem Aufsichtsrat Mandat – dadurch erlangt VW auch keinen Einblick in “geheime” Pläne – die es (und das ist das Lustige) im Übrigen auch gar nicht bei SGL gibt, denn das Geheimnis ist nicht die Produktion der Fasern bei SGL (allerdings musste sich BMW Zugriff auf bestimmte Produktionsmengen sichern) sondern die Endverarbeitung!

      Und die findet im neuen Produktionsteil im Werk Landshut statt und Achtung, jetzt kommts, da haben nicht mal SGL Mitarbeiter zutritt!!!

      PS: BMW hat auch kein Kapital “geparkt”, da freie Liquidität immer “angelegt” wird, so oder so. Und die Beteiligung an SGL wird auch Rendite abwerfen wenn BMW mit den i Modellen Erfolg hat. Nebenbei habe ich auch nicht gelesen WIE BMW die Beteiligung wahrnimmt: Bar, als Option oder Aktientausch etc.

       

  • Anonymous

    Die Gedanken zu diesem Schritt sind obendrein nicht neu. =) 

  • Anonymous

    Mal ein Link zu einem Artikel, der das Thema “Carbon” bei BMW aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet (nicht vom Titel “abschrecken” lassen… 😉 ): http://www.motor-kritik.de/node/114

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