Alle Viere im Test: Fahrbericht zum MINI Cooper D ALL4 Countryman

Fahrberichte, MINI | 7.08.2011 von 1

Als MINI vor einigen Monaten den bei Magna gebauten Countryman präsentierte, sagte man offen, dass sich bei diesem Modell alles um die Zahl 4 drehen …

Als MINI vor einigen Monaten den bei Magna gebauten Countryman präsentierte, sagte man offen, dass sich bei diesem Modell alles um die Zahl 4 drehen würde. Es handelte sich um das vierte Modell der Marke, es handelte sich um den ersten neuen MINI mit vier Türen und genügend Platz für vier Personen, dazu kommen zumindest optional vier angetriebene Räder. Von all diesen Tatsachen kann man sich schnell überzeugen, aber deutlich wichtiger als nackte Zahlen und harte Fakten waren bei MINI schon immer die subjektiven Faktoren, die über hohe Preise hinwegsehen lassen.

Von genau diesen Dingen bietet auch der Countryman einige Kostproben aus der bewährten Oxforder Küche: Das Design ist zumindest in weiblichen Augen über jeden Zweifel erhaben und im Innenraum versprüht er den Charme eines Autos, das es sich leisten kann, anders zu sein als die graue Masse. Nach einigen Minuten Eingewöhnungszeit findet man sich aber auch hier zurecht und kann sich daran erfreuen, dass auch der Fahrspaß im Lastenheft deutlich weiter oben als bei anderen Fahrzeugen dieser Klasse steht.

Trotz dieser Tugenden ist der Countryman keine Diva, verlangt kaum Zugeständnisse und bietet solide Technik, die den Fahrer im Alltag problemlos zu allen denkbaren Zielen bringt. Dabei hilft natürlich auch das Navigationssystem Business, das sich in Sachen Bedienung und Funktionsumfang kaum hinter dem mehrfach ausgezeichneten festplattenbasierten System von BMW verstecken muss.

Beim Motor des MINI Cooper D ALL4 Countryman handelt es sich fühl- und hörbar um einen Diesel, was man mögen kann oder auch nicht. Mit seinen 112 PS bietet der Diesel angemessene Fahrleistungen, die allerdings bei kaum einem Fahrer Begeisterungsstürme auslösen dürften. Das tatsächlich nutzbare Drehzahlband ist zwar für einen Diesel relativ groß, aber der Vortrieb bleibt zu jeder Zeit unspektakulär und spätestens auf der Autobahn geht dem von uns getesteten Cooper D spürbar die Puste aus – die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h laut Katalog spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Speziell solche Kunden, die häufig zügig auf der Autobahn unterwegs sind, sollten auf jeden Fall eine Probefahrt mit dem 143 PS starken Cooper SD machen, der immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 198 km/h erreicht. Keinen Anlass zur Kritik liefert hingegen das manuelle Getriebe, das seinen Dienst unaufällig und gut verrichtet.

Abgesehen vom stellenweise überfordert wirkenden Motor erweist sich das Fahrverhalten als völlig problemlos. Die speziell vom MINI Cooper S bekannten Einschränkungen in Sachen Traktion gehören dank des Allradantriebs ALL4 der Vergangenheit an, abgesehen davon merkt man aber wenig von den zusätzlich angetriebenen Hinterrädern. Auch der Countryman lenkt direkt ein und vermittelt in Ansätzen das bekannte Go Kart-Feeling, mit der Direktheit der kleineren Modelle kann der schwerere Viertürer aber nicht mithalten. MINI-typisch vorbildlich ist die lange gewahrte Neutralität, die erst bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten in ein sanftes Untersteuern übergeht.

Leider trägt der optionale Allradantrieb prinzipbedingt auch zu mehr Reibung im Antriebsstrang bei, was den Verbrauch unnötig in die Höhe treibt. Den von MINI angegebenen Verbrauch von 4,9 Litern auf 100 Kilometer konnten wir um rund zwei Liter überbieten, waren dabei aber auch viel mit verhältnismäßig hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn unterwegs. Allen Interessenten, die auf die unbestreitbaren Traktionsvorteile des Allradantriebs verzichten können, empfehlen wir daher den Griff zum leichteren, schnelleren und weniger durstigen Fronttriebler.

Im Innenraum bietet der Countryman nicht nur mehr Platz als seine Artgenossen, sondern auch die von MINI bekannte Hartplastiklandschaft. Diese fällt im Alltag allerdings nicht störend auf, weil die häufig genutzten Bedienelemente durchaus angenehm ausgeführt sind. Blickt man auf das Preisschild eines gut ausgestatteten Cooper D, das dank einiger Kreuze in der Aufpreisliste einen Kaufpreis von über 33.000 Euro ausweist, würde man sich stellenweise aber doch eine bessere Haptik wünschen.

Fazit

Der MINI Cooper D ALL4 Countryman erledigt den kompletten Pflichtteil für ein Auto seiner Klasse mit Bravour, bietet genügend Platz für vier Personen, ausreichende Fahrleistungen und natürlich das typische MINI-Design. Bei der Kür schwächelt der Countryman aber doch, denn wenn man die anderen Modelle der Marke kennt, die allesamt kleiner, leichter und spürbar agiler sind, will der Funke nicht so recht überspringen. Für alle, denen die bisher angebotenen Modelle der Marke zu wenig Platz im Fond, einen zu kleinen Kofferraum und somit insgesamt zu viele Einschränkungen im Alltag geboten hätten, stellt der Countryman aber auf jeden Fall eine empfehlenswerte Alternative dar.

(Bilder: Duron Automotive Artwork für BimmerToday)

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