1er-Launch: Interview mit Dr. Jürgen Pawlik zu Urban Line & Sport Line

BMW 1er | 19.07.2011 von 17

Wenn im Herbst der BMW 1er F20 zu den Händlern kommt, beinhaltet die Preisliste erstmals sogenannte Lines zur weiteren Individualisierung des eigenen Fahrzeugs. Zum Marktstart …

Wenn im Herbst der BMW 1er F20 zu den Händlern kommt, beinhaltet die Preisliste erstmals sogenannte Lines zur weiteren Individualisierung des eigenen Fahrzeugs. Zum Marktstart bietet BMW die dynamisch gestaltete Sport Line und die von Modernität geprägte Urban Line an und man kann davon ausgehen, dass das Konzept der Lines in Zukunft auch für andere Baureihen interessant wird.

Im Rahmen der Vorstellung der neuen 1er-Reihe in Berlin hatten wir die Gelegenheit, uns mit dem Leiter Produktmanagement der 1er- und 3er-Reihe über die Lines zu unterhalten und Dr. Jürgen Pawlik konnte dabei einige offene Fragestellungen rund um die Lines klarstellen. Wer neben Worten auch Videos und Eindrücke vom Fahrerlebnis haben möchte, sollte unsere Berichte zu BMW 118i Sport Line und BMW 120d Urban Line nicht verpassen.

BimmerToday.de: BMW bietet beim neuen 1er erstmals die beiden Lines Urban und Sport an, die eine zusätzliche Individualisierung erlauben. Wie ist man auf diese Idee gekommen und was erwartet man sich von diesem Konzept?
Dr. Jürgen Pawlik: Die Idee zu Lines trage ich eigentlich schon einige Jahre mit mir herum und jetzt war der Zeitpunkt da, sie beim neuen 1er erstmalig umzusetzen. Wir haben dafür sehr genau angeschaut, welche Zielgruppen wir heute schon erreichen und aus welchen Milieus diese Zielgruppen kommen. Dafür haben wir dann die richtigen Lines ausgewählt: BMW und Sport passt sowieso, das war von Anfang an gesetzt. Für etwas jüngere Leute mit einem modernen Lebensstil haben wir ganz bewusst auch die Urban Line gemacht, die über einige markante Dinge verfügt. Das wird dem einen oder anderen nicht gleich sofort gefallen, aber für diese Zielgruppe, die wir auch heute schon mit dem 1er erreichen, ist das genau das Richtige.

BimmerToday.de: Wo genau liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den Lines?
Dr. Jürgen Pawlik: Wir arbeiten natürlich mit unterschiedlichen Materialien und unterschiedlichen Farben, aber wir wollen auch ein stimmiges Charakterangebot für diese Zielgruppen schaffen, das gut in ihren Lifestyle und zu ihrer Lebenswelt passt. Darum arbeiten wir beispielsweise bei der Urban Line sehr stark mit Weiß, wo man selbst weiße Felgen nehmen kann. Im Interieur haben wir den wunderschönen Tiefeneffekt des Acrylglas-Materials, das in Weiß und Schwarz erhätlich ist, aber wir bieten auch ganz klassisch gebürstetes Aluminium an. Dazu kommen dann andere Features wie Stoff-Leder-Kombinationen für die Sitze mit speziellen Stitchings und dergleichen, die die Lines mit viel Liebe zum Detail abrunden. Außerdem bieten ein paar funktionale Dinge an, beispielsweise kann aus einer Stahlfelge in der Line eine etwas größere Alu-Felge werden, weshalb es sich in Summe nicht nur um ein tolles Charakterangebot handelt, sondern auch einen echten Gegenwert bietet. Das geht bis hin zur farbigen Spange im Schlüssel, die beispielsweise in einer Bar zum Anknüpfungspunkt für Gespräche werden kann.

BimmerToday.de: Sie haben die Exterieur-Akzente schon angesprochen, wobei den Kunden auch innerhalb der Lines noch viele Wahlmöglichkeiten bleiben. Man kann beispielsweise bei den Außenspiegelkappen zwischen Wagenfarbe und – je nach Line – Weiß oder Schwarz wählen, auch bei den Felgen gibt es Wahlmöglichkeiten. Zu den farbigen Elementen an Front- und Heckschürze gibt es keine Alternative, warum nicht?
Dr. Jürgen Pawlik: Wir wollten einen deutlichen Charakter erschaffen und wir sind der Meinung, dass die Farben Schwarz für eine Sport Line und Weiß für das urbane Umfeld sehr geeignet sind und wenn wir nicht einige Dinge festhalten würden, ginge der Gesamteindruck einer solchen Line auch schnell verloren. Wir haben aber nicht nur mit den Farben Schwarz und Weiß gearbeitet, sondern beispielsweise auch sehr unterschiedliche Nieren: Bei der Sport Line wurde die Anzahl der Nierenstäbe um jeweils zwei Stück reduziert, dafür wurden die Stäbe etwas breiter gestaltet. Die Urban Line hat ebenfalls eine ganz markante Niere, die aus manchen Perspektiven fast wie eine geschlossene weiße Fläche wirkt und direkt von vorn sehr offen ist, was sehr interessant wirkt, wenn man an der Front des Fahrzeugs vorbeiläuft.

BimmerToday.de: Als wir die Lines bei uns vorgestellt haben, wurde mit Verwunderung festgestellt, dass die Sport Line nicht mit dem Sportfahrwerk verbunden ist. Sicherlich ist das kein Zufall, aber woran liegt es genau?
Dr. Jürgen Pawlik: Wir haben darüber nachgedacht, ob wir so viel Funktionalität hineinbringen sollten. Wir haben ja bewusst den Sportsitz serienmäßig in die Line übernommen, aber wir wissen auch, dass eine ganze Reihe von Kunden die etwas härtere, straffere Abstimmung des Fahrwerks nicht mag, weshalb wir die Wahl des Fahrwerks den Kunden gerne weiterhin optional überlassen möchten.

BimmerToday.de: Aber das Sportfahrwerk kostet einen zusätzlichen Aufpreis, obwohl der Kunde schon 1.900 Euro für die Sport Line zahlt.
Dr. Jürgen Pawlik: Es kostet einen zusätzlichen Aufpreis, aber auf der anderen Seite denke ich, dass der Kunde für 1.900 Euro sehr viel eigenständiges Design und einige funktionale Umfänge erhält, weshalb die Line ein insgesamt sehr attraktives Angebot darstellt.

BimmerToday.de: Neben der Sport Line bietet BMW ab März auch das M Sportpaket für den neuen 1er an. Wie unterscheiden sich diese beiden Angebote?
Dr. Jürgen Pawlik: Das M Sportpaket bieten wir schon seit einigen Fahrzeuggenerationen quer durch unsere gesamte Produktpalette an und es ist sehr beliebt bei unseren Kunden. Das M Sportpaket hat natürlich eine gewisse Preisposition, die sich oberhalb der Sport Line befindet. Wir bieten daher zu einem anderen Preispunkt ein zweites, in sich ebenfalls sehr stimmiges Angebot zum Thema Sport, das dann auch geänderte Schürzen, das M Sportfahrwerk und andere Details im Innenraum beinhaltet.

BimmerToday.de: Die Urban Line wurde hier an Fahrzeugen in der Farbe Valencia Orange Metallic präsentiert, was nach Meinung mancher Betrachter nicht perfekt zu den weißen Akzenten der Line passt. Wieso hat man Valencia Orange nicht mit den schwarzen Akzenten der Sport Line präsentiert?
Dr. Jürgen Pawlik: Man muss bei einer solchen Veranstaltung immer überlegen, welche Farben je nach Wetter und Licht den stimmigsten Eindruck hinterlassen. Uns schien Orange hier als sehr geeignete Farbe, durchaus auch als moderne Farbe in Kombination mit der Urban Line. Ich persönlich empfinde es durchaus als stimmig, aber man hätte natürlich auch Midnight Blue nehmen können, das ich für eine fantastische Farbe halte: Ein tiefes Blau mit einem leichten grünlichen Einschlag, das fantastisch zur Urban Line passt.
Wichtig ist uns aber die Botschaft, dass eigentlich jede Außenfarbe mit jeder Line funktioniert. Je nach Sichtweise des Kunden gibt es natürlich verschiedene Farben, die besonders gut zur einen oder anderen Line passen, aber grundsätzlich funktionieren alle Kombinationen.

BimmerToday.de: Das Konzept der Lines ist sicherlich nicht nur für die 1er-Reihe interessant. Ist es auch in kommenden Baureihen wie dem BMW 3er F30 denkbar, dass verschiedene Lines angeboten werden?
Dr. Jürgen Pawlik: Wir probieren das Line-Konzept jetzt aus und machen bewusst zwei Lines, die Akzente in Richtung Sport und Lifestyle setzen. Damit ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass wir das Konzept zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen, beispielsweise bei einem 3er, aber dazu können wir jetzt und heute noch nichts sagen. Wenn wir es bei einem 3er machen würden, würden wir natürlich wieder danach schauen, was zu unseren Kunden in dieser Baureihe passt.

BimmerToday.de: Neben den Lines und dem M Sportpaket gibt es auch die Möglichkeit, den 1er ohne Line zu bestellen. Wie hoch erwarten Sie den ungefähren Anteil der Lines?
Dr. Jürgen Pawlik: Wir haben beispielsweise beim M Sportpaket eine Take-Rate von etwa 20 Prozent und das gibt schon eine Größenordnung vor, wie bestimmte Dinge vielleicht laufen können. Ob das bei den Lines dann genauso sein wird, lassen wir auf uns zukommen. Wir haben natürlich bestimmte interne Planungen, aber darauf kann ich nicht näher eingehen.
Das Thema Basisfahrzeug ist aber auch unabhängig von den Take-Rates der Lines ein ganz wichtiges Thema, denn auch wenn uns die Lines sehr wichtig sind, werden einige Kunden aus den verschiedensten Gründen auch auf das Basisfahrzeug zurückgreifen. Hier haben wir daher nicht zu stark gespart und bieten auch für das Basisfahrzeug alle Farben sowie beispielsweise ein helles Interieur mit Holzpaket an. Auch das Basisfahrzeug wird bei uns also nicht vernachlässigt.
Die beiden Lines bilden eben zwei ganz besondere Charaktere, von denen wir erwarten, dass unsere Kunden sie in großer Zahl lieben werden und auch innerhalb der Lines gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten zur Individualisierung.

BimmerToday.de: Sind die Lines auch ein wenig als Ausstattungspakete zu verstehen, die bestimmte Schnittmengen an Sonderausstattungen etwas vergünstigt anbieten?
Dr. Jürgen Pawlik: Das war nicht das Ziel der Lines, sondern es ging in erster Linie um das schaffen von Design-Charakteren. Nun haben wir aber auch eine gewisse Ausstattung hineingebracht und wenn man das mit dem Preis von 1.900 Euro vergleicht, betrachte ich das in Summe als rundes Angebot. Im Vordergrund steht aber ganz klar der Design-Aspekt der Lines.

BimmerToday.de: Herr Dr. Pawlik, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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  • Anonymous

    Benny, hättest doch mal fragen können wer diese rieden Scheinwerfer mit dem übergang der Niere verbockt hat`????! Auf Bildern einfach zu Aalglatt….unabhängig von der Realität..

    In Rot kannst den einfach nicht anbieten…

    • http://www.BimmerToday.de Benny

      Es folgt noch ein Interview zum 1er allgemein, da ist auch das Design kurz Thema. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass man sich schnell an das neue Design gewöhnt und dass besagte “Problemzone” in natura weit weniger ins Auge fällt als auf Fotos.

  • Cecotto

    zusätzliche individualisierung… für mich ein aufgesetztes, bzw. vorgeschobenes argument.

    fakt ist, dass die komplexität in der fertigung durch die unzähligen ausstattungsoptionen trotz modernster und flexibelster fertigung zwangsläufig zu hohen kosten führt. da dies in der kompaktklasse nur bedingt an die kunden weitergegeben werden kann, drückt es die marge und gefährdet damit direkt das gesetzte ziel der AG 10% EBIT marge einzufahren.

    in sofern hat man den fertigungsgrundsatz “varianz so spät wie möglich” interpretiert und 2 zusätzliche ausstattungslinien angeboten (lustigerweise ohne echten preisvorteil, also nur als “design aspekt”).

    fakt ist, dass man so auf jedenfall eine größere schnittmenge durch diese “subsegmentierung” bei den gewählten ausstattungsoptionen erreicht und dann so spät wie möglich in der fertigung eben weiße oder schwarze spiegelkappen, weiße oder schwarze felgen und all die ein- und anbauten (also die stilprägenden elemente der linien) zum schluss anclipst oder anbaut und dann dezent und fertigungstechnisch einfach veränderte autos als “individualisierung” und “anderen charakter” verkauft, bzw. vor allem vermarktet.

    bitte nicht falsch verstehen, ich meine dies nicht als vorwurf, nur ist die idee der ausstattungslinien (bzw. -pakete) keine neue, sondern im bereich der komplexitätsreduzierung eine alte, wenn auch in diesem fall dezent neu interpretierte. für mich ist klar, dass hier vordergründig die renditemaximierung, bzw. -sicherung im vordergrund stand. der kompromiss dies zu verkaufen sind zwei leicht adaptierte designs, die durch die erreichten stückzahlbündelungen und einige andere effekte diverse vorteile für bmw bringen.

    persönlich hoffe und warte ich auf die dritte individualisierungslinie: eine, die eine neue frontscheinwerferform und heckleuchtenform bekommen wird und die blechflächen rund um die niere besser interpretiert. diese wird aller voraussicht den namen “LCI-linie” tragen und noch ca. 3,5 bis 4 jahre auf sich warten lassen.

    • Mitsu

      Deine Shifttaste hängt! 

      • Cecotto

        nicht dass ich wüsste.

    • Polaron

      zitat von Cecotto:
      “persönlich hoffe und warte ich auf die dritte individualisierungslinie: eine, die eine neue frontscheinwerferform und heckleuchtenform bekommen wird und die blechflächen rund um die niere besser interpretiert. diese wird aller voraussicht den namen “LCI-linie” tragen und noch ca. 3,5 bis 4 jahre auf sich warten lassen.”
      köstlich! :) wer vermisst da schon eine shift-taste? 

      vielleicht hätte man mehr zeit in ein stimmiges grunddesign legen sollen, anstatt zeit für ausstattungs-“lines” zu “verschwenden”. mag sein, dass das m-exterieur-paket das unterdurchschnittliche außendesign etwas kaschiert und aufwertet, aber ein schönes auto wird der f20 dadurch trotzdem noch lange nicht.

      der f20 reiht sich meiner ansicht nach ohne zweifel in die liste der optisch misslungenen BMW-modelle ein. mir fällt es auch nach wochen schwer, das außendesign “schönzureden”. ja und ich habe den f20 auch schon mehrmals in natura gesehen ( ;) ). naja, jedem das seine…

  • Stephan

    ..  eine bunte Spange im Schlüssel  als Anknüfungspunkt für Gespräche in der Bar …

    Ich habe selten so ein dämliches Interview   (gilt natürlich nicht für benny) mit einem BMW-Mitarbeiter gelesen

  • Stephan

    ..  eine bunte Spange im Schlüssel  als Anknüfungspunkt für Gespräche in der Bar …

    Ich habe selten so ein dämliches Interview   (gilt natürlich nicht für benny) mit einem BMW-Mitarbeiter gelesen

  • Anonymous

    Sorry, wenn ich oberflächlich bin – aber ein Produktmanager, der über Design, Lines und Lifestyle spricht, kommt gekleidet, wie ein Hartz4 Empfänger vom Amt. Peinlich, peinlich, wenn ein so wichtiger BMW-Mitarbeiter die Marke repräsentiert wie einen Dacia – Anti-Statussymbol – dabei hat die Kiste diese Sicht ganz schön nötig, um ausreichend Absatz zu finden – für die Optik gewinnt der Hobel nämlich keinen (Verkaufs-)Preis.

  • joke

    Warum sind beim 1er mit M-Sportpaket beim Tacho und Drehzahlmesser eigentlich die roten Applikationen der Sport-Line? Die passen doch eigentlich gar nicht zum restlichen Interieur mit den blauen Akzenten (Lenkradnähte, Zierleisten, …).

  • juergen3

    Den neuen 3er wird BMW in drei Lines anbieten. Darunter werden die Luxury, Sport und Modern Lines sein, zusätzlich natürlich das M-Sportpaket.

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  • Kauderwelsch!

    Eine deutsche Bezeichnung für die Ausstattungspakete ist wohl zu viel verlangt.

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