DTM-Comeback: Andy Priaulx und Augusto Farfus im Interview

Motorsport | 18.07.2011 von 0

Anlässlich der Vorstellung des BMW M3 DTM Concept Cars am vergangenen Freitag hat BMW Motorsport auch zwei kurze Interviews mit den bereits vorgestellten Fahrern Andy …

Anlässlich der Vorstellung des BMW M3 DTM Concept Cars am vergangenen Freitag hat BMW Motorsport auch zwei kurze Interviews mit den bereits vorgestellten Fahrern Andy Priaulx und Augusto Farfus veröffentlicht. Beide Fahrer sind für Fans von BMW Motorsport alte Bekannte und beide haben auf Fahrzeugen aus München schon zahlreiche Rennen in diversen Rennserien absolviert und gewonnen.

Gemeinsam waren beide Piloten in der WTCC-Saison 2010 im Team von Bart Mampaey am Start, das auch beim DTM-Comeback zwei der ingesamt sechs BMW M3 DTM an den Start bringen wird. Ob das Team RBM dann wieder mit dem Duo Priaulx & Farfus an den Start geht oder ob einer der beiden Piloten im Team Schnitzer oder bei Reinhold Motorsport unterkommt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Augusto, Sie sind erst 27 Jahre alt und für BMW schon in vielen verschiedenen Rennserien angetreten. In der DTM betreten Sie ab 2012 wieder Neuland…
Augusto Farfus: “Ja, und darauf freue ich mich sehr. Dank BMW hatte ich die Chance, immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen und zu meistern. Erst sind wir gemeinsam erfolgreich in der Tourenwagen-WM gefahren. Dann habe ich die Langstrecke kennen und lieben gelernt. Das Highlight in dieser Hinsicht ist ganz sicher der Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2010. Nun geht es in die DTM. Und ich sehe keinen Grund, warum wir nicht auch in dieser Serie erfolgreich sein sollten.”

Fällt es Ihnen leicht, sich auf ein neues Fahrzeug einzustellen?
Farfus: “Ich glaube, dass die wenigsten Rennfahrer damit ein Problem haben. Anfang des Jahres bin ich mit einem BMW Z4 GT3 bei den 24 Stunden von Dubai gefahren – und wir haben gewonnen. Einige Wochen später haben wir dann beim 12- Stunden-Rennen von Sebring mit dem BMW M3 GT Rang zwei in der GT-Klasse errungen. Es dauert nicht lange, bis man sich umgewöhnt hat. Beim BMW M3 DTM dürfte es etwas länger dauern, da die Aerodynamik in Kombination mit der hohen Leistung für ein besonderes Fahrverhalten sorgen wird. Aber dafür haben wir ja die Testfahrten, um bis zum Saisonstart perfekt vorbereitet zu sein.”

Sie werden in der DTM viel auf deutschen Rennstrecken unterwegs sein. Mögen Sie Deutschland?
Farfus: “Ja, sehr. Wer glaubt, dass man sich als Brasilianer in diesem Land schwer tut, weil vielleicht das Wetter nicht so schön oder die Sprache eine andere ist, der irrt sich. Ich mag die Menschen und komme hier sehr gut zurecht. Mein Deutsch wird auch immer besser. Abgesehen davon sind die Strecken, auf denen die DTM antritt, erstklassig. In meiner Heimat Brasilien kennt jeder den Hockenheimring oder den Nürburgring. Natürlich finde ich es auch positiv, dass sich die DTM noch internationaler aufstellen will. Die Rennen im Ausland werden sicher großartig. In jedem Fall fühle ich mich, wann immer ich in Deutschland bin, pudelwohl.”

Wie schätzen Sie das Fahrerfeld in der DTM ein?
Farfus: “Die Mischung in der DTM passt. Junge Fahrer haben genauso eine Chance wie erfahrene Piloten, die schon mal den Titel gewonnen haben. Jedes Jahr werden die Karten neu gemischt, es zählt allein die Performance. Dass ehemalige Formel-1-Piloten wie Ralf Schumacher oder David Coulthard dabei sind, ist natürlich für die Zuschauer eine tolle Sache. Ich bin gespannt, wie das Kräfteverhältnis 2012 aussehen wird und bin sicher, dass wir einen starken BMW Fahrerkader sehen werden.”

Was erwarten Sie vom neuen BMW M3 DTM?
Farfus: “Es ist wie immer im Motorsport: Wie gut ein Auto wirklich ist, können nur die ersten Rennen zeigen. Dass BMW Motorsport das Zeug dazu hat, ein konkurrenzfähiges Auto zu bauen, steht außer Frage. Aber es wird auch Rückschläge geben. Deshalb ist es für uns 2012 zunächst einmal wichtig, so große Fortschritte wie möglich zu machen und uns gut an den Rhythmus der DTM zu gewöhnen. Es sollte mich nicht wundern, wenn dann auch schon einige gute Ergebnisse dabei herauskommen.”

Andy, mit welchen Erwartungen gehen Sie in Ihren neuen Karriereabschnitt als DTM-Fahrer in Diensten von BMW?
Andy Priaulx: “Ich gehe unvoreingenommen und ohne zu hohe Erwartungen an diese neue Aufgabe heran. Die DTM ist für mich eine völlig neue Serie. Bisher habe ich mir die Rennen nur im Fernsehen angesehen, weiß also nicht genau, wie die Atmosphäre bei den einzelnen Veranstaltungen sein wird. Nach allem, was ich gehört habe, sind es fantastische Events. Eines weiß ich aber genau: Wir treffen auf harte Konkurrenz. Deshalb wird der Start in die Saison mit Sicherheit hochinteressant.”

Fühlt es sich seltsam an, wenn man als erfahrener und erfolgreicher Rennfahrer plötzlich wieder der Neuling ist?
Priaulx: “Das macht den Rennsport doch so spannend. Ich habe nichts dagegen, der Neuling zu sein. In den vergangenen Jahren habe ich genügend Erfahrung im Tourenwagensport und mit BMW gesammelt, um optimistisch sein zu können. Ich denke, ich muss mich vor keiner neuen Herausforderung verstecken. Im Verlauf des Testprogramms werde ich viele Kilometer mit dem Auto fahren, ehe das erste Rennen auf dem Programm steht.”

Wie genau bereiten Sie sich vor?
Priaulx: “Ich setze mein normales Fitness-Programm fort. Es ist wichtig, sowohl mental als auch körperlich stark zu sein. In Deutschland kenne ich bisher nur die Strecken in Hockenheim, Oschersleben und natürlich den Nürburgring. Der Rest wird für mich Neuland sein. Deshalb werde ich so viel Zeit wie möglich im Simulator verbringen, um die neuen Strecken zu lernen. Im DTM-Auto werden wir deutlich höheren g-Kräften ausgesetzt sein. Aus diesem Grund muss man auch viel für die Grundfitness tun, vor allem im Bereich der Nackenmuskulatur. Natürlich finde ich es klasse, dass die Serie auch in Großbritannien Station macht. In Brands Hatch werde ich mich wohlfühlen. Es ist eine meiner Lieblingsstrecken, und ich habe dort auch schon gewonnen.”

Wo wird BMW im Vergleich zur Konkurrenz stehen?
Priaulx: “Das ist eine schwierige Frage, da wir ja bisher noch nicht viel mit dem Auto gefahren sind. Ich weiß aber, wie hart die BMW Ingenieure daran gearbeitet haben, den BMW M3 DTM zu entwickeln. BMW geht in kein neues Projekt, ohne sehr gut vorbereitet zu sein. Da macht der Einstieg in die DTM ganz sicher keine Ausnahme. Ich bin den BMW M3 schon in viele verschiedenen Rennversionen gefahren – und liebe dieses Auto.”

Worin wird sich das DTM-Auto von jenen BMW Rennwagen unterscheiden, mit denen Sie Tourenwagen-Weltmeister geworden sind?
Priaulx: “Das wird ein großer Unterschied sein. Nicht nur die Leistung des BMW M3 DTM ist deutlich höher. Aufgrund der besseren Aerodynamik wird sich das Auto eher wie ein Formel-3-Auto als wie ein Tourenwagen fahren lassen. Die Kurvengeschwindigkeiten werden eine gewisse Zeit der Eingewöhnung brauchen. Aber auch im diesjährigen BMW M3 GT sind wir in den Kurven schon ziemlich schnell unterwegs. Ich bin sicher, dass ich mich schnell zurechtfinden werde und ans Limit gehen kann.”

Sie haben in der Vergangenheit häufig Ihr Motorhome mit an die Strecke gebracht. Wird das auch in der DTM so sein?
Priaulx: “Ich mag es, an den Rennwochenenden nah beim Team und beim Auto zu sein. Manchmal diskutieren wir noch bis Mitternacht über das Set-up. Außerdem ist es schön, dass man sich zum Entspannen zurückziehen kann, sollte sich einmal eine Pause ergeben. Das Motorhome macht beides möglich. Und nicht zuletzt kann ich auf diese Weise meine Familie nahe bei mir haben. Zwischen den Sessions ist es toll, wenn man in eine vertraute Umgebung kommt, eine Tasse Tee trinkt und mit Jo und den Kindern abschalten kann.”

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