Transport & Environment: Deutsche Autobauer vernachlässigen Klima

Sonstiges | 4.11.2010 von 14

Der europäische Umweltschutzverband Transport & Environment (T&E) hat in seiner aktuellen Studie unter dem Titel “How clean are Europe’s cars?” die CO2-Emissionen und Verbrauchswerte der …

Der europäische Umweltschutzverband Transport & Environment (T&E) hat in seiner aktuellen Studie unter dem Titel “How clean are Europe’s cars?” die CO2-Emissionen und Verbrauchswerte der im Jahr 2009 in Europa verkauften Fahrzeuge untersucht. Als besonders umweltfreundlich werden dabei die Marken Fiat und Toyota hervorgehoben, die das Ziel von 140 Gramm CO2 pro Kilometer mit ihren Fahrzeugflotten deutlich unterschreiten konnten. Die deutschen Hersteller konnte diese Vorgabe durch die Bank nicht erreichen und werden dafür von T&E kritisiert.

In einem weiteren Schritt wird die BMW Group dafür abgestraft, dass sie im Rahmen von EfficientDynamics einige Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs bereits deutlich vor den Wettbewerbern eingeführt hat. Dadurch konnte BMW nämlich die Senkung der Emissionen im Jahr 2009 nicht im selben Maße vornehmen wie andere Hersteller und steht mit einer Reduzierung um lediglich 1,8 Prozent am Ende des Feldes. Während Toyota hier lange geschlafen hat, werden die Japaner nun für eine Reduzierung um satte zehn Prozent gelobt.

BMW-Endrohre

Die größte Schwachstelle des Berichts ist sicherlich die Tatsache, dass T&E keinerlei Rücksicht auf das Produkt-Portfolio der unterschiedlichen Autobauer nimmt. Während die italienischen, französischen und mit Einschränkungen auch die japanischen Hersteller überwiegend Fahrzeuge der Kleinwagen- und Kompaktklasse mit geringen Motorleistungen verkaufen, stellt sich dieses Portfolio bei den deutschen Herstellern ganz anders dar.

Im ersten Halbjahr 2010 kam BMW in Deutschland auf eine durchschnittliche Motorleistung von 186 PS, während Fiat “nur” einen Durchschnitt von 86 PS erreicht. Bei deutlich weniger als der halben Leistung bei noch dazu kleineren Autos ist es eigentlich selbstverständlich, dass der Verbrauch hier deutlich niedriger liegt. Verallgemeinert man die Zahlen aus dem deutschen Markt und legt sie als Maßstab für Europa an, ergibt sich folgendes Bild: Während BMW 216% der durchschnittlichen Motorleistung von Fiat bietet, stößt man lediglich 115 Prozent des CO2 der Italiener aus. Wer nun mehr Entwicklung geleistet hat und die bessere Technik bietet, kann jeder für sich entscheiden.

Während BMW also trotzdem negativ dargestellt wird, wollen wir wenigstens noch erwähnen, dass Mercedes noch schärfer kritisiert wird. Dort liegt man mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 167 Gramm pro Kilometer auf dem letzten Platz. Audi wird nicht einzeln aufgeführt und vermutlich zu Volkswagen hinzugezählt, VW liegt trotz des hohen Kleinwagenanteils mit 153 Gramm knapp hinter BMW mit 151 Gramm.

Jürgen Resch (Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH)): “Mit millionenschweren Werbekampagnen versuchen die deutschen Autobauer BMW, VW und Daimler das Image nachhaltig operierender Unternehmen zu erzeugen, die effiziente Autos mit niedrigen Emissionen bauen. Die heute vorgestellte Zulassungsstudie zeigt ein schockierend anderes Bild: Während unsere französischen und italienischen Nachbarn sowie Toyota mit Riesenschritten ihre Klimagasemissionen auf bzw. unter den verbindlichen EU-Zielwert von 140 Gramm CO2/km gesenkt haben, nehmen sich Daimler, BMW und VW das Recht heraus, weiterhin gegen die EU-Klimaschutzgesetze zu verstoßen. Selbst die amerikanischen Ableger Ford und GM liegen mit 144 bzw. 148 Gramm CO2/km im Mittelfeld.”

(Quelle: T&E Pressemitteilung via presseportal.de)

  • Duron

    Wie im Artikel bin ich auch der Meinung, dass es eigentlich kein Wunder ist bei FIat und Toyota. Die Premiumhersteller von Deutschland haben eben größere Autos die dementsprechend Leistung haben sollten – oder kann sich einer einen 720i vorstellen?

    Schön zu sehen, dass “EfficientDynamics” nicht nur eine Marketing-Strategie ist im Vergleich zur Konkurrenz!

    Würde gerne wissen was mit Porsche ist?

    • Benny

      Porsche ist nicht aufgeführt, genauso wie Ferrari & Co.

    • M-Fetischist

      Klar wenn 720i für 7,2l Hubraum stehen würde =).

  • Torsten

    Danke für den Kommentar, Benny!
    Ich frage mich ernsthaft, welchen Schwachsinn manche Behörden von sich geben. Unglaublich!

  • Steve8178

    Alle kritisieren BMW oder Mercedes für zuviel Leistung und am Ende fährt der Herr Jürgen Resch warschinlich selbst ein großes Auto mit genügend Fahrspaß (PS). Gute NAcht^^

  • Lennardt

    Da kann man echt nur drüber lachen. Mit meinem ersten Motorrad war ich mit 28 PS mit drei Litern unterwegs und dass ein Auto mit über 200 Ps mehr verbraucht dürfte keine Neuheit sein. Der Verbrauch / Ps sollte bewertet werden und da können die deutschen Hersteller sich doch ganz gut behaupten, allen voran BMW.

    • Clemens

      Verbrauch/PS wäre allerdings eine Berechnung, die auch große Spritschlucker bevorzugt. Ich bin dafür, Autos der gleichen (Größen-)Klasse und mit gleicher Motorleistung zu vergleichen. Erst unter gleichen Bedingungen zeigt sich, wer größere Effizienz erreicht. Dabei muß BMW gar nicht erst mit dem 320d EDE kommen, um gut dazustehen.

      • Lennardt

        An sich gebe ich dir Recht, aber dann würde ich das von der Größenklasse UND von den Fahrleistungen abhängig machen.
        Ich finds etwas lächerlich dass BMW hier so negativ bewertet wird weil die Einsparungen nicht so groß sind. Wenn vorher schon hart Sprit gespart wurde ist da auch wenig weiteres Potential. Praktisch die Bestrafung dafür bei den Premiumherstellern zwei Jahre vor den anderen Spritsparmaßnahmen effektiv zu nutzen.

  • mitsu

    Wenn man ein wenig objektiv ist, dann kann man feststellen, dass Hersteller wie BMW und Mercedes tatsächlich Umweltbewusstsein fast ausschließlich zu Marketingzwecken nutzen. Ein echtes Umweltbewusstsein steckt jedenfalls nicht dahinter. Wenn sie konsequent wären, dann würden sie Fahrzeuge mit mehr als 150 PS nicht mehr anbieten. Dazu würden sie das Gewicht wieder auf unter 1200kg drücken. Machen sie aber nicht. U. a. weil ihre Kunden auch nur über ein Pseudo-Umweltbewusstsein verfügen und eben diese übergewichtigen, PS-starken Autos kaufen.
    So wie ich. Aber weil ich einen leistungsstarken BMW fahre, muss ich eben auch mit dieser Kritik leben. Und die Kritik trifft es auf den Punkt. Dazu kann man, wenn man ehrlich ist, keine zwei Meinungen haben.

    • John

      Da kann man schon ganz gut zwei Meinungen zu haben. Denn wenn man ein “echtes” Umweltbewusstsein hätte, dann müsste man die gesamte Autoindustrie schließen und in Zukunft mit dem Fahrrad oder ÖPV fahren. Dann dürften wir auch kein Flugzeug mehr benutzen und dürften maximal mit dem Zug fahren (deren Bahnhöfe ja aber auch keiner will 😉 ) Dann könnten wir auch Die Autobahnen, Landstrassen und Flughäfen zurück bauen und würden vielen Vogel- und Käferarten teuren Lebensraum zurückgeben. Auch eine Stilllegung unserer -weltgrößten- Containerschiffflotte wäre dann notwendig und wir müssten alle unsere Produkte wieder im Land produzieren.
      So ließen sich aber keine 80 Mio Menschen in Deutschland ernähren.
      Umweltschutz muss deshalb immer das Ergebnis einer Kosten-Nutzenrechnung sein, denn sonst berauben wir uns unseres Wohlstandes. Die Anreize den Umweltschutz zu stärken geben Regierungen und am besten der Verbraucher durch sein Kaufverhalten. Hersteller vorzuschreiben, wie viel PS ihre Autos haben dürfen ist völliger Schwachsinn und verletzt die Regeln des Marktes. Sinnvoll ist es, der Nutzung von Umweltressourcen einen Preis zu geben und z.B. Autos mit hohem CO2 Ausstoß stärker zu belasten. Dann kann sich jeder überlegen, ob es ihm das wert ist. Dadurch wird die Industrie auch angeregt Alternativen zu entwickeln.
      Darüber hinaus gehört Nachhaltigkeit natürlich auch zum guten Ton und das BMW dort große Anstrengungen unternimmt sieht man alleine an der Tatsache, dass das Unternehmen seit sechs Jahren den Dow Jones Sustainability Index anführt. Übrigens das einzige deutsche Unternehmen dort in einer Spitzenposition.

      • mitsu

        Es geht doch nicht darum, etwas komplett abzuschaffen. Das wäre ja Quatsch. Aber dennoch sind die “Umweltschutzmaßnahmen” der Autoindustrie, insbesondere die Maßnahmen der Premiumanbieter, doch halbherzig und verlogen. Konsequent wäre es, leichte Autos mit kleinen Motoren zu entwickeln. Und die wären dann teuerer und weniger komfortabel. Das will aber kaum ein Kunde. Deshalb suchen die Hersteller einen (faulen) Kompromiss zwischen Marketingstrategie und Wettbewerbsvorteilen. Aus Gutmenschsein heraus hat noch kein Hersteller Neuerungen gebracht. Und so ist es eben auch mit Umweltschutz.

        Wir sind uns doch wohl einig, dass man umweltfreundliche Fahrzeuge schon vor 10 -15 Jahren entwickeln konnte. Sie wollte aber keiner wirklich. Also gab es sie nicht. Und heute gibt es halbherzige Angebote gerade von Herstellern wie BMW (und Co.!). Schau dir den X6 Hybrid an. Das Fahrzeug ist geil, aber auch ein umweltpolitischer Witz! Nahezu 500 PS und über zwei Tonnen Gewicht. Was soll so ein Fahrzeug? Keiner weiß das so genau. Aus marketingstrategischer Sicht ein prima Gefährt.

        Die Frage bleibt, ob mein Auto über zwei Tonnen wiegen muss und ob es über 400 PS haben muss. Ich sage “JAAAAA”, aber ich darf dann nicht glauben, dass ich das aktuell möglichste für eine gute Umweltbilanz mache.

        • Lennardt

          Die umweltfreundlichen Fahrzeuge konnte man nicht erst vor 15 Jahren sondern schon vor weit längerer Zeit bauen, nur nützt es nichts ein umweltfreundliches Auto zu bauen wenn kein Mensch Lust drauf hat und es kauft. Seit der Klimawandel ein domnierendes Thema ist und -warum auch immer- gerade an Autos CO2-Emissionen hart gespart werden sollen ist überhaupt erst die Bereitschaft groß, Spritsparer zu kaufen.
          Leichte Autos sind auch was tolles, aber nicht auf Kosten der Sicherheit und die ist die letzten 15 Jahre wirklich auf ein sehr vertrauenerweckendes Niveau gestiegen. Zwei Bekannte würden ohne die 300kg-Mehrgewicht nicht mehr leben.. bleibt natürlich die Frage wie idiotensicher die Welt noch werden muss..

        • John

          Lennardt bringt es auf den Punkt. Die Frage wird dadurch beantwortet, was die Kunden wollen. Ein Unternehmen ist übrigens nie irgendwie besonders böse oder gut, sondern darauf bedacht sein Kapital zu vermehren. Die Antwort liegt deshalb darin, den Markt so zu gestalten, dass er umweltfreundliche Produkte nachfragt. Klar wäre ein X6 mit 50PS umweltfreundlicher, aber wer will den haben? Und im Vergleich zu seiner Leistung wird dann eben doch schon viel für eine gute Umweltbilanz getan.
          Das Umweltpolitik zu Marketingzwecken genutzt wird ist auch nicht verlogen, sondern durchaus erwünscht, denn es zeigt, dass Kunden dies von dem Unternehmen fordern und Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile schaffen kann.

    • manuelf

      Zum Thema “Firmen und Umweltbewusstsein”:
      Ich denke nicht, dass es überhaupt einen Wirtschaftsbetrieb geben kann, der echtes Umweltbewusstsein “lebt”. Jede Art von produzierendem Gewerbe ist extrem energieintensiv und damit per se “NICHT umweltbewusst”. Von daher ist es also IMMER umweltbewusster den Laden zuzumachen als ihn zu erhalten…
      Ausserdem ist es immer noch in erster Linie der Sinn eines jeden Unternehmens Gewinn zu machen. Darüber sind dann sicher auch die Angestellten froh. In einem Laden dessen Maxime das Umweltbewusstsein ist, würde ich als Angestellter nicht arbeiten wollen, weil mir wichtig ist, dass der Laden überlebt.
      Von daher ist sicher jede Art von Umweltbewusstsein genau kalkuliert: Was kostet es, was bringt es. Momentan bringt es sicherlich bzgl. Marketing einiges. Im wesentlichen geht es aber absehbar um harte Euros – die CO2 Strafen sind ja gesetzt. Der Antrieb für die Hersteller ist also glasklar.
      Nichts desto trotz kann ein Hersteller (wie von mitsu gefordert) nicht mal so eben sein Portfolio übern Haufen schmeissen. Ein Fahrzeug mit den Fahreigenschaften eines 5er mit 1200kg/150 PS ist momentan nicht wirtschaftlich herstellbar. Punkt. Es wird (meist immer von links/grün angehauchtem Klientel) so getan als seien die (deutschen) Automoblihersteller träge/nicht innovativ. Absoluter bullshit. Alle Technologien werden fortlaufend auf den Prüfstand gestellt um Kosten/Nutzen Verbesserungen zu realisieren. Was wir uns alleine in Bereichen (Elektrik/Elektronik) anschauen, wo CO2 mässig fast nix zu holen ist, ist – gelinde gesagt – schon bemerkenswert!
      Und zum Thema Kritikfähigkeit, die ein BMW Fahrer besitzen muss:
      Das ist dieser furchtbarer Neidgesellschaft Mix, mit dem man gerade in Deutschland überzogen wird. Offensichtlich bietet sich genau das Auto als ideale Projektionsfläche an, unabhängig davon, wie hoch in diesem Bereich die tatsächliche Auswirkung ist. Fairerweise muss man jedem mündigen Bürger zugestehen, dass er individuell seinen CO2 Mix bestimmt. Wenn ich eine persönliche Präferenz habe, lieber ein größeres Auto zu fahren (dafür evtl. weniger Kilometer als mein Nachbar), dafür aber weniger heize (weil mir 20 Grad Raumtemperatur nun mal langen) und auch sonst en Wenigflieger bin, dann sehe ich überhaupt nicht ein, warum ich bzgl. eines Fahrzeugs, das 180g statt 130g verbraucht irgendwie kritikfähig sein müsste. Am Ende des Tages darf es eben nur auf die Gesamt-Bilanz des persönlichen CO2 Verbrauchs ankommen. Doch davon sind wir momentan WEIT weg. Ein Hr. Sarazin wird dafür angegriffen, wenn er objektiv bei Heizkostenvergleichen feststellt, dass die Transferleistungsbezieher (die die Heizkosten nicht selbst zahlen) überdurchschnittlich heizen und anregt, dass die mal nen Pulli anziehen könnten. Da schreit das Links-Klientel gleich auf, wie unmenschlich sowas ist, den Leuten zu verbieten bei 24 Grad in der Wohnung zu hocken…. Aber das Auto ist halt für diese Art der Politik so ein tolles Instrument, um Haß zu schüren…
      Ein F10 Diesel ist ein absolutes Wunder an Effizienz – und ein toller Indikator 🙂 Wer gegenüber einem Fahrer eines solchen Fahrzeugs kritik äussert hat entweder überhaupt nichts verstanden oder möchte nur agitieren.

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