Mario Theissen im Interview nach den drei 24 Stunden-Rennen 2010

Motorsport | 6.08.2010 von 0

Der BMW M3 GT2 hat in verschiedenen Varianten an den drei großen Langstreckenklassikern Europas teilgenommen und dabei beinahe zwei Siege eingefahren. Während am Nürburgring das …

Der BMW M3 GT2 hat in verschiedenen Varianten an den drei großen Langstreckenklassikern Europas teilgenommen und dabei beinahe zwei Siege eingefahren. Während am Nürburgring das Glück auf der Seite von BMW stand, man von technischen Problemen bei der Konkurrenz profitierte und so das Rennen gewinnen konnte, obwohl man dank der Balance of Performance-Einstufung definitiv nicht das schnellste Auto im Feld hatte, wendete sich das Glück bei den folgenden Rennen von BMW ab.

In Le Mans war die Geschwindigkeit des umfangreich überarbeiteten BMW M3 GT2 LM ebenfalls nicht auf dem Niveau der Spitze, weshalb sich das 17. BMW Art Car von Jeff Koons nur bedingt in Szene setzen konnte. Dazu kamen noch Rennzwischenfälle, die ein gutes Abschneiden endgültig unmöglich machten. Bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps sprach eigentlich alles für BMW und Startnummer 79 führte das Rennen bis 40 Minuten vor Schluss souverän an – doch dann machte ein Spurstangenbruch einen Strich durch die Rechnung und sorgte für einen Porsche-Doppelsieg, während für BMW Motorsport “nur” die Positionen drei und vier blieben.

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Dr. Mario Theissen und Art Car-Designer Jeff Koons bei den 24 Stunden von Le Mans

Im Interview von BMW spricht Motorsport-Direktor Dr. Mario Theissen über die Höhen und Tiefen der Saison und über die Erwartungen für die Zukunft:

Herr Theissen, wie lautet Ihr Fazit nach den drei Einsätzen des BMW M3 GT2 bei europäischen 24-Stunden-Klassikern?
Mario Theissen: “Wir sind mit unseren Starts auf dem Nürburgring, in Le Mans und in Spa-Francorchamps insgesamt zufrieden. Der Höhepunkt war natürlich gleich der erste Einsatz in der Eifel. Obwohl die Vorbereitungszeit mit dem BMW M3 GT2 extrem knapp war, konnten wir unseren 19. Gesamtsieg bei diesem Klassiker feiern. Der Schlüssel zum Sieg war zweifelsohne die Zuverlässigkeit unserer Autos. Wir waren nicht unbedingt die Schnellsten, konnten jedoch bis zum Ende des Rennens konstante Zeiten fahren. Das ist bei einem solchen Marathon ein entscheidendes Kriterium.”

In Le Mans stand das 17. BMW Art Car im Mittelpunkt des Interesses…
Theissen: “Ganz richtig. Es war faszinierend zu sehen, welche Aufmerksamkeit der Start mit dem von Jeff Koons gestalteten BMW M3 GT2 Art Car auf sich zog. Zudem war es schön, zum ersten Mal nach unserem Gesamtsieg mit dem BMW V12 LMR 1999 wieder bei dieser beeindruckenden Veranstaltung dabei zu sein. Sportlich lief es leider nicht wie geplant. Mit dem BMW M3 GT2 in der ACO-Spezifikation hatten wir noch weniger Zeit zur Vorbereitung als vor dem Rennen auf dem Nürburgring. Zudem mussten wir mit einem kleineren Luftmengenbegrenzer antreten, was uns das Leben zusätzlich schwer gemacht hat. Platz sechs in der LM GT2-Klasse war am Ende nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Dennoch konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln, die in die Weiterentwicklung des BMW M3 GT2 eingeflossen sind.”

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Wie groß ist Ihre Enttäuschung nach dem knapp verpassten Sieg in Spa-Francorchamps?
Theissen: “Für jeden im Team war es hart, den Sieg 40 Minuten vor dem Ziel aus der Hand geben zu müssen. Aber im Motorsport gleicht sich meistens alles aus. Am Nürburgring hatten wir ein wenig Glück und konnten am Ende jubeln. In Spa-Francorchamps waren wir sehr gut vorbereitet und sehr schnell unterwegs. Dass wir die Führung gewissermaßen auf der Zielgerade noch verloren haben, ist zwar schade. Dennoch kann die ganze Mannschaft stolz auf ihre Leistung sein. Das Team, die Fahrer und unser Reifenpartner Dunlop haben den BMW M3 GT2 im Lauf der vergangenen Monate zu einem Siegertyp geformt.”

Wo werden wir den BMW M3 GT2 in diesem Jahr noch im Einsatz sehen?
Theissen: “Zunächst kämpft der BMW M3 GT2 natürlich in der American Le Mans Series weiter um den Titel in der GT-Klasse. Aktuell sieht es dort für das BMW Rahal Letterman Racing Team viel versprechend aus. In der Fahrerwertung belegen unsere Piloten die Plätze zwei und drei, in der Team- und Herstellerwertung fehlt uns lediglich ein Punkt auf den Spitzenreiter. Vor den abschließenden vier Saisonrennen sind wir also in einer aussichtsreichen Position, um den ersten Titel in der ALMS seit 2001 ins Visier nehmen zu können. Zudem tritt BMW im neuen Intercontinental Le Mans Cup an. Neben dem Petit Le Mans in Road Atlanta, das zur ALMS zählt, werden wir in Silverstone und Zhuhai am Start sein. Nach dem jüngsten Aufwärtstrend bin ich zuversichtlich, dass wir auch in dieser Serie eine gute Figur abgeben können.”

Die Tourenwagen-WM befindet sich in einer fünfwöchigen Sommerpause. Wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Theissen: “Andy Priaulx befindet sich für das BMW Team RBM nach 14 Rennen mitten im Titelrennen. In Brünn konnte er den 50. Sieg für BMW in dieser Meisterschaft seit 2005 erringen. Es war ein besonders wichtiger Triumph, da Andys direkte WM-Konkurrenten gleichzeitig Punkte liegen gelassen haben. So konnte er sich in der Fahrerwertung bis auf 16 Punkte an die Spitze heranarbeiten. Außerdem freut es mich, dass einmal mehr auch BMW Fahrer in privater Mission auf sich aufmerksam machen konnten. Allen voran ist sicherlich Colin Turkington zu nennen, der in sechs Rennen bisher drei Mal auf das Podium fahren konnte.”

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Was erwarten Sie von den vier abschließenden Veranstaltungen?
Theissen: “Andys Ausgangsposition für die kommenden Rennen in Oschersleben, Valencia, Okayama und Macau ist gut. Im vergangenen Jahr haben wir auf jeder dieser vier Strecken mindestens einen Sieg gefeiert. Wenn uns das auch 2010 gelingt, können wir ein Wort um den Titel mitsprechen. Sollte Andy wie erhofft mit einer WM-Chance nach Macau reisen, dann kann dort bekanntlich alles passieren.”

Wie beurteilen Sie die Premierensaison des BMW Z4 GT3?
Theissen: “Mit jedem Rennen gelingt es unseren Kundenteams in Zusammenarbeit mit BMW Motorsport, den BMW Z4 GT3 zu verbessern. In der FIA GT3 Europameisterschaft hat diese Arbeit bereits Früchte getragen: Schubert Motorsport konnte in Jarama den ersten Sieg für unser jüngstes Kundensport-Fahrzeug erringen. Wir sind auf einem sehr guten Weg, was die Leistungsfähigkeit des Autos angeht. Ich bin überzeugt, dass uns der BMW Z4 GT3 in dieser Saison noch häufig Freude bereiten wird.”

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