WTCC: Priaulx und Farfus profitieren von Problemen der Konkurrenz

Motorsport | 23.05.2010 von 3

Deutlich besser als erwartet konnten die BMW-Piloten bei den beiden Läufen zur Tourenwagen-WM WTCC in Monza abschneiden. Trotz der Pole Position im gestrigen Qualifying war …

Deutlich besser als erwartet konnten die BMW-Piloten bei den beiden Läufen zur Tourenwagen-WM WTCC in Monza abschneiden. Trotz der Pole Position im gestrigen Qualifying war klar, dass die Seat Leon TDI mit ihrer seit Jahren fragwürdigen Motoreneinstufung auf den langen Graden der Traditionsrennstrecke zum Favoritenkreis gehören. Im ersten Lauf hatten sich bereits alle Fahrer auf einen Sieg von Gabriele Tarquini eingestellt, als sich dessen Vorderreifen aufzulösen begann. Nutznießer war zunächst Rob Huff im Chevrolet, der zu diesem Zeitpunkt aber auch schon Reifenprobleme hatte. So konnten Andy Priaulx und Augusto Farfus mit ihren BMW 320si beide Fronttriebler noch überholen und einen Doppelsieg feiern, weil die Reifen der frontgetriebenen Fahrzeuge der Belastung offenbar nicht gewachsen waren.

Im zweiten Rennen konnten die Fronttriebler erneut die Spitzenpositionen halten, der bis dato WM-Führende Gabriele Tarquini nahm sich allerdings durch einen Frühstart selbst aus dem Rennen und mit Michael Nykjaer erlitt ein weiterer Seat-Pilot kurz vor Rennende einen Reifenschaden und musste in der letzten Runde aufgeben. Somit errangen Priaulx und Farfus am Ende die Plätze vier und fünf und konnten deutlich mehr Punkte sammeln, als man anhand der Ausgangslage zu träumen gewagt hätte.

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Bart Mampaey (Teamchef): “Nach dem erfolgreichen Qualifying mit den Plätzen eins und drei wussten wir, dass es beim fliegenden Start schwierig werden würde, unsere Positionen zu verteidigen. In der ersten Schikane hat Augusto die Führung dann auch verloren, konnte sich aber anschließend wieder auf den vierten Platz verbessern. Andy wurde bei der Anfahrt auf die erste Schikane von der Strecke gedrückt, kam aber auf Platz drei aus dem Getümmel. Beide Fahrer haben das Rennen dann wie ein Zug und ohne Fehler absolviert. In der hektischen letzten Runde behielten beide den Überblick und gingen erst an Robert Huff und Gabriele Tarquini vorbei, als grüne Flaggen geschwenkt wurden. Dafür wurden sie mit dem Doppelsieg belohnt. Das ist ein grandioses Ergebnis auf einer Strecke, die uns eigentlich überhaupt nicht entgegen kommt.”

Andy Priaulx: “Nach meinem zweiten Sieg in Folge bin ich natürlich überglücklich. Eigentlich hatte ich im ersten Rennen ganz schön zu kämpfen. Aber als sich dann die Ereignisse in der letzten Runde überschlugen, waren Augusto und ich zur Stelle. Natürlich tut es mir für Gabriele Tarquini und Robert Huff leid. Wir hatten jedoch in der Vergangenheit ebenfalls schon mehr als einmal Pech, so dass wir den Doppelsieg gerne mitnehmen. Ich widme diesen Erfolg meiner Großmutter, die leider am Mittwoch verstorben ist. Sportlich gesehen war das ein traumhaftes Wochenende.”

Augusto Farfus: “Wir hatten schon damit gerechnet, am Start Positionen zu verlieren. Dann habe ich jedoch schnell meinen Rhythmus gefunden und konnte ein hohes Tempo anschlagen. Die letzte Runde war einfach nur verrückt, und es ist fantastisch, dass Andy und ich noch ganz nach vorne gerückt sind. Dieses Ergebnis ist großartig für BMW und unser Team. Nach dem Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring vor einer Woche hier wieder auf dem Podium zu stehen, ist sensationell.”

  • Lennardt

    Wäre es für BMW eigentlich sooo problematisch, auch mit einem Diesel an den Start zu gehen? Scheinbar ist es ja die überlegene Technik bei dem Reglement.. 🙁

    • six-in-a-row

      soweit ich weiß soll das reglement ja jetzt endlich geändert werden… ich glaub BMW verzichtet aufgrund der sonstigen verödung der wtcc auf einen diesel- sonst würden sich am ende nur noch bmw und seat bekämpfen und alle anderen aufgrund unterlegenheit die segel streichen.
      Außerdem gehört Diesel nicht in den Motorsport;)
      (war das nicht schon einmal thema hier vor ein paar monaten??)

  • Benny

    Über einen möglichen BMW 320d WTCC hatte ich in der Tat schon vor einiger Zeit geschrieben, das Fahrzeug stand wohl mehr oder weniger fertig zur Verfügung, wurde aber nie in der WTCC eingesetzt – um die Serie nicht zur reinen Diesel-Serie verkommen zu lassen. Technisch bietet ein 320d dank Heckantrieb und um Längen besserer Gewichtsverteilung die weitaus bessere Basis als ein Leon TDI.
    Mehr dazu hier: BMW vor dem Ausstieg aus der Tourenwagen-WM?
    Zur Einstufung der Seat: Bei welcher Messungenauigkeit beginnt eigentlich Absicht?

    Ab nächstem Jahr werden alle Fahrzeuge mit 1,6 Liter Turbos (natürlich Benziner) fahren. Einen Nachfolger für den E90 wird es wohl frühestens zur Saison 2012 geben, vorher ist eigentlich nicht wieder mit größeren Erfolgen von BMW zu rechnen. Wenn die Diesel nächstes Jahr aus dem Rennen sind und die Turbos ungefähr auf einem Level sein, dürfte Chevrolet nächstes Jahr deutlich vorn liegen. Aktuell können sie eben ihren Geschwindigkeitsvorteil nicht nutzen, weil die Seat auf den Graden unüberholbar sind. Ähnlich ging es ja auch BMW schon – in den Kurven klar schneller, aber auf den Geraden kommt man nicht vorbei. Wie stark der Chevrolet anno 2010 ist, hat man ja gestern gesehen: Trotz 40kg Mehrgewicht gegenüber den BMW war er mindestens gleichauf, vielleicht sogar noch immer einen Tick besser.

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