Fahrbericht: Der BMW Z4 sDrive23i

BMW Z4 | 19.10.2009 von 17

Im Folgenden lest ihr einen Gast-Beitrag unseres Lesers Andreas Krieger, der vor kurzem einen BMW Z4 sDrive23i ausgiebig testen konnte. In der Zukunft wird es …

Im Folgenden lest ihr einen Gast-Beitrag unseres Lesers Andreas Krieger, der vor kurzem einen BMW Z4 sDrive23i ausgiebig testen konnte. In der Zukunft wird es noch mehr Fahrberichte von ihm geben und ich freue mich über seine Mitarbeit. Genug geredet, ab sofort hat Andreas das Wort:

Der neue Zetti. Huh, wo soll ich anfangen?. Bei dem nicht allzu kritikfreien Metallklappdach? Lieber nicht! Darüber kann man sich wochenlang sinnlos den Kopf zerbrechen, davon kommt die Stoffmütze auch nicht wieder. Fakt ist, dass der E89 nun ein Metallklappdach hat. Und in Anbetracht desvermutlich mit Stoffmütze gesegneten Z2 verzeihe ich der BMW AG ihre Z4-Metallklappdach-Affäre.

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Das Design des neuen Z4 Roadster haut mich einfach um. Einfach nur makellos. In der Tat wirkt der Wagen aggressiv und sportlich. Aber eben auf eine etwas dezente Weise. Um ehrlich zu sein wüsste ich nicht, wie man so etwas mit einem M-Paket oder mit Hilfe aus Buchloe noch toppen könnte.

Wie heißt es noch mal? “Einsteigen & Wohlfühlen”. Also zumindest das Ein- und Aussteigen ist nichts für Rückenkranke und will geübt werden. Doch ist man erstmal drin, überzeugt das Raumgefühl. Eng und sportlich präsentiert sich der Innenraum, der einen regelrecht umschlingt. Dank meiner “Adleraugen” fallen mir aber sofort einige schlecht verarbeitete Teile auf: Die A-Säule ist mit Plastik abgedeckt, die Verdeckmechanik schaut im Interieur raus…

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…die silber lackierten Plastikinterieurleisten können ebenfalls nicht überzeugen und an manchen Stellen schauen Gummiteile raus.

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Am meisten hat mich aber das grobflächige Dashboard irritiert. Ich bin mir sicher, dass jeder BMW-Verkäufer in so einem Moment zu mir sagen würde: “Tja, Herr Krieger. Bestellen sie doch das erweiterte Lederpaket, dann haben sie das Problem nicht!” Liebe BMW AG – bei einem Grundpreis von rund 36.000€ kann man so etwas nicht durchgehen lassen. Fairerweise muss ich aber sagen, dass der Wagen ziemlich schlecht ausgestattet war. Ach was soll’s, ich fahr mal lieber los. Gemeckert wird später.

Nach dem Starten des 2,5liter Motors, ließ ich den 23i in Anwesenheit des BMW-Verkäufers bis 7.000 U/min ‘dezent’ hochdrehen. Der starre Blick des Verkäufers verriet mir seine Gedanken: “Oh Gott, das Auto kommt nicht in einem Stück wieder!” In dem Moment konnte ich nur mit dem Gedanken ” Schnell weg hier!” kontern. Ich muss zugeben, am Anfang war ich etwas skeptisch. 1480 Kilogramm und 204 PS – Ob dabei Freunde am Fahren aufkommt? Und siehe da, der Reihensechser hält, was er verspricht. Die Beschleunigung auf 100 in unter 7 Sekunden war zumindest kein Wunschdenken der BMW AG.

In Zeiten von Downsizing, CO2 Reduzierung und der Turbozwangsbeatmung ist es schön zu wissen, dass es noch Sauger a la BMW gibt. UND ERSCHRECKEND ZU GLEICH! Denn wie kann man nachts ruhig schlafen wenn man weiß, dass R6 Sauger wohl spätestens Ende 2013 ausgerottet sein werden? Furchteinflößend!

Runter vom BMW Gelände, rein in die Züricher Stadtmitte. Der neue Z4 ist ein richtiger eye-catcher, egal wohin man fahrt. Sein Äußeres polarisiert nun mal, egal ob man es will oder nicht. An der Ampel hielt plötzlich ein Z1 Roadster neben mir. Schicksaal? Oder doch nur Zufall? Nach unserem 30-sekündigem generationsübergreifenden Klassentreffen an der Ampel trennten sich unsere Wege leider schon wieder. Da kam mir wieder die Frage auf “Warum zum Teufel hat der Z4 kein Stoffdach?”

Ohje, jetzt geht diese -Stoff/Metall, sein/nicht sein- Geschichte los… Ich brauche eine Ablenkung. Ein kurzer Blick auf den Bordcomputer – 12,1 Liter Durchschnittsverbrauch! Es geht aber auch anders. Rauf in den 6en und der Benzinmomentanverbrauchsanzeiger (ein BMW-Relikt aus der Vergangenheit) gibt endlich Ruhe.

Ich persönlich fand zu keinem Zeitpunkt, dass der 23i mit seinen 1,5 Tonnen überfordert war. Im Gegenteil, die 204 Pferdchen haben mich positiv überrascht. Mit dem 23i ist man in jeder Lebenslage sportlich unterwegs. Den Aufpreis von rund 11.000€ (für den 35i) kann man sich also ruhig sparen. Dennoch ist der Z4 keine Fahrmaschine a la Z3M. Dafür ist er viel zu sehr auf Komfort abgestimmt. Und das Gewicht von 1480kg macht die Sache noch schwerer. Da der Zetti etwas untersteuernd ausgelegt wurde, muss man den Wagen richtig provozieren, um einen Drift zu ermöglichen. Wer also die Möglichkeit hatte, einen Z3M zu bewegen, der wird vom Z4 enttschäuscht werden – und ich rede hier nicht vom offensichtlichen Leistungs-Untschied.

Die Schaltung ist etwas knochig aber dennoch äußerst präzise. Leider kommt man beim Schalten ständig mit dem Ellbogen auf die Armauflage. Ich weiß ja nicht wie die Arme der BMW-Testfahrer konstruiert sind, aber das hätte man besser hinkriegen können. Ansonsten hält der Z4 keine Überraschungen parat. Die Lenkung präzise, die Bremsen standfest und das Zusammenspiel aller technischen Komponente ist sowieso 1A. So wie man es von einem BMW erwartet und gewohnt ist.

Reden wir über den Sound. Also eins steht fest: Einem BMW-R6 Sauger kann soundtechnisch niemand so schnell was vormachen. Kraftvoll, basslastig, ein bisschen schreiend, ein bisschen rotzend, aber keineswegs aufdringlich. Ein authentischer Sound eben. Die besten Töne spuckt der Zetti aber im 6. Gang bei 50-70km/h. In dem Augenblick ist der Sound richtig basslastig.

Reden wir über den anderen Sound, nämlich das Hifi-Standard. Das serienmäßige HiFi-System hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen. Wenn man die Lautstärke auf ca. 50% aufdreht, fängt der Ton an zu wackeln, zu rauschen und sich zu verzerren. Kurz gesagt, wenn John Legend nur wüsste, in welcher Tonqualität ich seine Musik wiedergebe, würde er seinen Kopf schütteln und gegebenenfalls auch sagen: “Is this my music? That´s not dignified at all!”

Am Ende des Tages muß ich sagen, dass der Z4 mich im Großen und Ganzen überzeugt hat (abgesehen von einigen billig verarbeitetete Interieur-Teilen). Dennoch ist der neue Zetti für mich eine Art Mogelpackung. Von außen aggressiv, sportlich, lange Haube, kurzes Heck und optisch bereit, jeden Porsche Boxster hinter sich zu lassen. Fahrtechnisch gesehen ist er jedoch mehr SLK-hintersichlasser als Porsche-Jäger. Der Grundpreis ist so gesehen auch relativ hoch. Immerhin liegt der Z4 sDrive23i mit seinem Grundpreis von rund 36.000€ auf dem Niveau eines BMW 520i. Nichtsdestotrotz hat mir BMW wieder einmal gezeigt, weshalb ich bei anderen Herstellern nichts verloren habe.

In Anbetracht der R6 Sauger-Deadline sag ich heute schon: “Rest in peace, geliebter R6 Sauger!”

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