Probefahrt mit dem MINI E – Nummer 505 lebt!

MINI | 24.08.2009 von 13

Für die regelmäßigen Leser unseres Blogs ist der MINI E längst ein geläufiger Begriff geworden, denn wann immer es um die zukünftigen Elektro-Fahrzeuge der BMW …

Für die regelmäßigen Leser unseres Blogs ist der MINI E längst ein geläufiger Begriff geworden, denn wann immer es um die zukünftigen Elektro-Fahrzeuge der BMW Group geht, muss natürlich auch der rein elektronisch betriebene MINI E für seine Pionierarbeit gelobt werden.

Anlässlich des 11. Sächsischen Verkehrssicherheitstages war es uns nun vergönnt, selbst einmal hinter das Steuer des völlig emissionsfreien Stadtflitzers zu klettern und den quasi lautlosen Elektro-MINI über den Sachsenring zu fahren. Der von BMW zur Verfügung gestellte MINI E trägt im Übrigen die Nummer 505, denn wie alle Sondermodelle bei MINI tragen auch die Elektrofahrzeuge eine individuelle und weltweit einmalige Zahl auf ihrer Außenhaut.

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Betrachtet man den MINI E von außen, fällt eigentlich nur auf, dass er völlig gewöhnlich aussieht. Bei geschlossenem Fahrzeug ist der einzige sichtbare Unterschied zu den Modellen mit Verbrennungsmotor das Fehlen von Endrohren, ansonsten kommt der MINI E praktisch serienmäßig daher.

Unter dem Blechkleid sind die Veränderungen natürlich tiefgreifender und auch schon beim Öffnen der kleinsten Klappe in selbigem erkennbar. Wo normale MINIs ihren fossilen Treibstoff eingefüllt bekommen, wird beim MINI E idealerweise Strom aus regenerativen Energiequellen eingespeist. Nachdem man im Fahrzeug-Menü die Stärke des zur Verfügung stehenden Stromanschlusses ausgewählt hat – 12 Ampere, 32 Ampere oder 50 Ampere – kann der Ladevorgang mit Hilfe der mitgelieferten Adapter beginnen.

In Abhängigkeit von der Stromstärke dauert ein kompletter Ladevorgang, bei dem 28 Kilowattstunden in den MINI gepumpt werden, zwischen zwei und acht Stunden. Eine derart geladene Batterie reicht dem MINI E für eine Distanz von bis zu 250 Kilometern. Vollgasfahrten verringern diesen Wert selbstredend, für die tägliche Fahrt zur Arbeit und zurück reicht die Reichweite aber allemal. Wer noch weiter zur Arbeit fährt, kann den Elektro-MINI aber auch dort an einer ganz normalen Steckdose wieder aufladen.

Die Batterie ist es auch, die den MINI seines ohnehin nicht unbedingt üppigen Kofferraums beinahe völlig beraubt, denn von diesem bleibt nur noch ein Volumen von 60 Litern übrig. Wer mit dem MINI E einkaufen will, sollte sich also genau überlegen, was er wirklich braucht. Auch die Möglichkeit zum Transport von Freunden und Kollegen ist limitiert, denn die Batterie hat nicht nur den Platz des Kofferraums für sich in Anspruch genommen, sondern auch die komplette Rückbank.

Unter der Motorhaube befindet sich ebenfalls ein ungewohntes Bauteil, denn der dort verbaute Elektromotor hat selbstredend keinerlei Ähnlichkeit mit den normalerweise dort verbauten Reihenvierzylindern.

Und wie fährt sich der Kleine nun? Zunächst einmal völlig unspektakulär und für einen Prototypen beinahe unglaublich “normal”. Startet man den Motor, herrscht nach wie vor völlige Ruhe im Fahrzeug. Das ist nicht nur ungewohnt, sondern auch nicht ganz ungefährlich, denn kaum ein Passant rechnet mit völlig lautlosen Verkehrsteilnehmern auf vier Rädern. Erst ab einer gewissen Geschwindigkeit dringt das Abrollgeräusch der Reifen ans Ohr der Passagiere, die bis dahin von völliger Ruhe umgeben sind.

Das Losfahren gestaltet sich ebenso unproblematisch: Nachdem man den vom Automatikgetriebe bekannten Hebel auf Drive gestellt hat, braucht man nur noch leicht Gas zu geben und schon kann die lautlose Fahrt beginnen. Dennoch erfordert der Umgang mit dem Gaspedal etwas Eingewöhnung, denn seine Funktionsweise macht das Bremspedal fast immer überflüssig. Geht man vom Gas, schaltet der Motor in den Generatorbetrieb um und nutzt die in der Bewegung des Fahrzeugs steckende Energie sofort zum Laden der Batterie.

Die dabei stattfindende Verzögerung ist in der Regel völlig ausreichend und macht den Einsatz des Bremspedals wohl nur bei sehr sportlicher Fahrweise oder einer Vollbremsung unumgänglich. Wer im Stadtverkehr vorausschauend unterwegs ist, wird die eigentliche Bremsanlage fast gar nicht benutzen müssen.

Wer bei Elektrofahrzeugen an langsame Vehikel mit kaum nennenswerter Längsdynamik denkt, wird beim MINI E ebenfalls eine “Enttäuschung” erfahren. Denn der elektrisch betriebene Stadtflitzer bringt zwar rund 300 Kilogramm mehr als ein normaler MINI Cooper auf die Waage, verfügt aber auch über 204 PS sowie ein quasi jederzeit anliegendes Drehmoment von 220 Newtonmetern.

Damit beschleunigt der MINI E trotz seines Mehrgewichts eine halbe Sekunde schneller auf Landstraßentempo als der 120 PS starke MINI Cooper, also in 8,5 Sekunden. Wenn der MINI erst einmal rollt, spielt auch das Gewicht eine kleinere Rolle und die 204 PS sorgen im Bedarfsfall für eine absolut ausreichende Beschleunigung, die zumindest im Stadtverkehr keinerlei Wünsche unerfüllt lassen sollte. Für die Autobahn ist der MINI E prinzipiell genauso geeignet wie seine Geschwister mit Verbrennungsmotor, zumindest wenn man von der auf 152 km/h limitierten Höchstgeschwindigkeit absieht.

Legt man aktuelle Strompreise zu Grunde, kosten 100 Kilometer mit dem MINI E rund 1,50€ – ein Wert, der wohl von keinem Hybrid, Diesel oder gar Benziner auch nur annähernd erreicht wird. Neben dem eigenen Portemonnaie tut man aber natürlich auch der Umwelt etwas Gutes, denn wie schon gesagt, stößt der MINI E kein einziges Gramm CO2 aus.

Zum Abschluss gibt es noch ein Video, das euch die ständigen Veränderungen der Energieanzeige während der Fahrt zeigt. Das Video ist eigentlich selbsterklärend, aber trotzdem noch einmal eine kurze Erläuterung: Wo wir bei einem normalen MINI die Anzeige für den Füllstand des Benzintanks finden, haben wir beim MINI E eine Power-Anzeige, die uns über den derzeitigen Systemzustand aufklärt.

Die wichtigste LED ist dabei die waagerechte am linken Rand des Kreises, diese ist sozusagen der Ausgangspunkt. Steht das Fahrzeug, leuchtet nur diese LED. Wenn Energie aus der Batterie für das Beschleunigen des Fahrzeugs entnommen wird, leuchten je nach Leistungsabruf mehr oder weniger der darüber angeordneten LEDs auf. Wenn das Fahrzeug verzögert, arbeitet der Motor als Generator und die Batterie wird wieder aufgeladen. Je stärker der Ladevorgang ist, um so mehr der drei LEDs unterhalb der waagerechten LED leuchten auf. Während der Video-Aufzeichnung wurde das Bremspedal nicht betätigt, sämtliche Verzögerungen sind allein auf die Generator-Arbeit des Motors zurückzuführen.

Und natürlich gibt es auch noch ein paar Bilder von “Nummer 505”:

Unser Dank für das Ermöglichen der Probefahrt gilt Marcus Dudek von der BMW Niederlassung Chemnitz!

  • Hans

    Wie sieht es auf Eis und Schnee aus? Blockieren da die Räder wenn ich vom Gas gehe?

  • Benny

    Der MINI E hat DSC serienmäßig an Bord und wird entsprechend mit Daten des Bordcomputers versorgt. Ich gehe davon aus – ohne es zu wissen – dass die vom Generator “verursachte” Bremsleistung bei sehr niedrigen Temperaturen reduziert wird. Auf trockener Straße reicht es jedenfalls nicht annähernd, um die Räder blockieren zu lassen, auch auf nasser Straße habe ich davon noch nicht gehört (von Leuten, die den MINI E im Alltag bewegen). Warten wir mal ab, was Peter Trepp & Co. im Winter zu berichten haben, ich weiß es nicht.

  • hans

    Natürlich stößt der MINI E auch CO² aus!!! Es sei denn der Strom wäre vollkommen aus regenerativen Energie! Nur mal so neben bei… Elektro Fahrzeuge machen erst dann richtig Sinn, wenn ein Großteil der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien gesichert ist. Weiterer Nachteil: Durch die Geräuschlosigkeit wird es mit Sicherheit mehr Verletzte/Tote im Straßenverkehr geben (Fußgänger/Fahrradfahrer)!

  • Benny

    Der MINI E stößt kein CO2 aus. Wenn der Strom nicht aus regenerativen Energiequellen kommt, wird bei der Produktion des Stroms CO2 ausgestoßen, was man in der Gesamtenergiebilanz betrachten muss – der MINI E selbst stößt aber kein Gramm CO2 aus.
    Außerdem würde ich das Thema nicht als Nachteil bezeichnen, denn es ist ja nicht so, dass nicht-elektrische Fahrzeuge kein CO2 ausstoßen würden. Man kann also kaum sagen, dass E-Fahrzeuge nur Sinn machen, wenn ihr Strom aus reg. E-Quellen stammt, weil sie sonst indirekt dasselbe tun wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, nämlich CO2 ausstoßen. Wenn es eine völlig CO2-freie Alternative gäbe, könnte man so herangehen, so ist es aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

    Ähnlich wie beim Toyota Prius gibt es natürlich auch die Problematik der Batterien, die irgendwann entsorgt werden müssen und so weiter. Die Technik ist fraglos noch nicht derart perfekt, wie sie manchmal dargestellt wird. Im Fall des MINI E merkt man allerdings fast nichts davon, dass sich die Entwicklung von Elektrofahrzeugen praktisch noch in den Kinderschuhen befindet – verglichen mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

  • andreas krieger

    bist du mit dem mini gefahren, oder hast du nebendran gefilmt????

    falls du mit dem ding gefahren bist, erzähl mal, wie fährt so ein elektro-ding. der hat sicher schub ohne ende aus dem drehzahlkeller, oder?

  • Benny

    Während des Videos saß ich auf dem Beifahrersitz, im Anschluss bin ich selber gefahren.
    Ich bin erstmal schön ruhig gefahren, denn bei einem Prototypen will man nix kaputt machen, der kostet nämlich ein paar Euros 🙂 Selbstverständlich geht das Ding richtig gut, wenn er einmal rollt zieht der sehr ordentlich. Man hat ja keinen Drehzahlmesser, insofern ist das mit dem “Drehzahlkeller” so ne Sache, aber er geht praktisch in jeder Lebenslage identisch gut und bietet jederzeit Schub ohne Ende. Es ist ungewohnt, weil man eben anders als bei Saugmotoren keine lineare Steigerung der Motorleistung hat, sondern es eben konstant gleich bleibt. Das ist aber ne reine Gewöhnungssache und im Grunde sehr angenehm, denn man hat jederzeit reichlich Schub 🙂
    Bei weiteren Fragen, nur zu 🙂

  • andreas krieger

    wie bist du eig. auf diese probefahrt mit dem elektro-flitzer gekommen. dürfte jeder der dort anwesend war ne runde mit dem ding drehen. oder hast das besondere privileg gehabt, da du der betreiber des bmw-blogs bist, den mini zufahren.

    wie hast du es empfunden, dass man nichts von dem motor hörte (ausser vllt ein zummen). eher negativ,im sinne von:oh man das ist doch kein auto , fühlt sich an als ob man s-bahn fährt. oder eher angenehm.

    ich könnte mir vorstellen das die el-fahrzeuge in der stadt gefährlich sein können, da die fußgänger oder radfahrer den motor nicht hören.
    aber da wird man sicherlich eine lösung finden, vllt motorsound auf mp3 abspielen und in den auspuff eine box verbauen, oder so ähnlich

  • Benny

    Also außer den Mitarbeitern der BMW NL Chemnitz und mir durfte da niemand fahren, aber mitfahren durften alle. Zu verdanken habe ich das Marcus Dudek von der NL Chemnitz, der Leser unseres Blogs ist 🙂 Danke nochmal dafür 🙂

    Bezüglich der fehlenden Motorgeräusche: Nun ja, es ist komisch. Es ist ungewohnt. Aber ich würde es nicht als unangenehm bezeichnen oder sagen, dass es mir gefehlt hätte. Natürlich ist es emotional irgendwie besser, wenn da ein Motor brüllt und man richtig mitkriegt, dass da Leistung arbeitet. Aber es ist im MINI E so, dass man jederzeit Leistung hat, auch wenn der Sound natürlich fehlt. Ein leichter Sound ist bei hoher Last schon hörbar, aber das ist natürlich nicht vergleichbar. Man sieht und hört es ja im Video. An ne S-Bahn hab ich keine Sekunde gedacht, denn man sitzt letztlich noch immer am Lenkrad und fährt Auto, auch wenn kein Sound zu hören ist.

    Bezüglich der Fußgänger ist es vermutlich wirklich nicht ganz ungefährlich, denn bis 30 oder so ist einfach absolut nix zu hören, weil da auch noch keine nennenswerte Geräusche von den Reifen kommen. Ich denke, das erfordert auch von den Passanten etwas Umgewöhnung. Ich meine, eigentlich muss man eh gucken, ob da irgendwas kommt bevor man auf die Straße rennt, denn von nem Radfahrer hört man ja eigentlich auch nichts. Insofern wird das vielleicht auch ein wenig überschätzt, ich weiß es nicht.

  • andreas krieger

    ok danke für die info. freut mich dass du die gelegenheit hattes solch eine technik auf rädern zu testen.
    ich glaube ich werde mir auch nen bmw-blog zulegen um solche privilegien zu genießen. dann laden mich meine leser vllt auf ne probefahrt mit dem X6M oder ähnliches.
    wird aber schwer mit dir info-technisch mitzuhalten. ich taufe meinen blog aber in bimmertomorrow.de, da bin ich wenigstens im vorteil.
    ne spaß bei seite. muss dann los, hoffe ich werde von keinem mini E überrollt.

    beste grüße

  • Benny

    Ja, freut mich auch 🙂
    Viel Erfolg mit Deinem Blog 😉
    Und immer schön die Augen offen halten, hinterhältige MINI E sind zumindest in München und Berlin unterwegs 😉

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