Warum andere Hersteller nicht gegen die Staatshilfen für die “Big Three” protestieren

Sonstiges | 11.12.2008 von 0

Auf den ersten Blick scheint es verwunderlich, dass andere Hersteller, die auf dem US-Markt Fahrzeuge anbieten, sich nicht über die geplante Milliarden- unterstützung für die …

Auf den ersten Blick scheint es verwunderlich, dass andere Hersteller, die auf dem US-Markt Fahrzeuge anbieten, sich nicht über die geplante Milliarden- unterstützung für die US-Autobauer beschweren. Offensichtlicher könnte eine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten ausländischer Hersteller kaum sein. Der Zeitpunkt, sich über die völlig verfehlte Produktstrategie der amerikanischen Konkurrenten und die vor allem daraus resultierenden finanziellen Schwierig- keiten auszulassen, könnte scheinbar kaum besser sein. Schließlich könnte man im selben Atemzug auch die eigenen, fortschrittlicheren Produkte anpreisen.

Doch weder die deutschen Hersteller noch Toyota oder Honda äußern derartige Bedenken gegenüber dem staatlichen Rettungsschirm. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Der erste ist die Zuliefererindustrie. Diese Betriebe, die heute für einen Großteil der Autoteile verantwortlich sind und auch viele “Innovationen der Hersteller” zu verantworten haben, arbeiten in aller Regel mit zahlreichen Herstellern zusammen. Der Preisdruck auf diesem Markt ist hoch. Wenn nun ein so großer Abnehmer wie General Motors ausfiele, wäre das mit hoher Wahrscheinlichkeit das Aus für mehrere Zulieferer. Das würde wiederum auch viele andere Hersteller treffen, denn diese sind ja ebenfalls auf die Lieferungen der Zulieferer angewiesen.

Der zweite Grund ist eher psychologischer Natur. Wer sich jetzt öffentlich gegen einen Rettungsschirm stellt, wird damit nicht besonders viele Sympathiepunkte in den USA sammeln – schließlich hängen an diesem Rettungsschirm neben drei maroden Herstellern auch tausende Arbeitsplätze, die man mit den Unternehmen vernichten würde.

An statt sich also über den US-Rettungsschirm zu beschweren, fordern andere Hersteller beispielsweise Hilfen von der EU in vergleichbarem Umfang. Dies erscheint vor dem Hintergrund eines fairen Wettbewerbs durchaus gerechtfertigt und auch an den europäischen und asiatischen Herstellern hängen natürlich tausende Arbeitsplätze, allerdings ist die Situation hier auch noch nicht so ernst wie bei den US-Herstellern. Andererseits wäre es natürlich ungerecht, die Big Three nun auch noch mit Steuergeldern in Milliardenhöhe für ihre Rückständigkeit zu belohnen, während man derartige Hilfen den Technologieführern verwehrt.

Laut dem Fiat-Chef Sergio Marchione wird die Krise so oder so nur von sechs Herstellern überlebt, diese Einschätzung wird jedoch von vielen als zu pessimistisch gesehen. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, wie sich die Lage bei den verschiedenen Herstellern weiter entwickelt. Im Sinne der Arbeitsplatzsicherung wäre es sicherlich das Beste, wenn keiner der Automobilhersteller zu Grunde ginge. Ob man diesen wünschenswerten Ausgang allerdings mit Steuergeldern finanzieren sollte – oder überhaupt kann – ist für Außenstehende wie uns nur schwierig zu beurteilen.

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Bimmertoday

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